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Stadtgeschichte
Das Männlein im Mauerstein

Das Prümer Pissengelchen - mit Monika Rolef, die uns auf die Geschichte gebracht hat.
Das Prümer Pissengelchen - mit Monika Rolef, die uns auf die Geschichte gebracht hat. FOTO: Fritz-Peter Linden
Prüm. Das Prümer „Manneken Pis“: In der Stadt gibt es einen Wasserspender, dem die Bürger einen ähnlich liebevoll-derben Namen gaben wie die Brüsseler. Er half ihnen in schweren Zeiten. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Da mussten wir doch noch einmal nachfragen – bei Monika Rolef, der Basilikaführerin, Spendensammlerin, Stadträtin, Frauenschuh-Vorsitzenden, Ehren-Bertrada. Anlass unseres Gesprächs: das Prümer – ja, sie nennen es wirklich so – Piss-Engelchen. Das hatte sie uns vorige Woche ja bereits in der Eifelkolumne kurz vorgestellt. Und da wollten wir doch ein bisschen mehr drüber wissen.

Nachdem die Figur, sozusagen das Prümer Manneken Pis, im TV erwähnt war, „haben mich direkt schon Leute angerufen und gefragt, wo das denn sei“. Und wo (p)ist das Männlein nun? „In der Heldstraße“, sagt Monika Rolef. Und zwar neben dem Getränkehandel Benzrath und Anita Mayers Gasthaus am Ritzstraßen-Kreisel.

Das Kerlchen hockt in einer Mauer, weniger an einen Engel erinnernd als an eine feucht-fröhliche Dionysos-Figur, über einem Wasserhahn. Der bedient sich aus einer Quelle, die irgendwo im Berg dahinter sitzt.

Heute kommt kaum noch einer hin. Früher war das anders: „Das war nach dem Krieg eine wichtige Wasserstelle“, sagt Monika Rolef. Weil es keine stabile Versorgung gab: „Die Leute holten sich ihr Wasser in Bombentrichtern, in Tümpeln – und hier. Da waren ganze Schlangen“, sagt sie, „weil das Wasser so langsam lief. Deswegen ja auch Piss-Engelchen.“

Das Engelchen wurde auch von der Familie Nels benutzt, die dort früher eine Färberei betrieb. „1872 gegründet, 1912 beendet“, sagt Monika Rolef. Nachschauen muss sie nicht. „Das hab ich im Kopf.“ Die Färberei habe das Wasser sehr geschätzt, weil es so weich gewesen sei. Ebenso die benachbarten Gerbereien, die sich „über die ganze Held“ gezogen hätten. Und weshalb es heute noch in Prüm den Gerberweg gibt.

Die Familie Nels habe auch den Engel-Brunnen bauen lassen, im Jahr 1912. Entworfen habe ihn vermutlich der Regierungsbaumeister Peter Eggelin – den hatte das Land Anfang des 20. Jahrhunderts nach Prüm geschickt, um das Abteigebäude fertigzustellen. Das stammt zwar aus den 1740er Jahren, entworfen von Balthasar Neumann. „Aber dann gab es Knatsch mit Trier. Da hörten die auf zu bauen“, sagt Monika Rolef. Weshalb 180 Jahre später dann eben Eggelin anrückte und der Abtei die noch fehlende Ecke spendierte. Und Eggelin „ist auf dem Brunnen verewigt. Deswegen denke ich, dass der den auch gebaut hat.“

Heute hält ihn Anita Mayer in Schuss, die dort auch das Gasthaus „Im Kreisel“ führt („Ich hätt das ja Gasthaus am Piss-Engelchen genannt“, sagt Monika Rolef).

Anita Mayer hat über dem Engelchen übrigens eine zweite Figur platziert, die sie sich von Peter Weiland meißeln ließ: Sie zeigt Hans Benzrath, ihren verstorbenen Lebensgefährten. Aus der Quelle, erzählt sie, habe früher ihr Schwiegervater Peter Benzrath immer das Kaffeewasser geholt. „Und sich da kalt gewaschen.“

Zurück in die Gegenwart. Und zu Anita Mayers aktuellem Problem: Denn die Engels-Quelle sprudelt nicht mehr. „Die hat sich irgendwie verlaufen.“ Und das dürfe nicht sein, sagt die 79-Jährige. Also werde sie die Sache untersuchen lassen.

„Und ehe ich abkratze“, sagt Anita Mayer, „läuft das Pissmännchen wieder.“

Die Besitzerin: Anita Mayer mit der Büste von Hans Benzrath.
Die Besitzerin: Anita Mayer mit der Büste von Hans Benzrath. FOTO: Fritz-Peter Linden
Das Engelchen in ganzer Schönheit.
Das Engelchen in ganzer Schönheit. FOTO: Fritz-Peter Linden
Die Besitzerin: Anita Mayer mit der Büste von Hans Benzrath.
Die Besitzerin: Anita Mayer mit der Büste von Hans Benzrath. FOTO: Fritz-Peter Linden