| 20:36 Uhr

Starke Zahlen, große Sorgen

Prüm. Jahresversammlung des Waldbauvereins Prüm in der Karolingerhalle: Die Mitglieder freuten sich über ein erneut starkes Holzgeschäft. Allerdings sorgen sie sich um die Betreuung ihrer Wälder. Denn das Land stellt immer weniger Forstleute ein. Fritz-Peter Linden

Prüm. Der Waldbauverein Prüm hat wieder ein gutes Jahr hinter sich: Die Vermarktungsgesellschaft des Vereins, die Prümer Wald und Holz GmbH (PWH), verkaufte in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 77 000 Kubikmeter Holz, das zweitbeste Ergebnis in der mehr als 90-jährigen Geschichte des Vereins nach 2011 mit 90 000 Kubikmetern (siehe Extra).
An Erlös bleiben den Waldbesitzern davon 66 Euro pro Kubikmeter, insgesamt etwa fünf Millionen Euro. Zahlen, auf die man stolz sein dürfe, sagte Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm und Geschäftsführer des Vereins. Zumal sich der Gesamtumsatz, der 2012 mit Holz aus dem Besitz der Vereinsmitglieder verzeichnet wurde, auf satte 254 Millionen summiert.
"Sonst gehen die Lichter aus"


Dabei habe die Aufgabentrennung zwischen Landesforsten Rheinland-Pfalz - genauer: dem Forstamt, das die Waldbesitzer betreut und berät - und der PWH prima funktioniert.
Allerdings trüben Sorgen das erfreuliche Ergebnis: Denn der Vorsitzende des Waldbauvereins, Hans-Heinrich Thome, stellte die Frage, wer sich in Zukunft noch um die Anliegen der privaten Waldbesitzer kümmere. So sei das bisherige "Erfolgsmodell", die bestens funktionierende Zusammenarbeit zwischen Verein und Forstamt, in Gefahr: Zwar würden junge Forstleute beim Land ausgebildet, dann aber aus Spargründen nicht übernommen. Die Politik versuche sich da aus der Verantwortung zu ziehen: Betrachte man die Altersstruktur bei den Forstbeschäftigten, "dann gehen in sieben Jahren die Lichter aus. Dann hängt am Forstamt nur noch das Schild."
Die Forstwirtschaft feiere im Jahr 2013 die Nachhaltigkeit, die "seit mittlerweile 300 Jahren Tradition in unseren Wäldern" sei, sagte Thome. Weltweit werde sie kopiert, "und wir selber verlieren sie womöglich aus den Augen. Nachhaltige Forstwirtschaft funktioniert nur mit gut qualifizierten Forstleuten in der Fläche. Die werden aber immer weniger." Und ein Ende der restriktiven Einstellungspolitik des Landes sei nicht in Sicht.
Verständnis für diese Haltung zeigte auch Jens Jacob, Chef der Forstabteilung im Umweltministerium, bekannte jedoch: "Wir haben einen enorm hohen Spardruck." Das zeige sich an der Personalentwicklung in den vergangenen 20 Jahren: Mehr als ein Drittel des Personals habe man in dieser Zeit verloren. Aufzuhalten sei diese Entwicklung nicht - aber: "Wir müssen den Sinkflug stoppen." Aus diesem Grund habe man auch Peter Wind als Fachmann nach Mainz geholt, der dort an den künftigen Personalstrukturen arbeitet (der TV berichtete).
Die Prümer Waldbauern sind nicht die einzigen, die sich gegen den Personalabbau stemmen: Thome empfahl den Mitgliedern deshalb auch die bei der Versammlung vorgelegte Resolution "Für Wald und Mensch" des Bundes Deutscher Forstleute zur Unterschrift.
Das Thema des Gastredners Michael Diemer, Leiter des Forstamts Kastellaun und Referent für Windenergie im Umwelt- und Forstministerium: "Windenergie im Wald". Eine Energiewende ohne Windkraft könne es nicht geben, sagte Diemer, der sich im Hunsrück schon lange mit dem Thema befasst. Abgesehen vom ökologischen Sinn der Windenergie gebe es "erhebliche Wertschöpfungspotenziale" für die Region - wenn man es richtig anstelle (Bericht folgt).
Hans-Heinrich Thome dankte abschließend allen, die im und für den Wald tätig seien. Dazu zählt er auch die Abnehmer der Waldbauern: Ohne stabile Nachfrage zu auskömmlichen Preisen sei eine nachhaltige Waldbewirtschaftung nicht vorstellbar. "Nur wenn es den Sägewerkern gutgeht, kann es auch den Waldbesitzern gutgehen."Extra

Der Waldbauverein Prüm, 1922 gegründet, ist die älteste Vereinigung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Aus anfangs 96 Mitgliedern sind mehr als 3400 geworden, damit ist der Verein zugleich einer der größten in der Bundesrepublik - mit mehr als 12 000 Hektar Waldfläche in den Verbandsgemeinden Arzfeld, Prüm, Obere Kyll und Gerolstein. Vorsitzender seit 1991: Hans-Heinrich Thome aus Dingdorf. Bei der Holzvermarktung arbeiten die Prümer Waldbauern eng mit den Kollegen im Bitburger Raum zusammen: Gemeinsam gründeten sie dazu die Forstwirtschaftliche Vereinigung Eifel (FVE). Diese bündelt die Holzmengen und handelt Rahmenverträge mit den Großabnehmern aus. fpl