| 18:21 Uhr

Interview
Volksbank Eifel plant keine weiteren Fusionen

 Andreas Theis, Vorstand der Volksbank Eifel.
Andreas Theis, Vorstand der Volksbank Eifel. FOTO: TV / Dagmar Dettmer
Bitburg/Prüm/Gerolstein. Mehr Kunden, weniger Filialen? Im TV-Interview spricht Volksbank-Vorstand Andreas Theis über den Wandel der Genossenschaftsbank in den vergangenen 25 Jahren und über das Banking der Zukunft auf dem Land. Von Dagmar Dettmer
Dagmar Schommer

(de) Damals lebten in Bitburg mehr Amerikaner als Deutsche. Der Flugplatz war als Nato-Stützpunkt noch voll in Betrieb. Der Dollar stand bei zwei Mark. Die heutige Hauptgeschäftsstelle der Volksbank war noch nicht gebaut. Die Idee, ein Stadtkernsanierungsprogramm aufzulegen, war gerade erst geboren. In den Gassen links und rechts der Fußgängerzone sah es noch teils wüst aus: bröckelnde Fassaden, marode Häuser, unschöne Baulücken. Bitburg war die Stadt der Landwirte, Handwerker und des Militärs.

In dieser Zeit begann Andreas Theis seine Lehre bei der Volksbank Bitburg, die 2016 mit der Fusion der Volksbank Eifel Mitte zu einem der größten genossenschaftlichen Institute der Region fusioniert ist und seither Volksbank Eifel heißt. Seit 21 Jahren lenkt Theis als Vorstand die Geschicke des Instituts, seit 25 Jahren arbeitet er ununterbrochen für das Unternehmen. Ein Vierteljahrhundert, in dem im Bankwesen eine Menge passiert ist.

Was hat sich Ihrer Ansicht nach grundlegend in den vergangenen 25 Jahren im Bankwesen geändert?

Theis: Früher kamen Kunden in einen „Nachfragermarkt“. Es gab nur wenige Anbieter finanzieller Dienstleistungen. Heute ist es umgekehrt: Wir werben um unsere Kunden. Kundenorientierung spielt eine entscheidende Rolle. Und das ist gut so. Wir müssen uns engagieren und uns um unsere Mitglieder und Kunden kümmern. Und natürlich hat sich unabhängig von diesem allgemeinem Wandel auch unsere Bank durch die Fusionen mit den Raiffeisenbanken Biersdorf, Neuerburg, Östliche Südeifel und schließlich der Volksbank Eifel Mitte verändert.

Inwiefern?

Theis: Durch die Zusammenschlüsse und das damit verbundene Wachstum war es möglich, dass unsere Mitarbeiter sich spezialisieren konnten. Somit können wir in unseren Geschäftsfeldern ein deutlich höheres Leistungsniveau anbieten. Durch unsere Größe können wir natürlich auch wachsende Unternehmen im Kreditgeschäft besser begleiten. Die Herausforderung besteht immer darin, mit der Größe nicht die Nähe zu den Kunden zu verlieren. Denn die zeichnet uns als Regionalbank ja aus.

Wenn Ihnen Nähe und Präsenz wichtig sind, wie passt es dann, dass Sie Filialen schließen?

Theis: Wir haben zwar räumliche Präsenz abgebaut, da wir Kleinstfilialen, die ohnehin kaum genutzt wurden, geschlossen haben. Dafür haben wir auf der anderen Seite aber persönliche Nähe aufgebaut. Mit unserem Konzept der VR SISy ist es möglich, über Bildschirm mit einem Mitarbeiter zu kommunizieren und all das zu erledigen, was früher am Schalter passierte wie beispielsweise Überweisungen. Und das von 7 bis 19 Uhr. Paralell dazu gibt es unsere VR-Eins-Filialen, in denen spezialisierte Fachleute unsere Kunden beraten – ob zu Fragen der Altersvorsorge oder der Finanzierung eines Hauskaufs und vieles mehr.

Mancher würde sich aber lieber wünschen, wenn alles so bliebe, wie es einmal war.

Theis: Filialen, die unsere Kunden rege nutzen, werden nicht geschlossen. Aber das Kundenverhalten hat sich geändert und wird sich weiter ändern. Da müssen wir Schritt halten. Heute erledigen viele ihre Bankgeschäfte online. Die kommen nicht mehr wegen einer Überweisung oder eines Dauerauftrags in die Bank. Es wird mehr und mehr mit Karte bezahlt. Und Bargeld gibt es inzwischen auch in vielen Supermärkten an der Kasse.

Wird es dann weniger Geldautomaten geben?

Theis: Wir haben derzeit 31 Geldautomaten in unserem Geschäftsgebiet. Ähnlich wie die Nutzung der Filialen analysieren wir auch die Nutzung der Automaten. Solange die Frequenz stimmt, ist der Standort gesetzt. Das heißt, die Kunden entscheiden selbst.

Wie sieht Ihrer Ansicht nach die Volksbank Eifel der Zukunft aus?

Theis: Wir gehen davon aus, dass schon in wenigen Jahren Kunden Standardgeschäfte überwiegend digital abwickeln. In wichtigen Fragen ist die persönliche Beratung dennoch unverzichtbar. Genau das ist unsere Stärke.

Und wie sieht der Genossenschaftsbanker der Zukunft aus?

Theis: Das wird vor allem ein Beziehungsmanager sein, umgeben von Spezialisten für bestimmte Themen – ob Versicherungen, Baufinanzierung oder eine Geldanlage. Es wird in Zukunft noch stärker darum gehen, dass ein Berater den Kunden mit seinen Wünschen und Zielen in den verschiedenen Lebensphasen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Spezialisten begleitet – von der Finanzierung des Studiums oder der Ausbildung bis zur Altersvorsorge, von der Existenzgründung bis zur Unternehmensnachfolge.

Planen Sie weitere Fusionen?

Theis: Nein, das ist für uns kein Thema. Wir sind, so wie wir sind, gut aufgestellt.