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Umwelt
Mit den Bürgern für ein gesundes Klima

Britta Pott fasst als Planerin die Vorschläge der 40 Gäste zusammen. Sie werden im Klimaschutzkonzept berücksichtigt.
Britta Pott fasst als Planerin die Vorschläge der 40 Gäste zusammen. Sie werden im Klimaschutzkonzept berücksichtigt. FOTO: Frank Auffenberg
Prüm. Die Verbandsgemeinde Prüm verstärkt ihren Einsatz. Bei einer Auftaktveranstaltung am Dienstag wurde die Initiative vorgestellt, Teilnehmer konnten im Anschluss selber Projekt-Vorschläge einreichen.

Der Klimawandel ist eine Katastrophe globalen Ausmaßes: Waldbrände erschüttern die Menschen in den USA, schmelzende Gletscher und verschwindendes Polareis scheinen allerdings weit fern zu sein. „Aber wir müssen uns eins klar machen: Starkregenereignisse wie bei uns in diesem Sommer haben auch etwas damit zu tun, dass sich das Klima verschiebt“, sagt Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Prüm. Dies habe der VG-Rat erkannt und verstärke nun seine Bemühungen im Klimaschutz. Knapp 40 Gäste sind der Einladung zur Auftaktveranstaltung gefolgt, um sich in einem ersten Schritt in die Erstellung eines „Integrierten Klimaschutzkonzepts der VG Prüm“ einzubringen.

Wenn man über die Gefahren des Klimawandels diskutiere, neige man dazu, die ganze Sache sehr global zu betrachten: „Wir rügen dann Industrie, Straßenverkehr, Binnenschifffahrt und den Flugverkehr für die Emissionen, vergessen dabei aber gern, dass wir auch gern mit unseren Autos fahren, in einer warmen oder im Sommer auch kalten Wohnung sitzen“, sagt Söhngen. „Wenn wir globalen Klimaschutz fordern, müssen wir lokal handeln. Sonst wird das alles nicht klappen.“

Mit Mitteln der „Nationalen Klimaschutzinitiative“ (siehe Info) soll bis Ende März 2019 ein Papier erarbeitet werden, das sowohl den aktuellen Stand aller klimaschädlichen Emissionen erfasst, als auch Perspektiven und Handlungsvorschläge für eine deutliche Verringerung gibt. Bereits vor zwei Jahren wurde auf Antrag von Bündnis90/Die Grünen ein Klimakonzept erstellt. VG-Architekt und Gebäudeenergieberater Günter Wilwers gab in dem Papier einen Überblick zum Stand der Energieeffizienz der kommunalen Gebäude (der TV berichtete), betonte bei der Vorstellung im Ratssaal aber den Charakter als Teilkonzept. Beispielsweise fehle komplett eine Perspektive auf Einsparmöglichkeiten. Die wird nun quasi nachgeliefert.

„Wir konnten schon auf einen guten Datensatz zurückgreifen“, sagt Britta Pott, Mitarbeiterin von Sweco, dem Planungsbüro, das gemeinsam mit der Transferstelle Bingen das umfassendere „Integrierte Klimaschutzkonzept“ im Auftrag der VG erarbeitet. „Sie sind als VG schon gut aufgestellt. An einigen Punkten wurde bereits viel gemacht, unter anderem wurde ja schon die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik angestoßen“, sagt Britta Pott. Auch die Ausstattung der Wallersheimer Grundschule mit Photovoltaik und die Produktion von Klärgas bei der Abwasserreinigung seien gute Schritte. Die Projektgruppe des Bauausschusses arbeite eng mit den Planern zusammen, doch für ein umfassendes Konzept müsse man eben auch die Bürger an Bord holen, sagt sie.

Ähnlich wie bei den Auftaktveranstaltungen des Zukunftschecks Dorf sind nach der Vorstellung des Projekts die Gäste aufgefordert, sich in den Prozess einzubringen. An drei Stellwänden dürfen sie ihre Ideen festhalten. „Unter den Schwerpunkten für künftige Maßnahmen wurde besonders die Umstellung auf eine nachhaltige Wärmeversorgung immer wieder angeführt, auch die nachhaltige Beschaffung von Arbeitsmaterial und der öffentliche Nahverkehr liegen ihnen am Herzen“, sagt Britta Pott.

Auch in ihrem eigenen Handeln erkennen die Gäste besonders bei der Mobilität Handlungsspielräume. Jeder könne darauf achten, Autos möglichst effizient zu nutzen, beispielsweise mit der Gründung von Fahrgemeinschaften, dem Verzicht auf Verbrennungsmotoren oder ganz einfach auf unnötige Fahrten.

Man werde die Anregungen nun, wenn möglich, ins Konzept einfließen lassen, versichert Konzeptplaner Marius Weber. Die Ergebnisse würden demnächst auf der Internetseite der VG veröffentlicht, sagt Söhngen. Das fertige Konzept werde dann im März vorgestellt. Zudem plane man eine Informationsreise in den Hunsrück, bei der ein ähnliches Papier vorgestellt werde. „Wenn genug Interessenten dabei sein möchten, können wir eine Bustour planen“, sagt er. Der Termin werde bald bekanntgegeben.