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Und die Natur holt sich den Rest

Heruntergekommen: Das Hauptgebäude der Station kurz vor dem Abriss. Foto: Gerd Ostermann
Heruntergekommen: Das Hauptgebäude der Station kurz vor dem Abriss. Foto: Gerd Ostermann
Stadtkyll. Die frühere Funkstation des britischen Decca-Konzerns ist jetzt endgültig aus Stadtkyll verschwunden. Nach dem Funkturm vor 20 Jahren sind auch die Gebäude abgerissen. Rundherum entstand ein Naturschutzgebiet.

Stadtkyll. Rund 40 Jahre lang war er das erste, was man von Stadtkyll sah: Der rotweiße, 100 Meter hohe Gitterturm der Decca-Funkstation auf einer Anhöhe über dem Dorf. Für viele ein Wahrzeichen - das aber Anfang der 1990er Jahre abgebaut wurde, als die Station ihren Dienst einstellte und nach mehr als 40 Jahren auch die britischen Ingenieure, die dort gearbeitet hatten, auszogen. Der bekannteste von ihnen war Anthony Fortnum, der mittlerweile verstorbene Dirigent und swing-versierte Arrangeur des Musikvereins Stadtkyll.
In den vergangenen Tagen sind nun auch die letzten Spuren der Anlage verschwunden, die Hauptgebäude wurden abgerissen. Sie waren zusehends verfallen - "und immer wieder Ziel von Vandalismus und wilden Müllablagerungen", sagt Gerd Ostermann, der Biotopbetreuer des Landkreises Vulkaneifel.
Öltank im Boden


Im Rahmen einer Kompensationsmaßnahme hat die Firma Backes sie nun abgerissen und die Fläche entsiegelt. Die Arbeiten hatten bereits im Frühjahr vorgenommen werden sollen - dann tauchte aber ein alter Öltank im Boden auf. Das verkomplizierte das Vorhaben - alles musste abgepumpt und fachgerecht entfernt werden.
Rund um die ehemalige Station liegt seit 1994 das Naturschutzgebiet "Auf der Heid" und wird vom Naturschutzbund (Nabu) Kylleifel betreut und gepflegt. "Die wichtigsten Aufgaben seitdem waren die Entbuschung der Heiden, die Wiederaufnahme der Schafbeweidung, die dauerhafte Sicherung der Fläche durch Ankauf und die Beseitigung von Störungen wie Gebäude, Zäune und ähnliches", sagt Gerd Ostermann. "Alle diese Aufgaben sind inzwischen erfüllt, jetzt geht es um den dauerhaften Erhalt des Lebensraums Heide mit seinen Besonderheiten wie Glockenheide, Mannsknabenkräutern, Arnika, Waldläusekraut und vielen anderen."
Die Fläche gehört inzwischen den Naturschützern: 2010 hat der Nabu mit Unterstützung der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz das Gelände und die Gebäude erworben. fpl
Extra

Der Stadtkyller Decca-Sender gehörte seit 1952 zu einem Netz aus bundesweit vier Anlagen, das der Elektronikkonzern in Deutschland betrieb. Ursprünglich dienten die Sender der Schiffsnavigation. Danach sollten sie, wie der Lehrer und Regionalhistoriker Hubert Pitzen aus Stadtkyll im Heimatjahrbuch des Kreises Vulkaneifel schreibt, "den alliierten Piloten die Funknavigation über der DDR auf den Luftkorridoren nach West-Berlin erleichtern. Bis zur Wiedervereinigung flogen alliierte Verkehrsmaschinen in drei Luftkorridoren in circa 3000 Metern Höhe von Köln, Hamburg und Frankfurt nach Berlin, wobei sie an der ,sicheren Leine\\' des Stadtkyller Decca-Systems hingen." fpl