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Wenn es auf dem Radweg knattert

Prüm. Stress für Schüler: Wenn sie mit ihren Mofas - gesetzlich erlaubt - über den Prümtalradweg rollen, handeln sie sich ständig Ärger mit anderen Benutzern ein. Die Prümer Realschule plus und Polizeikommissar Richard Zeimetz wollen jetzt etwas gegen das Unwissen und für ein friedlicheres Miteinander auf den Radwegen tun. Fritz-Peter Linden

Mir läuft es kalt den Rücken herunter, wenn ich meine Schüler auf der B 410 fahren sehe", sagt Thomas Lauxen. Mit 25 Stundenkilometern rollen dann die Jugendlichen über die Bundesstraße, während die Autos mit 100 Sachen an ihnen vorbeikrachen. "Und das ist absolut gefährlich."Den jungen Leuten reicht es


Lauxen ist Konrektor der Prümer Realschule plus und leitet die Mofakurse an der Schule. Dass die Jugendlichen mit ihren Zweirädern auf Bundes- und andere Straßen ausweichen, hat einen unerfreulichen Grund: Auf dem Radweg, der deutlich weniger Gefahren birgt, werden sie nämlich regelmäßig gestoppt und manches Mal auch beschimpft. Weil viele nicht wissen, dass die Nutzung mit dem Mofa erlaubt ist. Den jungen Leuten jedenfalls reicht es mittlerweile: "Ich fahre nicht mehr über den Radweg", sagt Michael Pütz (16) aus der zehnten Realschulklasse. "Weil mich die Leute anpöbeln. Alle paar Meter quatscht einen einer an. Dann kann man wieder anhalten und fünf Minuten lang erklären."

Michael hat bereits erlebt, dass sich Radfahrer auf dem Weg querstellen, damit er nicht vorbeikommt. Andere drohen mit der Polizei, so hat es auch sein Schulkamerad Marius Lempges aus Arzfeld (ebenfalls 16) bereits erlebt, als er im vorigen Sommer mit Freunden aus dem Schwimmbad in Neuerburg heimkehrte: "Am Ende sind wir dann über die öffentlichen Straßen gefahren."

Immer wieder komme es außerdem vor, dass man von Radfahrern "ein Vögelchen" gezeigt bekomme, wenn man sie überhole oder die Hupe betätige. "Das ist manchmal extrem, was die Leute sich denken." Lehrer Lauxen hat übrigens die Probe aufs Exempel gemacht: Er fuhr vor einigen Tagen selbst mit dem Mofa über den Prümtalradweg. "Und tatsächlich hat man mich auch angequatscht." Die Polizei rufen? Nichts dagegen, wenn das die Jugendlichen nur nicht so lange aufhalten würde: Denn die Beamten könnten dann den zürnenden Radwegnutzern erklären, dass sich die Mofafahrer korrekt verhalten.Handzettel soll helfen


So haben es jetzt Thomas Lauxen und Richard Zeimetz, Verkehrserzieher bei der Polizei-Inspektion Prüm, auch vor: Zeimetz hat bereits einen Handzettel verfasst, den die Jugendlichen mitnehmen und jederzeit zücken können, wenn sie wieder unangenehme Begegnungen mit anderen Radwegnutzern haben. "Ich halte es für sinnvoll, das zu unterstützen", sagt Richard Zeimetz. "Denn wir kriegen sie dadurch von der Straße weg."
Letztlich, sagt Lauxen, liege es an der Unwissenheit der meisten: "Die Leute haben keine Ahnung, wer auf dem

Radweg fahren darf und wer nicht." Dazu haben die beiden gemeinsam mit Realschchülern und Gymnasiasten, darunter Lauxens Töchter, auch eine Aktion gestartet: Sie sind im Pulk mit Mofas über den Prümtalradweg gefahren - und haben bei Radlern und Spaziergängern Aufklärung betrieben. Denn: "Wenn alle ein bisschen vernünftig miteinander umgehen", sagt Richard Zeimetz, "ist das überhaupt kein Thema."
Meinung

Schwer zu verstehen
Verrückt, oder? Da verhält sich die so gern gescholtene Jugend einmal regel- und gesetzeskonform, und trotzdem handelt sie sich Schimpfe ein. Die Prümer - Schüler, Lehrer, Polizei - wollen mit einer kleinen Informationskampagne etwas dagegen tun. Prima. Aber dass mancher die jungen Mofafahrer lieber auf die Straße jagt, wo sie ihn vielleicht weniger stören, dafür aber erheblich größeren Gefahren ausgesetzt sind, ist nur sehr schwer zu verstehen. fp.linden@volksfreund.deExtra

Radwege, sagt Hauptkommissar Richard Zeimetz, seien zwar ursprünglich nur für Radler gedacht gewesen. Seit 2009 dürfen sie aber auch von Mofas und Mofarollern befahren werden, sofern diese nicht schneller sind als 25 Stundenkilometer. Das entsprechende blaue Schild zeigt nur ein Fahrrad. Kombinierte Radwege - wie abschnittsweise auch der Prümtalradweg - dürfen zusätzlich auch von Fußgängern benutzt werden (Schild: Fahrrad und Fußgänger). Dazu zählt man auch Nutzer, die auf Inlinern oder Rollschuhen unterwegs sind. Alle, sagt Zeimetz, seien dazu verpflichtet, aufeinander Rücksicht zu nehmen: "Am besten begegnet man sich immer mit Fairness." fpl