1. FC Kaiserslautern: „Dann wäre ein Stadion-Abriss logische Konsequenz“

Rheinland-Pfalz : 1. FC Kaiserslautern: „Dann wäre ein Stadion-Abriss logische Konsequenz“

Der Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Steuerzahlerbunds kritisiert im TV-Gespräch sinkende Mieten für den Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Und er spricht über ein Foto, das ihn in Mainz-05-Tracht zeigen soll.

Er ist ein rotes Tuch für so manchen Fan des 1. FC Kaiserslautern: René Quante, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Steuerzahlerbundes, kämpft dagegen, den Roten Teufeln die Stadionmiete zu senken. Im Interview mit TV-Redakteur Florian Schlecht spricht Quante darüber, was er von den abstiegsbedrohten Kickern verlangt, ob er einen Stadion-Abriss wirklich wünscht und ob er auch eine Mannschaft anfeuert.

Stöbern Sie häufiger in Fanforen des 1. FC Kaiserslautern, was dort über den Steuerzahlerbund steht?

René Quante: Gelegentlich bin ich bei „Der Betze brennt“ zu Gast und lese, was die Fans zu sagen haben. Natürlich steht dort meistens nichts Nettes über uns. Allerdings gibt es auch kritische Fans, die Spannendes über Fehlentwicklungen beim 1. FC Kaiserslautern schreiben.

In den Foren heißt es oft: René Quante ist eh Fan von Mainz 05, deshalb schimpft er auf den FCK.

Quante: Das kenne ich nur zu gut. Im Internet kursiert sogar ein Foto, das angeblich mich in Mainz-05-Tracht zeigen soll. Allerdings ist das eine FCK-Fan-Ente aus dem Jahr 2014. Tatsächlich interessiere ich mich überhaupt nicht für Fußball als Sport. Und deswegen bin ich auch niemandes Fan.

Der FCK will für das Stadion weniger Pacht zahlen. Die Stadiongesellschaft stimmte zu, dem Verein die jährliche Pacht in der 2. Liga von 3,2 auf 2,4 Millionen Euro zu senken, beim Abstieg auf 425 000 Euro. Was stört Sie daran?

Quante: Profisport sollte generell nicht vom Steuerzahler subventioniert werden müssen. Doch was passiert in Kaiserslautern? Alle paar Jahre klopft ein Roter Teufel mit vermeintlich leeren Taschen an der Tür, und die Stadt bekommt den schwarzen Peter.

Was halten Sie vom Vorgehen der Stadiongesellschaft?

Quante: Das Vorgehen ist widersprüchlich. Einerseits wurde die Abstimmung im Stadtrat darüber vertagt, weil dies laut Oberbürgermeister Weichel noch nicht entscheidungsreif sei. Andererseits gab Weichel im Aufsichtsrat der Stadiongesellschaft den Ausschlag dafür, dass die Pachtsenkung dort beschlossen wurde und der FCK damit ins Lizenzierungsverfahren gehen kann. Auf diese Weise sollen offenbar kritische Stadtratsmitglieder unter Zugzwang gesetzt werden.

Sinkt die Pacht nicht, droht dem FCK doch die Pleite?

Quante: Die Insolvenz des FCK wird immer als Drohkulisse an die Wand gemalt, um Pachtsenkungen durchzudrücken. Aber was weiß denn die Öffentlichkeit wirklich über die Finanzlage der Roten Teufel? Soll man wirklich glauben, dass beispielsweise eine Pachtdifferenz von 800 000 Euro in der 2. Bundesliga den Unterschied zwischen Erfolg und Insolvenz ausmachen soll? Ganz ehrlich: Würden die Gegner des FCK so schlecht Fußball spielen wie die Stadt Kaiserslautern bei der Pacht verhandelt, wären die Roten Teufel längst Deutscher Meister.

Einnahmen durch Fernsehen und Sponsoren würden in der 3. Liga einbrechen. Eine Pleite ist da nicht an den Haaren herbeigezogen.

Quante: Gewiss müsste der FCK sparen. Aber auch in diesem Fall wissen wir doch kaum was über seine wahre Finanzlage. Wenn der Verein finanzielle Erleichterung von der Stadt will, müsste er schon zeigen, was er hat und wo er sparen wird. Zudem wo er noch Tafelsilber hat, das beliehen oder verkauft werden könnte. Und noch wichtiger: Wie sieht es bei der Betze-Anleihe aus, die 2019 fällig wird? Haben die Roten Teufel die sechs Millionen Euro plus Zinsen oder haben sie sie nicht? Wenn nicht, wäre eine neue Vereinbarung noch schneller Makulatur als der gegenwärtige Pachtvertrag.

Durch die Blume sagen Sie aber, dass die Stadt dem FCK bei einer drohenden Insolvenz helfen dürfte?

Quante: Die Verantwortung für die schlechte Finanzlage liegt zuallererst beim FCK selbst – dasselbe gilt für die Lösung. Sollte wirklich eine akute Insolvenz-Gefahr bestehen, wäre ein Gegenwert des FCK für eine vorübergehende Pachtsenkung denkbar. Beispielsweise soll die Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert werden. Wenn das klappen sollte, könnte die Stadiongesellschaft im Gegenzug für eine Pachtminderung Anteile im gleichen Wert erhalten. Sicherlich wäre das nicht das beste Geschäft, aber immer noch besser als eine Pachtsenkung gegen einen feuchten Händedruck.

Sie haben mal einen Stadionabriss erwogen. Meinten Sie das ernst?

Quante: Das ist die logische Konsequenz aus dem Worst-Case-Szenario. Wenn ein insolventer FCK als Pächter dauerhaft ausfallen und die Stadt keinen Nachmieter finden würde, stände das Fritz-Walter-Stadion leer. Was wäre die Alternative zu einem Abriss und einer neuen Geländenutzung? Die Umwidmung des Stadions zu einem XXL-Mahnmal gegen Steuergeldverschwendung?

Nein. Aber die Stadt könnte sagen: Der FCK ist ein Wirtschaftsfaktor der Stadt, wir helfen dem Verein.

Quante: Auch hier müssten sich Politik und FCK mal entscheiden. Wahlweise wird so getan, als wären die Roten Teufel ein großer, unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor. Und dann wird so getan als wäre der FCK ein angehender Pleitier, für dessen Aufenthalt in einer Villa die Steuerzahler aufkommen sollen. Wenn der FCK ein großer Wirtschaftsfaktor ist, sollte es doch wohl keine Probleme bei der Pacht geben.

In der Stadt Kaiserslautern mehren sich die Stimmen, die das Land in die Pflicht nehmen wollen, das Partner des Stadionausbaus und der WM-Bewerbung 2006 war. Muss das Land nun einspringen?

Quante: An dem drohenden Abstieg in die 3. Liga sind weder die WM 2006, das Land Rheinland-Pfalz noch die Stadt Kaiserslautern schuld. Für ihre spielerischen Leistungen sind die Roten Teufel selbst verantwortlich. Das Land hat all seine vergangenen Verpflichtungen erfüllt. Deswegen besteht auch kein Anlass, dass die Landeskasse für erfolglosen Fußball in Haftung genommen wird.

Die Stadt wollte erst die Grundsteuer erhöhen, um die sinkende Pacht auszugleichen. Davon ist nun keine Rede mehr. Dank Ihnen?

Quante: Wir haben zumindest tatkräftig mitgeholfen, aus einem rollenden Stein eine Lawine zu machen, die die FCK-Steuer letztlich begraben hat. Erst hieß es, die Grundsteuer-Erhöhung sei alternativlos. Keinen Monat später war sie komplett vom Tisch. Das kommt in der Politik nicht oft vor. Wenn die Stadtspitze nun die gute Steuerentwicklung als Erklärung ins Feld führt, kann ich darüber nur schmunzeln.

Warum kämpfen Sie nach dem Erfolg dennoch weiter?

Quante: Wenn die Pachtminderung ohne Gegenleistung gewährt und von der Stadt finanziell kompensiert werden sollte, kommen die Steuerzahler genauso dafür auf. Sie merken es nur nicht unmittelbar in der eigenen Brieftasche wie bei der FCK-Steuer. Doch das Geld fehlt dann bei anderen Vorhaben, die womöglich wichtiger sind, als hochbezahlten, aber erfolglosen Managern und Profi-Fußballern das Sparen zu erleichtern.

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