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Theos große Liebe zum kleinen HSV

Mit Fahne und Ehrenurkunde: Der Habscheider Sportverein ist Theo Brandenburgs "Zuhause". Foto: Joachim Schröder
Mit Fahne und Ehrenurkunde: Der Habscheider Sportverein ist Theo Brandenburgs "Zuhause". Foto: Joachim Schröder
HABSCHEID. Ein Dorforiginal im besten Sinn, ein Helfer in der Gemeinde und im Verein und ein großartiges menschliches Vorbild: Theo Brandenburg aus Habscheid hat allen Grund, stolz zu sein. Für sein ehrenamtliches und teils "stilles" Arbeiten wurde er kürzlich von DFB-Präsident und "Namensvetter" Theo Zwanziger geehrt. ARRAY(0x1a11a2c78)

Eigentlich führt Theo Brandenburg ein Leben in Stille - oben auf Habscheids Höhen, in der Neustraße. Ein toller Blick hinab ins Alfbachtal und auf die Schneifel entschädigen ihn für vieles, was Theo schon hinnehmen musste: den Verlust der Eltern und seiner Freundin, einen Bruder, der fernab in einem Heim wohnt und die Arbeitsstelle. Durch einen Unfall ("Ich hatte Pech mit einem Tier") musste er den Beruf aufgeben und kann nur noch kleineren Arbeiten nachgehen. Doch Theo blieb immer tapfer, richtete sich auf und suchte nach neuen Aufgaben.Seit zwölf Jahren im Sportverein

Von denen gibt es genug, "man muss nur suchen und sich interessieren", sagt er. Er bewohnt das elterliche Anwesen: ein Wohnhaus, nebenan der alte Stall und einige Grünflächen. Der 39-jährige Junggselle ist ein Tierliebhaber: "Vier Schafe, vier Katzen, ein Kaninchen und jede Menge Tierbesuch aus der Nachbarschaft sind hier zu finden", sagt er. Theo bringt duftenden Kaffee auf die Terrasse: "Firr dech, ech haat dän schon ferdisch", sagt er in breitem Habscheider-Platt und schmunzelt. "Kuck es, lo leit dän Sportplatz", bemerkt er laut und weist in Richtung Sportverein-Gelände. Es ist Theos "Welt", auf die er so richtig stolz ist. Seit zwölf Jahren ist er Mitglied im Habscheider Sportverein, den man hier nur liebevoll "HSV" nennt. Doch seither liegt der "kleine HSV" ihm so richtig am Herzen. "Ja, hier mache ich die Kabinen sauber, pflege das Gelände, putze nach jedem Training die Nasszellen", bekennt er. "Ohne Geld, darum geht es mir nicht." Gerade kommt Hermann Peters mit seinem Lanz in den Hof gefahren. "Du machst bestimmt etwas über Theo, das finde ich sehr gut", sagt der Musikvereins-Vorsitzende. "Theo ist großartig, im ganzen Bezirk findest du keine Anlage, die so in Schuss ist", sagt Peters. Theo gießt Kaffee ein und beschenkt das Peters-Kind mit Süßigkeiten. Typisch Theo - ein Mann mit Tier- und Kinderliebe. Das bestätigen auch viele Eltern im Dorf, die den TV per Mail benachrichtigten. Petra Diederichs: "Er ist immer hilfreich." HSV-Vorsitzender Johann Heck: "Ein Mann, der alles für den Verein tut." Auch Ex-Nachbarin Marlene Winkelmann (früher Thielen) verteilt Komplimente: "Theo ist unersetzbar." Beim Training für die Kinder bereitet Theo Kaffee für die Eltern, beim Heimspiel seines HSV verkauft er Getränke und kümmert sich um die vielen kleinen Dinge. Er selbst ist ein echter Fußballfan: Mit Fahne (schwarz-rot) und Trillerpfeife geht es auf den Sportplatz, zu den Auswärtsspielen wird er mitgenommen. "Das ist wenigstens ein kleiner Lohn für seine Mühen", sagt Johann Heck. Doch es gab auch schon eine Auszeichnung der ganz besonderen Art "für verbindliche ehrenamtliche Leistungen im Fußballsport". Braucht es dazu keinen Kicker oder Vorständler, das gibt es also auch für Helfer? "Ja, ich spiele ja selbst keinen Fußball, wegen einer Erkrankung", sagt Theo. Unterschrieben hat die Urkunde kein geringerer als Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Darauf ist Theo Brandenburg besonders stolz. Ausgestellt wurde sie ihm im vergangenen Jahr. Und da wäre noch die Habscheider Karnevalsgesellschaft: Vor den Festivitäten hilft einer besonders mit: Theo. Und: Theo geht auch selbst in die Bütt. Bei Verschönerungsmaßnahmen im Ort ist Theo dabei. "Saubere Landschaft" oder eine besondere Aktion - Theo steht parat. Ohne Wenn und Aber. Er braucht keine Einladung, für ihn ist der selbstlose Einsatz Ehrensache. Der Kaffee wird abgeräumt, es beginnt zu regnen. "Kom, mir jon ran", sagt er und führt mich in die Küche. Hier kocht und bruzzelt der Junggeselle für sich selbst, Bilder erinnern an das frühere Leben im Haus. Bescheiden lebt er hier, aber zufrieden: "Mir geht es gut, ich bin hier geboren, wohne unter Freunden und guten Nachbarn."