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Sturmtief: Feuerwehr rückt zu dutzenden Einsätzen in der gesamten Eifel aus

In Schönecken riss der Sturm diesen Baum um, der dann auf eine Stromleitung und auf die Straße stürzte. Foto: Rüdiger Hack, Feuerwehr Schönecken
In Schönecken riss der Sturm diesen Baum um, der dann auf eine Stromleitung und auf die Straße stürzte. Foto: Rüdiger Hack, Feuerwehr Schönecken FOTO: Rüdiger Hack / TV
Bitburg/Prüm. Umgerissene Bäume, Stromausfälle, beschädigte Dächer: Tief Burglind hat in der Eifel etliche Schäden hinterlassen. Schwerverletzte gab es keine. Damit das so bleibt, sprachen die Forstämter eine Warnung aus: Die Bürger sollen Waldgebiete in den nächsten Tagen meiden. Von Fritz-Peter Linden, Christian Altmayer, Frank Auffenberg und Stephan Sartoris
Fritz-Peter Linden

Das erste Sturmtief des Jahres hat am Mittwoch überall in der Eifel seine Spur hinterlassen: Quer durch die Region stürzten in den Wäldern Bäume um – und auf die Straßen.

Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm, sprach eine vorsorgliche Warnung aus: Niemand solle in diesen Tagen in die Wälder gehen. Noch sei nicht zu ermessen, wo und wie viele Bäume dort umgefallen oder so stark beschädigt seien, dass sie eine Gefahr darstellen: „So lange es keine Entwarnung gibt, besteht akute Lebensgefahr“, sagte Wind am Mittwochmittag. Sofern es nicht unbedingt notwendig sei, empfiehlt er auf jeden Waldspaziergang in den kommenden Tagen zu verzichten. „Laubwälder sind dabei etwas unbedenklicher. Fichtenbestände sollten aber unbedingt gemieden werden.“

Am Schwarzen Mann hatten die Einsatzkräfte schnell die Straße freigeräumt.
Am Schwarzen Mann hatten die Einsatzkräfte schnell die Straße freigeräumt. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV

Ob der Wald hart getroffen worden sei, könne er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Denn auch für seine Mitarbeiter hat Wind den Wald zur Sperrzone erklärt. Sie dürfen also auch nicht ausrücken, um den Schaden zu beurteilen.

Auch große, kräftige Bäume, wie dieser zwischen Kerschenbach und Ormont, wurden von den starken Windböen umgeworfen.
Auch große, kräftige Bäume, wie dieser zwischen Kerschenbach und Ormont, wurden von den starken Windböen umgeworfen. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV

Besonders viel hatte die Feuerwehr am Morgen in der VG Südeifel zu tun. Zu 10 Einsätzen mussten die Wehren ausrücken. Der größte: Etwa zehn Fichten waren auf die Landesstraße 8 zwischen Utscheid und Fischbach-Oberraden gestürzt. Ab halb acht mussten Autofahrer eine Umleitung nehmen. Währenddessen zerkleinerten etwa 25 Feuerwehrleute die Stämme und zogen sie mit Seilwinden vom Asphalt. Später übernahm dann der Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein die Arbeiten. Für die Wehren in der Südeifel gab es aber auch danach noch einiges zu tun.

Das Sturmtief Burglind hat rund um Neuerburg so manchen Baum entwurzelt.
Das Sturmtief Burglind hat rund um Neuerburg so manchen Baum entwurzelt. FOTO: Feuerwehr Südeifel
Auch die Prüm ist an einigen Stellen über die Ufer getreten, wie hier am Ortseingang von Niederprüm.
Auch die Prüm ist an einigen Stellen über die Ufer getreten, wie hier am Ortseingang von Niederprüm. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV

Umgestürzte Bäume galt es auch in Neuerburg, Mettendorf, Körperich und Sinspelt aus dem Weg zu räumen. Kreis- und Landesstraßen blieben teils über Stunden gesperrt. Inzwischen seien sie aber alle wieder frei, teilte ein Sprecher der Feuerwehr Südeifel mit.

Durch heftigen Regen ist die Kyll am Morgen über die Ufer getreten.
Durch heftigen Regen ist die Kyll am Morgen über die Ufer getreten. FOTO: Mario Hübner / TV

Bei starkem Regen und Sturm müssen die Südeifeler aber auch stets ihre Flüsse im Auge behalten. Zwischen Neuerburg und dem Einsiedlerhof Kreuzdorf sei ein Bach über die Ufer getreten. Von weiteren Überflutungen weiß ein Sprecher der Bitburger Polizeiinspektion: So sei auch die Landesstraße 9 zwischen Oberpierscheid und Altscheid überflutet gewesen. Die Einsatzkräfte behielten nun weiterhin die Pegel der Sauer, der Our und der Prüm im Auge, sagt der Feuerwehrsprecher: „Die Lage ist nicht kritisch, aber angespannt.“

Überschwemmungen hielten auch die Wehren im Bitburger Land auf Trab. So trat in Biersdorf gegen 6.07 Uhr der Talbach übers Ufer. In der Bitburger Straße in Metterich lief das Hochwasser gegen 6.21 Uhr in einen Hauskeller. Ferner wurde nach Angaben der Bitburger Polizei auch die Bundesstraße 257 nahe Wolsfeld und die L36 zwischen Gindorf und Pickließem überflutet.

Ansonsten, das teilen Polizei und Feuerwehr mit, gab es wie in der Südeifel Probleme mit umgestürzten Bäumen. Ein etwa 50 Zentimeter dicker Stamm blockierte für eine knappe Stunde die Landesstraße 33 zwischen Neustraßburg und Densborn. Solche Einsätze gab es auch in Wolsfeld, Wißmannsdorf, Brecht und Echtershausen.

In Prüm (Bild), Fleringen und anderen Orten warf der Sturm Ziegel von einigen Dächern.
In Prüm (Bild), Fleringen und anderen Orten warf der Sturm Ziegel von einigen Dächern. FOTO: Fritz-Peter Linden / TV

Die Stadt Bitburg blieb vom Sturm weitestgehend verschont. Laut Polizei und Feuerwehr gab es im Gebiet nur einen einzigen Einsatz. In der Lessingstraße war ein Baum umgefallen. Dafür hatte der Wind den Müll aus den gelben Säcken, die vor den Türen standen, durch die ganze Stadt geweht. Arbeiter waren seit halb 8 damit beschäftigt Verpackungen, Tüten und Plastik aufzulesen und zu entsorgen.

Zu einem Unfall kam es in der Verbandsgemeinde Speicher. Auf der L46 zwischen Herforst und Rothaus prallte ein PKW gegen einen auf der Fahrbahn liegenden Baum. Verletzt wurde der Fahrer nicht. Es entstand lediglich Sachschaden. Sonst sei die Nacht und der Morgen für die Speicherer vergleichsweise ruhig verlaufen, teilt ein Sprecher der Feuerwehr mit. Seine Truppen hätten zu drei Einsätzen ausrücken müssen. Zwischen Herforst und Spangdahlem, zwischen Speicher und Dahlem und zwischen Speicher und Philippsheim versperrten umgestürzte Bäume die Fahrbahn. Diese konnten aber schnell weggeräumt werden.

Einiges los war am Morgen allerdings im Bereich der Verbandsgemeinde Prüm. Die Feuerwehr berichtet von etwa 20 Einsätzen seit 6 Uhr, unter anderem musste die Landesstraße 20, die über den Schwarzen Mann führt, zeitweise gesperrt werden. Außerdem seien einige Autofahrer nicht mehr weitergekommen, sagt der stellvertretende Wehrführer Tobias Kickertz: Vor und hinter ihnen waren Bäume auf die Straße gekracht. Verletzt wurde - wie auch rund um Bitburg - niemand. Die L 20 war bald darauf wieder freigeräumt.

Auch in der Stadt Prüm behinderten umgekippte Bäume den Verkehr, genau so wie in und bei Kerschenbach, Ormont, Jünkerath (Obere Kyll) und Steinmehlen und Willwerath (VG Prüm).

In der Verbandsgemeinde Arzfeld stürzten unter anderem in Krautscheid und zwischen Philippsweiler und Eilscheid Bäume auf die Straßen. In Schönecken warf der Wind einen Baum um, der dann auf eine Stromleitung und quer über die Straße stürzte.Unter anderem in Prüm flogen an einigen Häusern Ziegel von den Dächern. In Fleringen wurde dadurch ein Auto beschädigt.

Auch im Kreis Vulkaneifel hat Orkantief „Burglind“ Feuerwehren und Polizei eine ereignisreiche Nacht beschert. So mussten allein die Wehren gut 50 Mal im Kreisgebiet ausrücken, um voll gelaufene Keller leer zu pumpen und vor allem umgestürzte Bäume zu beseitigen. Betroffen war unter anderem auch die Autobahn 1 am Dreieck Vulkaneifel. Das führte auch dazu, dass einige Straßen zeitweise gesperrt werden mussten. Die Bilanz des stellvertretenden Kreisfeuerwehrinspekteurs Thomas Risch: „Im Großen und Ganzen ist alles glimpflich ausgegangen.“

Rund um Daun gab es mehrere Autounfälle wegen umgestürzter Bäume. Auf der Landesstraße 27 bei Neroth kollidierte eine junge Frau mit einem Baum. „Sie hatte Glück im Unglück“, berichtet Helmut Römer von der Polizeiinspektion Daun. „Ein Ast hat sich in die Windschutzscheibe gebohrt, glücklicherweise aber auf der Beifahrerseite, so dass die Frau nur leicht verletzt wurde.“ Auch bei Darscheid und Mosbruch gab es solche Unfälle. Die Fahrer blieben aber unverletzt.

In etlichen Orten fiel vorübergehend der Strom aus, darunter Büdesheim,Wallersheim, Winterscheid, Winterspelt, Kleinlangenfeld, Neuendorf und Olzheim in der Verbandsgemeinde Prüm. Aber auch in der Vulkaneifel und an der Oberen Kyll blieb es zeitweise dunkel - darunter die Orte Demerath, Dreis-Brück, Feusdorf, Esch, Gönnersdorf, Lissendorf, Reuth, Stadtkyll, Steineberg und Steffeln. In der gesamten Region waren nach Angaben von RWE-Tochter Westnetz rund 10 000 Bürger davon betroffen. Die Störungen seien im Laufe des Morgens aber behoben worden.

Ingesamt scheint das Gröbste inzwischen überstanden zu sein. Die Straßenmeistereien im Bereich des Landesbetriebs Mobilität Gerolstein werden aber noch länger mit den Folgen von „Burglind“ zu tun haben. Die Nacharbeiten - zum Beispiel der Abtransport der abgesägten Bäume - werde die Behörde wohl noch gut zwei Wochen beschäftigen“, sagt der stellvertretende Leiter Bruno von Landenberg.