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Rheinland-Pfalz stellt Leitlinien für Kita-Kinder vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Bildungsministerin Hubig: "Ab Juni ist jedes Kind in der Kita willkommen, aber ..." (Update)

Die Landesregierung stellte am Mittwoch Leitlinien vor, wie die Tagesstätten weiter öffnen sollen. Bevorzugt werden Kinder, die vor der Einschulung stehen. Kritiker warnen vor hohen Eltern-Erwartungen: „Es wird Enttäuschte geben.“

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) lehnt es ab, Kitas und Schulen sofort vollständig zu öffnen, wie es das Kinderhilfswerk fordert. Die Ministerin sagte in Mainz: "Im Zweifel gehen Schutz und Gesundheit vor. Wir können nicht so wagemutig sein und sagen, wenn nicht klappt, machen wir alles wieder zu. Wir wollen ein geordnetes, seriöses, verantwortliches Vorgehen im Land", so Hubig.

Stufenweise öffnet Rheinland-Pfalz die Kitas in den kommenden Wochen. Bislang gibt es nur eine erweiterte Notbetreuung, die rund zwölf Prozent der rund 183.000 Kita-Kinder in Rheinland-Pfalz nutzen. Das soll sich rasch ändern. Kinder sollen stunden- und tageweise in Kitas zurückkehren, in Gruppen und zu verschiedenen Zeiten betreut werden. "Jedes Kind in Rheinland-Pfalz ist ab Juni wieder in der Kita willkommen, aber nicht alle können gleichzeitig kommen", sagte Hubig.

Beim Neuanfang in den Kitas sollen spätestens ab dem 8. Juni zuerst vor allem diejenigen Kinder berücksichtigt werden, die nach den Sommerferien eingeschult werden. So könnten diese gemeinsam einen Abschluss der Kindergartenzeit vor Eintritt in die Schule erleben, heißt es in den Leitlinien. Diese Zeit solle auch dazu genutzt werden, den Übergang von der Kita in die Schule zu gestalten und Hygiene-Regeln für den Alltag in der Zeit der Corona-Pandemie einzuüben. Hubig kündigte an, dass es auch in den Sommerferien Notbetreuung für Kinder geben soll, deren Eltern darauf angewiesen sind.

Sie wisse, dass sich manche die Öffnung der Kitas schneller gewünscht hätten, sagte Hubig. Aber die Gesundheit stehe an vorderster Stelle, weshalb die Öffnung der Kitas kein einfacher Weg sei.

Im Trüben stocherte das Land auf Nachfrage, wie viele Kinder denn ab Juni wirklich die Kitas besuchen werden. Cordula Scheich, Geschäftsführerin der Katholische Kita gGmbH in Trier, warnte daher davor, bei Eltern den Eindruck zu erwecken, dass alle Kinder wieder in die Kitas dürfen. „Wir werden auch Menschen enttäuschen müssen“, sagte sie unserer Zeitung. Es gebe Kitas, die weniger Kinder zulassen würden als andere, weil es an Erziehern fehle, zu wenig Räume vorhanden seien oder ein größerer Teil des Personals zu den Risikogruppen gehöre und damit nicht in den Einrichtungen arbeiten werde.

Wie viele Kinder in die Kitas dürfen, entscheiden am Ende die Träger. Das Land gibt mit den Leitlinien bloß den Rahmen vor. Die CDU-Landtagsabgeordnete Simone Huth-Haage äußerte Kritik, dass der Hubig-Satz, jedes Kind sei Anfang Juni in Kitas willkommen, so nur eine kurze Halbwertzeit habe. „Die Bildungsministerin muss aufpassen, dass ihre Vorstellung vom eingeschränkten Regelbetrieb nicht an der Realität scheitert – da hilft es übrigens auch nicht, wenn sie die Verantwortlichkeit an lokale Träger und Einrichtungen delegiert.“

Für den Landeselternausschuss der Kitas sagte Andreas Winheller: "Was hier vorgelegt wird an Leitlinien ist nicht das, wovon Eltern träumen." Die vereinbarten Grundsätze seien aber ein fairer Kompromiss, der die Interessen der Familien und vor allem der Kinder angemessen berücksichtige. Entscheidend werde nun sein, "was in den Kindertagesstätten in den nächsten Wochen tatsächlich passiert". Besonders hervorzuheben sei, dass die Träger zugesagt hätten, die Raum- und Personalkapazitäten auszubauen, um das Angebot schrittweise vergrößern zu können.

Für die Kleinsten gelten auch lockerere Regeln. Abstandsregeln und Maskenpflicht gelten für die Kinder in Kitas nicht, stellt das Land klar. Zur Eingrenzung der Pandemie sehen die Leitlinien vor, dass bis auf weiteres maximal 15 Kinder gemeinsam betreut werden. Wenn in einer Gruppe vor allem Kinder unter drei Jahren betreut werden, liegt diese Grenze bei zehn Kindern.

Sobald bestehende Plätze frei werden, sollen dann auch wieder Neuaufnahmen möglich werden. Auch Nordrhein-Westfalen kündigte am Mittwoch ab, ab 8. Juni mit eingeschränktem Regelbetrieb zu starten.

Die rheinland-pfälzischen Leitlinien hat das Bildungsministerium mit Trägern, Gewerkschaften und Landeselternausschuss entwickelt. Die CDU-Landtagsabgeordnete Simone Huth-Haage vermisst mehr Schutz: „Wenn der Kita-Betrieb stufenweise wieder hochgefahren wird, müssen die Erzieherinnen und Erzieher besonders geschützt werden. Ihre Sorgen und Ängste müssen wir ernst nehmen. Notwendiger Bestandteil der Leitlinien hätte sein müssen, dass das Kita-Personal in der Notbetreuung regelmäßig auf das Corona-Virus getestet wird“, forderte sie.

Die AfD fordert das Land auf, eine "vollständige Öffnung von Kitas und Schulen umgehend zu ermöglichen, wo es lokal vertretbar ist", sagte Landeschef Michael Frisch in einer Mitteilung. Einschränkungen seien nicht länger angemessen. "Zuletzt meldeten nur noch 5 von 36 Landkreisen und kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz mehr als zehn Neuinfektionen in einer Woche, in manchen Regionen liegen sie bereits bei null", sagte der Trierer.