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Kommunen
Oben klappt’s, unten hakt’s

Leitungsarbeiten für die neuen Windräder bei Üttfeld.
Leitungsarbeiten für die neuen Windräder bei Üttfeld. FOTO: Fritz-Peter Linden
Arzfeld. Mehr Rotoren: Der Rat der Verbandsgemeinde Arzfeld hat eine Windkraft-GmbH gegründet. Der Ausbau läuft also. Schwieriger ist es mit der kaputten Kerosin-Leitung im Boden bei Üttfeld: Niemand weiß, wer die Erdsanierung bezahlt. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Das kommt wie geplant: Just an diesem Donnerstag, zur Ratssitzung der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld, beginnen wenige Kilometer weiter, zwischen Üttfeld und Stalbach, die Baggerarbeiten. Und zwar dort, wo vor genau drei Wochen ein Pflug, der für die neuen Windräder einen Leitungskanal zieht, in eine alte Nato-Kerosinleitung gestochen hatte (der TV berichtete).

Bürgermeister Andreas Kruppert (CDU) rekapituliert in der Sitzung, was dann geschah: Eine Menge Flüssigkeit lief aus, neben Regenwasser auch „eine benzinartige Substanz“, bei der man zunächst befürchtete, es könne Kerosin sein. Der Gefahrstoffzug des Kreises, mehrere Feuerwehren, die Umweltbehörden – alle rückten an, um Schlimmeres zu verhindern.

Problembaustelle: die alte Nato-Kerosinleitung bei Stalbach.
Problembaustelle: die alte Nato-Kerosinleitung bei Stalbach. FOTO: Fritz-Peter Linden

Inzwischen steht fest: Es war kein Kerosin. Aber eine benzolhaltige Flüssigkeit, die bei der Reinigung der 1991 vom französischen Militär stillgelegten Leitung verwendet worden sein muss. „Seit heute“, sagt Kruppert, „wird auf einer Fläche von 150 bis 180 Quadratmetern und in einer Tiefe von zwei Metern das gesamte Erdreich abgetragen.“

Kurzfristige Folge: Wegen dieser Arbeiten muss der Radweg zwischen Euscheid und Üttfeld-Bahnhof bis kommenden Samstag, 6. Oktober, gesperrt werden, eine Umleitung ist ausgeschildert.

Die ausgehobene Erde wird unterdessen untersucht. Sollte sie nicht belastet sein, kann wieder neu verfüllt werden.

Derzeit, sagt Kruppert, sei der Eifelkreis „Herr des Verfahrens“. Langfristig sei aber ungeklärt, wer die Folgen und die noch unbekannten Kosten zu tragen habe. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat sich bereits für nicht zuständig erklärt. Unterlagen existieren ebenfalls keine mehr – während es am Ort des Malheurs, sagt Kruppert, „riecht wie an einer Tankstelle“.

Das bringt Hermann Köppen (Wählergruppe Köppen) auf die Palme: Geschehe so etwas einem Bürger auf Privatgrund, werde dieser „ganz schnell zur Kasse gebeten und zum Straftäter gemacht“. Auch für Michael Horper (CDU) ist deshalb wichtig zu erfahren: „Wer ist im Nachhinein verantwortlich?“ Schließlich sei die Leitung nicht die einzige Altlast: „Der Krempel liegt überall noch im Boden.“ Die Antwort weiß zurzeit allerdings niemand. „Im Zweifel“, sagt Andreas Kruppert, „wird irgendwann ein Richter entscheiden.“

Beneidenswert harmonisch – in der VG Prüm wird man es angesichts der Kontroversen dort zumindest so sehen – verläuft die Sitzung beim Thema Windkraft-Erweiterung: Zwar hat man deswegen nun das Problem mit der Kerosinleitung an der Backe. Ansonsten aber gilt: Quer durch die Kommune sind die neuen Anlagen im Bau oder schon am Netz. Fünf Windräder, vorrangig bei Lichtenborn und Lünebach, könnten noch dieses Jahr fertig werden und in Betrieb gehen, die sechste dann 2019.

Die Verbandsgemeinde wollte zunächst alles unter dem Dach einer Anstalt öffentlichen Rechts managen, hat sich dann aber für die Gründung einer GmbH entschieden, weil steuerlich günstiger. Köppen plädiert für eine Stiftung, Kruppert aber entgegnet, dass auch das geprüft worden sei. Am besten sei die GmbH. Fast alle stimmen dafür, Köppen enthält sich.

Einstimmig geht ein weiterer Beschluss durch: Der Versuch, für die Sanierung der Sporthalle Daleiden (für etwa 1,6 Millionen Euro) einen Zuschuss aus einem neuen Bundes-Förderprogramm zu beantragen. Da seien zwar knappe Fristen gesetzt, „aber für finanzschwache Gemeinden gibt es einen Zuschuss von 90 Prozent“, sagt Kruppert. Wer könnte dazu schon nein sagen?