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Jubiläum
Sieben Jahrzehnte jung

Beeindruckende 70 Jahre miteinander verheiratet: Magdalena und Johann Schoos feiern in Baselt das Fest der Gnadenhochzeit.
Beeindruckende 70 Jahre miteinander verheiratet: Magdalena und Johann Schoos feiern in Baselt das Fest der Gnadenhochzeit. FOTO: Fritz-Peter Linden
Fleringen-Baselt. Bei Familie Schoos in Baselt stehen drei dicke Jubiläen an. Allen voran am Freitag die Gnadenhochzeit der Hotelgründer Magdalena und Johann. Der TV hat die beiden besucht. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

„Das Schönste an meiner Frau?“, fragt Johann Schoos. „Dass sie jung geblieben ist!“ Die Antwort kommt so schnell wie überzeugt. Und das nach beeindruckenden 70 Ehejahren, die Johann und Magdalena Schoos aus Baselt miteinander verbracht haben. Und in dieser Zeit sieben Kinder großgezogen (fünf Töchter zwei Söhne), eine Gaststätte geführt, sie zum Hotel ausgebaut, zehn Jahre lang für die Firma Streif im nahen Weinsheim die Mittagessen geliefert und dann auch noch die erste Disko in der ganzen Gegend betrieben. Neben ein paar anderen Sachen, die wir hier gar nicht alle aufzählen können.

So lange zusammen, so viel geschafft: eine stramme Leistung. Und eine wahre Gnade – aber so heißt ja auch das Jubiläum, das die beiden am Freitag miteinander feiern können: Gnadenhochzeit. Am 1. Juni 1948 nämlich traten Magdalena, gebürtige Hilgers, und Johann vor den Altar, um den Bund fürs Leben zu schließen.

70 Jahre: Wie schafft man das? Tja: „Ich weiß es nicht. Vielleicht sind Tricks dabei“, sagt Magdalena Schoos. Sie lacht: „Es hat eben geklappt. Wir haben uns immer verstanden.“ Und durch die Kinder sei stets schön viel Trubel im Haus gewesen.

Klar: „Es gibt überall Höhen und Tiefen“, sagt sie dann, da gelte es zusammenzuhalten: „Das hat man ja auch irgendwie versprochen.“ Das funktioniere heutzutage leider nicht mehr überall so gut. Woran es liegen mag? Viele Paare, mutmaßt die Jubilarin, „haben keine Ruhe mehr, keine Geduld mehr. Und sie versuchen’s auch nicht mehr.“

Das mit dem Jungbleiben – es gilt für beide. Sie sehen nämlich aus wie höchstens ... „80!“, ruft der Jubilar. Das, erzählt er, würden jedenfalls die Leute immer sagen. „Das macht die gute Pflege – gegenseitig!“ Die Leute haben recht. Dabei feiert er kommenden Dienstag seinen 92. Geburtstag. Magdalena ist ihm drei Monate voraus, sie wurde am 3. März 1926 geboren.

Ach ja: Das von den beiden eröffnete Hotel an der Bundesstraße 421 besteht jetzt auch bereits seit 50 Jahren, aber das wird gar nicht sonderlich gefeiert. Zumal das Haus noch viel, viel älter ist: Als Gaststätte existiert es schon seit fast 145 Jahren, 1875 wurde es gegründet und seitdem von der Familie betrieben.

Magdalena und Johann Schoos erinnern sich im Gespräch mit dem TV an die Anfänge – in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als sie das Gasthaus der Familie mit Anfang 20 übernahmen. Denn sie mussten: Schoos’ Eltern waren tot, zwei seiner Brüder gefallen.

Magdalena und Johann haben Hand in Hand im Hotel gearbeitet: Er vorne, sie hinten, in der Küche – und dabei 31 junge Leute ausgebildet, zu Köchinnen, Hotelfachleuten, Hauswirtschafterinnen. Noch so eine große Leistung.

Dass das Haus in der Familie – zu der 17 Enkel und 14 Urenkel gehören – bleibt, ist gewährleistet: Sohn Robert und seine Frau Brigitte Schoos, Generation Nummer vier, führen es inzwischen – noch ein Jubiläum – seit 25 Jahren. Enkelin Rebecca und Lebensgefährte Tim Böhmen arbeiten ebenfalls bereits im Haus, sie werden es, so der Plan, in der fünften Generation weiter führen. „Wir freuen uns, dass es weitergeht in der Familie“, sagt Magdalena Schoos.

Die beiden wohnen im Dachgeschoss des Hotels, er geht jeden Abend noch runter und gönnt sich ein Bier an der Theke. Magdalena malt – mit ruhiger Hand, detailgetreu, Natur, Landschaften, Tiere: Im Flur hängen lauter Vogeldarstellungen, jeder Einzelne in perfekten Proportionen und mit feinem Strich aufs Papier gebracht.

Sie macht das seit 30 Jahren: Damals habe sie zuerst bei der Krippana in Losheim (Tochter Roswitha Balter steht im Hotel dort ebenfalls in der Küche) das Krippenbauen gelernt. Und dabei einen Mann aus Tirol erlebt, der „super Hintergrundbilder malen konnte. Das hat mich so fasziniert, da bin ich zur Volkshochschule gegangen.“

Längst kann sie’s auch und malt fröhlich weiter. Auch wenn das manchmal knifflig ist: „Aber ich hab immer wieder eine Lösung gefunden“, sagt Magdalena Schoos. „Ich habe mich nicht kleinkriegen lassen.“

Es gilt irgendwie für beide. „Wir haben“, sagt Johann Schoos, „in einem Riesen-Trümmerhaufen angefangen und uns allmählich hochgeschafft.“ Und als es vorüber war mit dem Schaffen, hat auch Johann Schoos sich zu beschäftigen gewusst: Er hat auf der Wiese hinter dem Hotel Damwild gezüchtet. Später dann Rothirsche. „Und selbst geschossen. Aber nicht gerne!“

Etwas lieber liest er da den Volksfreund, „schon über 50 Jahre, jeden Tag“. Und reicht dann seiner Frau das TV-Kreuzworträtsel rüber. Denn „das macht sie auch noch. Und frag nicht wie!“

Und was gefällt Magdalena an ihrem Mann am besten, so nach all den Jahren? Sie lacht: „Ou, das ist schwer!“ Aber dann kommt sogleich die ernst gemeinte Antwort: „Er war immer für mich da, wenn ich ihn gebraucht habe.“ Man glaubt es sofort. Und verneigt sich vor diesen beiden Herrschaften mit großem Respekt.