1. Region

Rätselhafter Tod bei Sinspelt vor Aufklärung

Rätselhafter Tod bei Sinspelt vor Aufklärung

Ein Mitte Februar schwer verletzt auf einer Eifeler Landstraße aufgefundener Mann, der später in einem Krankenhaus starb, ist offenbar aus einem fahrenden Fahrzeug gesprungen. Sein mitfahrender Bruder wird beschuldigt, keine Hilfe geleistet zu haben. Er sitzt in Untersuchungshaft.

(red) Wie die Staatsanwaltschaft Trier heute mitteilte, hält sie nach den von der Kriminaldirektion Trier bisher durchgeführten Ermittlungen folgenden Geschehensablauf für wahrscheinlich: Am Montag, dem 15. Februar, brachen der Beschuldigte, ein 37-jähriger polnischer Staatsangehöriger, sein jüngerer Bruder und ein weiterer polnischer Staatsbürger von ihrem Heimatort in Polen nach Deutschland auf, um hier gebrauchte Ersatzteile für Fahrzeuge einzukaufen. Am Abend des 17. Februar entwendete der Bruder des Beschuldigten einen in der Toilette des Friedhofsgebäudes in Neuerburg angebrachten Durchlauferhitzer. Deswegen gerieten die alkoholisierten Brüder in Streit, in dessen Verlauf der Jüngere aus dem mit einer Geschwindigkeit von zirka 80 bis 100 Kilometern pro Stunde fahrenden PKW sprang. Hierbei zog er sich schwerste Verletzungen zu, an denen er einen Tag später in einem Krankenhaus starb.

Die Staatsanwaltschaft geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Beschuldigte erkannt hatte, dass sich sein Bruder durch den Sturz aus dem fahrenden Fahrzeug schwere Verletzungen zugezogen hatte, an denen er ohne ärztliche Hilfe sterben würde, zumal er bei Kälte und Dunkelheit hilflos – teilweise auf der Straße liegend – zurückblieb. Dennoch setzten er und sein Begleiter zunächst die Fahrt fort. Sie entschlossen sich erst nach einer gewissen Zeit und nachdem sie das Diebesgut entsorgt hatten, zur Umkehr. Auf dem Rückweg sahen der Beschuldigte und sein Begleiter, der das Fahrzeug führte, das Opfer hilflos auf der Straße liegen. Sie hielten jedoch erneut nicht an, sondern passierten nur langsam die Unfallstelle, ohne Hilfe zu leisten. Sie gaben lediglich mehreren entgegenkommenden Fahrzeugen Zeichen mit der Lichthupe, in der Hoffnung, dass jemand anhalten und Hilfe leisten würde.

Der Bruder des Beschuldigten hatte durch den Sturz aus dem Fahrzeug schwere Kopfverletzungen erlitten, die laut Staatsanwaltschaft auch dann tödlich verlaufen wären, wenn der Beschuldigte, wozu er laut den Behörden als Bruder verpflichtet gewesen wäre, sofort ärztliche Hilfe herbeigerufen hätte.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Trier hat das Amtsgericht Trier bereits am 26. Februar aufgrund dieses Sachverhalts wegen des dringenden Verdachtes des versuchten Totschlages durch Unterlassen gegen den Beschuldigten einen Haftbefehl erlassen. Der Beschuldigte befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft Trier hat gegen den Fahrer des Fahrzeuges, der sich zurzeit in Polen aufhält, ebenfalls ein Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung, eingeleitet.