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Wer Angst hat, verbreitet Angst

Kirche Gertrud Maus, Üttfeld

Zu den Themen 500 Jahre Reformation, Allerheiligen, Halloween und Karneval schreibt diese Leserin:
Mir als Katholikin war es ein besonderes Anliegen, zum Feiertag "500 Jahre Reformation" in Prüm am Gottesdienst der Evangelischen Pfarrei teilzunehmen. Ich bin zufrieden aus der Kirche gegangen, mit der Feststellung, dass wir Christen der beiden großen Kirchen uns sehr viel näher sind, als man uns oftmals zugestehen will.
Bestätigt wurde meine ablehnende Haltung gegen den Wildwuchs, der aus unseren beiden christlichen Kirchen entsteht. Seelenfänger, selbsternannte Heiler benutzen mitten unter uns die Namen Kirche, Bischof (z.B. Ramolla), Pastor, mit Versprechungen zu Gesundheit, Heilung, besser zu sein als Ungläubige, durch Gebete Schaden abzuwenden, persönliches Pech als Strafe zu bezeichnen.
Sie arbeiten mit Angstmacherei. Immer erfinderischer wird in Gebetskreisen, Vereinen, öffentlichen Veranstaltungen, mit Musikproduktionen, Missionswerken, Geld verdient. Die Ausgenutzten aus der breiten Öffentlichkeit merken leider nicht, dass diese Scharlatane zuerst an sich selbst denken.
Und darin liegt der Unterschied zu den Halloween-Veranstaltungen mit künstlichem Grusel und Karneval in religiösen Kostümen. Wenigstens wird dort nicht mit religiöser Angstmacherei gearbeitet, sondern es geht um Spaß, den nicht jeder verstehen muß.
Gott hat uns auch den Spaß geschenkt. Wenn wir einerseits Spaß haben wollen und andererseits ernsthaft unseren freien Glauben leben, dürfen wir beides haben. Das Eine nimmt dann dem Anderen nichts weg.
Im Gegenteil! Wer Spaß am und im Leben hat und fest daran glaubt, von Gott geliebt zu sein, hat den besten Schutz vor religiösen Wölfen im Schafspelz. Lustige Gesellen sind mir lieber als Schwarzmaler.
Der Reformationstag der Protestanten und Allerheiligen der Katholiken haben eins gemeinsam: Man muss keine Leistung erbringen, um von Gott geliebt zu werden! Und Martin Luther sei Dank, diese Feststellung für uns lautstark und in Form seiner 95 Thesen getroffen zu haben. Als katholischer Augustinermönch und Theologieprofessor hat er für sich den liebenden Gott erkannt. Leistung durch Ablassgebete und Zahlungen, welche zur Finanzierung ausschweifenden Lebens benutzt wurden, hat man in Form von Angstmacherei von den Gläubigen gefordert.
Angst machen bedeutet Macht über den Anderen zu haben. Dies geschieht täglich in Form von Gewalt, Kindesmissbrauch, Terrorismus, Fremdenfeindlichkeit, rechtsradikaler Politik .... Wer Angst hat, verbreitet Angst. Vor wem eigentlich?
Gertrud Maus,
Üttfeld