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Unwetter in der Eifel
Unwetter in der Eifel: Wenn die Fluten mehrfach wüten

Die Wohnung ist komplett hinüber: Thorsten Begon vor Containern mit Hausrat in Bleialf.
Die Wohnung ist komplett hinüber: Thorsten Begon vor Containern mit Hausrat in Bleialf. FOTO: Fritz-Peter Linden
Mützenich-Schweiler/Bleialf. Etliche Bürger und Hausbesitzer in der Eifel wurden von den Gewitterschäden doppelt heimgesucht: In Bleialf und dem Mützenicher Ortsteil Schweiler spülte das Wasser Erdreich von den nahen Maisfeldern in Keller und Wohnungen. Erst am Freitag voriger Woche, dann am Samstag noch einmal. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Während in vielen Eifelorten die Menschen noch mit den schweren Unwetterschäden von voriger Woche kämpfen (der TV berichtete), trifft es andere nur acht Tage darauf gleich noch einmal.

Ein Beispiel ist der Mützenicher Ortsteil Schweiler in der Verbandsgemeinde Prüm. „Ich hab hier Mais im Keller liegen“, sagt Kurt Thomas. Und zwar schon wieder: Erst am Samstagmorgen voriger Woche „hatte ich den letzten Dreck weggemacht“, sagt Thomas, den viele auch als Gästeführer am Schwarzen Mann kennen. Thomas hatte sich einen Traktor mit Hublader geliehen, um der Schlammmassen wenigstens einigermaßen Herr zu werden. „Was hab ich da schon Massen von Dreck weggemacht. Das ist Wahnsinn. Und prompt, nur einen halben Tag später, kam die nächste Geschichte.“

Musste mit dem Hublader ran, um der Erdmassen Herr zu werden: Kurt Thomas vor seinem Haus in Mützenich-Schweiler.
Musste mit dem Hublader ran, um der Erdmassen Herr zu werden: Kurt Thomas vor seinem Haus in Mützenich-Schweiler. FOTO: Fritz-Peter Linden

Die „Geschichte“ – das sind Tonnen von Erdreich, durch die heftigen Regenfälle herabgespült von einem nahen, abschüssigen Maisfeld. Nachbarn hatten ihn angerufen, da er beim zweiten Unwetter zwischenzeitlich nicht daheim war. Ihre Nachricht: „Dein Haus säuft schon wieder ab.“ Und er sei bei Weitem nicht der Einzige im Ort, den es getroffen habe. Kurt Thomas spricht von bestimmt einem Dutzend weiterer Hausbesitzer, denen am vergangenen Wochenende Ähnliches widerfahren sei.

Feinster Schlamm in jeder Ecke: am Haus von Kurt Thomas in Mützenich-Schweiler.
Feinster Schlamm in jeder Ecke: am Haus von Kurt Thomas in Mützenich-Schweiler. FOTO: Fritz-Peter Linden

Auch in Bleialf und nicht nur im vorgelagerten Ortsteil Hamburg (TV von voriger Woche). Besonders übel sieht es im Haus von Familie Begon in der Straße Mereienheck aus. Auch dort: ein nahes Maisfeld. Und auch ins Haus der Begons schossen die braunen, zudem stinkenden Fluten. Denn schließlich seien die Felder, sagt Helga Begon, vorher mit Gülle gedüngt worden.

Schlammlandschaft am Ortsrand von Bleialf.
Schlammlandschaft am Ortsrand von Bleialf. FOTO: Fritz-Peter Linden

Im Obergeschoss – dort wohnt sie mit ihrem Mann Hermann – ist alles vollgestellt mit Hausrat, den man aus der unteren Etage hochrettete. Dort wohnt der Sohn Thorsten mit Frau und zwei Töchtern. Das heißt: Jetzt wohnen sie dort nicht mehr. Die Kinder schlafen oben bei den Großeltern, Mutter und Vater kamen bei Nachbarn unter. Die Wohnung? „Ist komplett vollgelaufen“, sagt Thorsten Begon. Und was ging kaputt? „Alles. Bis auf den Rohbau müssen wir alles zurückbauen.“ Tatsächlich: Unten im Haus sind die Handwerker seit Tagen zugange, die Einrichtung ist raus, liegt teils draußen in Containern. Innen: Nackte Wände, aufgestemmter Boden. Alles, wirklich alles habe sich „voll Schlamm gezogen“, sagt Thorsten Begon.

Konsequenz: „Wir bauen da jetzt eine Mauer hin“, sagt Helga Begon und deutet auf die Hausrückseite, hinter der direkt das Maisfeld beginnt. Denn bei der nächsten Katastrophe habe man sonst wieder den Schlamm im Haus.

Allerdings verlangt sie, genau wie Kurt Thomas, dass noch mehr geschieht: „Für den Regen kann ja keiner was“, sagt der. „Aber solche Monokulturen, die bis auf Fußbreite an die Häuser gehen und das in Hanglage, das kann nicht sein.“

Michael Horper aus Üttfeld, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, sieht ebenfalls den Zeitpunkt für diese Diskussion gekommen: „Wann,  wenn nicht jetzt?“, sagt er. Nach solchen Naturereignissen und diesen gravierenden Folgen „müssen wir uns darüber unterhalten: Wie können wir das für die Zukunft minimieren?“

Michael Horper stellt sich zwar an die Seite der Bauern, die man jetzt nicht für alles verantwortlich machen dürfe. Zumal der Mais ohnehin „an allem Schuld war, was in den letzten Jahren passiert ist“. Dabei sei der Anbau doch im Sinne der Energiewende.

Aber auch er sieht immens große Maisanbauflächen kritisch. Dabei könne man einiges tun: Mehr Winterbegrünung, neue und bodenschonende Anbauverfahren, das sei alles machbar. Und auf großen Anbauflächen könne man Grünlandstreifen als Schutzriegel einziehen.

Wichtig sei, dass alles im Dialog geschehe, sagt der Bauernpräsident. „Wir stehen am Anfang der Diskussion, die wir aber führen müssen.“