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Wo die Pendler parken

PRÜM/Bitburg/Daun. 17 Mitfahrerparkplätze bieten in der Eifel Platz für mehr als 750 Autos. In den vergangenen Jahren hat der Landesbetrieb Mobilität einige von ihnen ausbauen müssen. Denn die Zahl der Pendler wächst. Christian Altmayer

PRÜM/Bitburg/Daun Morgens um sechs zur Arbeit fahren, um dann abends erst spät nach Hause zu kommen. Viele Deutsche kennen das. Auch in der Region gibt es immer mehr Pendler. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor: Von fast 30 000 Beschäftigten im Eifelkreis Bitburg-Prüm müssen rund 8800 auf dem Weg zur Arbeit eine Kreisgrenze überqueren (Siehe Info). Auf der Straße ins Trierer oder Wittlicher Land verlieren sie täglich Stunden.
Ähnlich sieht es im Landkreis Vulkaneifel aus. Von etwa 22 000 Beschäftigen sind rund 8800 Berufspendler zwischen zwei Kreisen unterwegs. Und bei diesen Zahlen sind die Pendler nach Luxemburg noch gar nicht eingerechnet.
Davon dürfte es aber vor allem im Bitburger Land und in der Südeifel viele geben. Wie viele genau lässt sich nicht sagen. Für den Kreis gibt es keine Statistik. Es hilft also nur der Blick aufs große Ganze. 32 540 Rheinland-Pfälzer sind 2016 nach Luxemburg gependelt. Tendenz: eher steigend als fallend. Denn im Jahr zuvor waren es noch Tausend weniger.
Dass immer mehr Eifeler Arbeit in Luxemburg finden, lässt sich auch an der Entwicklung des Mitfahrerparkplatzes Masholderhöhe beobachten. Zweimal schon musste der Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein (LBM) die Anzahl der Stellplätze vor Ort verdoppeln - zuletzt im Jahr 2014 für rund 52 000 Euro. Jetzt gibt es dort 70 Stellplätze.
Ob eine weitere Vergrößerung geplant ist? "Wir behalten die Kapazität immer im Auge", sagt LBM-Chef Enders, "aber derzeit sehen wir noch keinen Bedarf." Schon jetzt ist der Mitfahrerparkplatz Masholderhöhe ja auch der meist frequentierte im Bereich des LBM Gerolstein. Wenn er auch nicht der größte ist (Siehe Karte).
Die hohe Auslastung hängt mit der Lage des Platzes zusammen. Liegt er doch nicht nur in der Nähe des Bitburger Stadtteils, sondern auch direkt an der Bundesstraße 257. Nur wenige Meter entfernt hält ein Bus, der jede Stunde über Echternach nach Luxemburg-Stadt fährt. Dort steigen die meisten ein, die hier morgens ihren Wagen abstellen. Auf dem Weg zur Arbeit sparen sie so nicht nur Sprit. Sie tun auch was für die Umwelt. Denn wenn alle den Bus nehmen, qualmt nur ein Auspuff.
Das entspricht auch der Idee, die hinter dem Bau der Mitfahrerparkplätze steht. Sie wurden an Knotenpunkten des Verkehrs errichtet, um Treffpunkte für Fahrgemeinschaften zu schaffen - ob in öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln. Seit Jahren werden sie immer stärker genutzt. Und das liege auch am wachsenden ökologischen Bewusstsein, glaubt man beim LBM. Auch in der Vulkaneifel wurde kräftig investiert. 2014 zahlte der Bund den Bau eines Parkplatzes an der Autobahn 1 zwischen Dockweiler und Nerdlen (der TV berichtete). Kostenpunkt: 200 000 Euro. Flächen in Darscheid und Mehren wurden 2014 erweitert.
Insgesamt unterhalten die Straßenplaner 17 Mitfahrerparkplätze in der Eifel. Sie reichen für 761 Autos. Ist der Bedarf damit gedeckt?
Vorerst offenbar schon. Im Moment seien keine weiteren Mitfahrerparkplätze geplant, teilt der LBM mit. Auch die Idee, eine entsprechende Fläche in der Nähe von Bitburg-Stahl, also an der B 50 anzulegen, hat man in Gerolstein verworfen. Eine Umsetzung wäre zu aufwendig und zu teuer geworden, heißt es.Extra: ALLES ÜBER PENDLER


Als Pendler werden Personen bezeichnet deren Arbeitsstelle nicht am Wohnort liegt. Nach dieser Definition wäre auch derjenige ein Pendler, der von Rittersdorf nach Bitburg auf die Arbeit fährt. Das würde laut Statistik rund 90 Prozent der Beschäftigten im Eifelkreis zu Pendlern machen. Wir haben uns daher im Text auf die Pendler konzentriert, die Kreis- oder Ländergrenzen überschreiten, also im Durchschnitt längere Zeit unterwegs sind. Warum gibt es so viele Pendler? Die Gesellschaft wird immer mobiler. Menschen ziehen vermehrt vom Land in die Stadt, von kleineren in größere Siedlungen. So ist es auch mit Arbeitgebern. Die meisten Stellen gibt es in den Ballungszentren. Aus der Region zieht es aber auch viele nach Luxemburg. Die Gründe liegen auf der Hand: Im Vergleich mit Deutschland sind die Löhne im Großherzogtum höher. Macht Pendeln krank? Studien haben aufgezeigt, dass Pendler häufiger unter Kopf- und Rückenschmerzen leiden. Aber auch psychische Erkrankungen wie Burnout treten häufig auf. Denn Pendler stehen unter Stress. Sie finden seltener Zeit für Sport und Arztbesuche. Die Stunden auf der Autobahn oder auf den Schienen fehlen ihnen zudem auch, um sie mit Familie und Freunden zu verbringen.