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Wollt ihr den Barrabas?

Eine Szene aus den Passionsspielen mit Annas und Kaiphas. TV-Foto: Elmar Kanz
Eine Szene aus den Passionsspielen mit Annas und Kaiphas. TV-Foto: Elmar Kanz
SCHÖNBERG/BELGIEN. (ka) "Der Prozess". Die Verurteilung Jesu steht im Mittelpunkt der IV. Schönberger Passionsspiele. Siegfried Bongartz, damals Diakon in St. Vith, hatte sie 1993 ins Leben gerufen. Grundgedanke war und ist, parallel zu den Geschehnissen jener Zeit immer auch aktuellen Bezug zu denen unserer Zeit zu nehmen und die Frage zu stellen: Was hätte Jesus uns heute zu sagen?

Auf zwei Zeitebenen vollzieht sich der Prozess vor dem Jerusalemer Tribunal (in der Schönberger Mehrzweckhalle). Jesus und Tatjana heißen die Angeklagten. Ob Jesus schuldig ist, hat Pilatus zu befinden. Das Schicksal Tatjanas, einer jungen russischen Asylantin und Friedensaktivistin, liegt in den Händen der heutigen Gerichtsbarkeit. Unterdessen gehen die Vorbereitungen für die diesjährigen Spiele in die Endphase. Wieder hat Siegfried Bongartz, inzwischen betreut er in Basel psychisch behinderte Menschen, aktuelle Themen ausgewählt und die Texte geschrieben. Bei der Premiere wird er dabei sein. Die Gesamtleitung hat Marlene Backes. 1993, beim ersten Mal, stand sie selbst auf der Bühne. Doch schon bald nahm die Organisation sie voll in Anspruch. Langjähriger Regisseur ist Alfons Velz. Insgesamt 35 Schauspieler, darunter erstmals auch einige Jugendliche, wirken mit. Zudem ein zehnköpfiges Spezialistenteam und etwa hundert freiwillige Helfer, Männer und Frauen, für die verschiedensten Bereiche. Durchweg gläubige Menschen. "Viele der Akteure sind bereits seit mehreren Jahren dabei, und auch an Nachwuchs mangelt es in Schönberg nicht ", erklärt Marlene Backes. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Immer mehr Besucher aus Deutschland

Zwischen 16 und 70 Jahre alt sind die Schauspieler. Sie kommen aus allen fünf belgischen Eifelgemeinden und Deutschland. Erfreut konstatiert Marlene Backes den auch im Ausland stark wachsenden Bekanntheitsgrad der Schönberger Passionsspiele. Gründe dafür seien unter anderem "wohl zunehmende Qualität und Professionalität sowie seit 2003 die Internetpräsenz". Die Proben laufen auf Hochtouren. "Wen wollt ihr, den ich euch losgeben soll, den Barrabas oder Jesus, genannt Christus, den König der Juden ?" Pilatus stellt die entscheidende Frage. Die Antwort der Menge ist bekannt. "Bilder von damals und heute gleichen sich"

Josef Lentz aus Amel, theaterbegeisterter Lehrer für Germanistik spielt den Pilatus zum dritten Mal. "Die Rolle fasziniert mich, weil sie mir den individuellen Dialog mit Jesus ermöglicht." Der "Prozess" - der Titel stehe auch für Entwicklung - mache deutlich, wie sehr sich, heute wie damals, die negativen Bilder gleichen und das Politikerverhalten weitgehend von Opportunität geprägt wird. In der Rolle des Pilatus, dem es kaum um Gerechtigkeit, sondern um den politischen Spagat zwischen dem Kaiser von Rom und dem König der Juden gehe, empfinde man vor allem letzteres sehr bewusst. "Und wenn man nach dem Schuldspruch über den Sohn Gottes seine Hände in Unschuld wäscht, fühlt man sich selbst als Schauspieler nicht so recht wohl", sinniert Josef Lentz. "Für mich ist die Rolle wie eine Berufung", sagt Jesus-Darsteller Lothar Krämer aus Schönberg. Nicht ums Profilieren gehe es ihm. Im Sinne der Passionsspiele wolle er versuchen, die Botschaft Christi herüberzubringen. "Ich hoffe, dass mir das gelingt, aber ich bin nicht Jesus, sondern nur ein Mensch", gibt er zu bedenken. Die Aufführungen. (zwei Stunden Dauer) finden an folgenden Terminen statt: Premiere: Samstag, 3. März, 20.30 Uhr; Sonntag, 4., 11., 18., 25. März und 1. April, 15 Uhr. Freitag, 9., 16., 23., und 30. März, 20.30 Uhr. Samstag, 10. und 17. März, 20.30 Uhr. Samstag, 24. und 31. März, 15 Uhr. Jugendliche bis 16 Jahre zahlen 6 Euro Eintritt, Erwachsene 12 Euro. Kartenvorverkauf unter Telefon 0032/ 80549444 oder im Internet unter www.passio.be. Infos bei Marlene Backes, St. Vith, Telefon 0032/80228521, E-Mail passiobe@hotmail.com