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10 Tipps: Zehn Orte historischer Technik in Trier, Eifel, Mosel, Hunsrück

Sommerserie : Zehn coole Orte für Fans historischer Technik in der Großregion

Gigantische Hochöfen, Bergwerke, Städte voll Industriekultur oder geniale römische Erfindungen. In unserer großen Sommerserie „Am schönsten ist’s daheim!“ stellen wir zehn Orte vor, die Liebhaber von Stahl, Feuer und schweißtreibender Handarbeit nicht verpassen sollten.

1 Eisenhütte Schloss Weilerbach: Wer an Industrie denkt, hat wohl eher nicht den Anblick eines traumhaft gelegenen Rokokoschlosses vor Augen. In Weilerbach bei Bollendorf am Grenzflüsschen Sauer vereint sich beides wunderbar. 1780 ließ der letzte Abt von Echternach dort das elegante spätbarocke Ensemble samt großem Garten errichten. Als Lustschloss und als Verwaltungssitz der benachbarten Eisenhütte. Deren Reste sind bis heute zu sehen. Die Außenanlagen sind ganzjährig zu besichtigen. Ein Museumscafé lädt zum Verweilen ein.

Tipp: In dieser Region kann man getrost ein Wochenende verbringen. Unbedingt sollte man dann auch das mittelalterliche, luxemburgische Echternach besichtigen. Wahre Wanderparadiese finden sich in der Luxemburger und Bollendorfer Schweiz sowie in der Teufelsschlucht.

Infos: www.eifel.info

2 Hochöfen und Hightech-Uni Belval Luxemburg: Alles an diesem Ort lässt staunen. Die riesigen, rostigen Hochöfen, die mit ihren Winderhitzern, Förderbändern und Schornsteinen wie archaische Skulpturen in den Himmel ragen. Und die neuen, futuristischen Gebäude der Luxemburger Universität, die zwischen Kokslager, Gießhalle und sonstigen Überresten der größten Eisenhütte Luxemburgs errichtet wurden. Wo einst glühender Stahl gewalzt wurde, lernen nun Studenten. Das neue Escher Stadtviertel Belval zählt laut Konrad-Adenauer-Stiftung zu den „ambitioniertesten städtebaulichen Entwicklungsvorhaben in Europa“.

Geheimtipp: Wer Bücher oder Architektur liebt, sollte das „Luxemburg Learning Center“ besuchen. Dieses wirkt, als hätte man dem Architekten gesagt: „Stell dir vor, du hast eine alte Fabrikhalle und unendlich viel Geld. Zaubere uns die Bibliothek der Zukunft!“ Und die steht da nun.

Infos: www.belval.lu

3 Die Kaiserthermen Trier: Schon oberirdisch sind die mächtigen Ruinen dieser römischen Badeanlage beeindruckend. Ganz und gar außergewöhnlich ist aber, was sich unterirdisch findet: Mehr als ein Kilometer Abwasser- und Bediengänge sorgten für einen reibungslosen Badebetrieb. Erstaunlicherweise verlaufen sie in Trier nicht nur unter den Baderäumen, sondern auch unter der Palästra, wo die Gäste Sport trieben. Nur selten blieben solche Gänge laut Uwe Mahler, dem Referenten für die Trierer Römerbauten, derart gut erhalten. Sklaven wuselten hier wohl einst im stickigen Schein von Öllampen, um Feuerholz heranzuschaffen – für die Fußbodenheizungen das Caldarium – das Warmwasserbad. Ob die Thermen jemals als solche genutzt wurden, ist wissenschaftlich umstritten.

Infos: www.trier-info.de

4 Feller Bergwerk: Nicht ganz zum Mittelpunkt der Erde, aber doch tief hinein in den Berg geht’s im Besucherbergwerk im Nossertal zwischen Fell und Thomm. Dieses besteht aus zwei übereinander liegenden typischen Gruben, wo Dachschiefer gewonnen wurde. Während der etwa einstündigen Führung unter Tage bei einer konstanten Temperatur von 12 bis 13 Grad Celsius erkunden Besucher lange Stollen und mehrere Abbaukammern. Und dort unterm Berg offenbart sich ihnen, wie hart die Menschen hier vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert arbeiten mussten, um große Schieferblöcke zu gewinnen, die dann in mühevoller Arbeit mit dem Spalteisen in dünne Platten gespalten wurden.

Tipp: Das Besucherbergwerk liegt unmittelbar am Grubenwanderweg, der an zehn Schiefergruben und Steinbrüchen vorbeiführt und die Geschichte des Bergbaus erläutert.

5 Lüttich (Luik, Liège): Wer sich für Industriegeschichte interessiert, sollte mal ins belgische Lüttich reisen, wo einst die Industrialisierung des europäischen Kontinents begann. Großstädtisch cool empfängt das kulturelle Zentrum der Wallonie seine Besucher im spektakulärsten Bahnhof Europas. Ein futuristisches Meisterwerk aus Stahl, Glas und weißem Beton des Architekten Santiago Calatrava. Während im nahen niederländischen Maastricht alles wie geleckt ist, begegnet man in Lüttich zwischen schönen Kirchen und prächtigen Plätzen auch Bausünden und jungen Bettlern. Gourmets werden Lüttich lieben: Chocolatiers, Pattissiers und Metzger präsentieren ihre Kreationen in Schaufenstern schöner als wertvolles Geschmeide. Spätestens nach dem sonntäglichen Wochenmarkt La Batte, einem Besuch im Haus der Metallurgie und Industrie oder der Besteigung der Montagne de Bueren wird es Zeit essen zu gehen (zum Beispiel Lütticher Bouletten). Infos: www.liege.be

6. Unesco-Weltkulturerbe Völklinger Hütte: Schon von der A 620 sind die Ausmaße dieser weltweit einzigartigen Hütte zu sehen: Während auf der einen Seite noch die Feuer des Stahlwerks lodern, steht auf der anderen Seite ein gewaltiges Ensemble in rostrot. Nirgendwo sonst auf der Erde können Besucher auf einem solch weitläufigen Gelände den gesamten Prozess der Verhüttung nachvollziehen. Und dabei den hunderttausenden von Stahlarbeitern nahe sein, die hier ein Jahrhundert lang schufteten – freiwillig oder von den Nazis im Zweiten Weltkrieg gezwungen wurden.

Geheimtipp: Das „Paradies“, wo sich die wild wuchernde Natur auf dem Gelände Bahn bricht und wo internationale Graffiti-Künstler ihre Werke „versteckt“ haben.

Für Kinder: Im Ferrodrom können sie selbst mit dem Feuer spielen. Und schwere Lasten spielerisch leicht bewegen.

7. Bergbau-Museum Parc Explor Wendel Petite-Rosselle: Das Bergbaumuseum direkt an der saarländischen Grenze zu Großrosseln zeigt, dass es untertage nie eine Grenze gab. Wenn die Besucher dort in die ewige Nacht herunterfahren, erkennen sie nicht nur, wie schweißtreibend die Arbeit der Bergarbeiter war. Sie erfahren auch, dass die Abbauzonen untertage grenzenlos waren.

Geheimtipp: Ein Rundgang durch die Bergarbeitersiedlung. Dort lässt sich das Klassensystem hervorragend beobachten. In den geduckten Bergarbeiterreihenhäusern lebten mehrköpfige Familien. Die Direktoren dagegen residierten in Villen.

Für Kinder: Das Faszinosum, in einem Drahtkorb binnen weniger Minuten 1200 Meter unter die Erde befördert zu werden, ist für Kinder ein Erlebnis, das sie in ihrem Berufsleben niemals haben werden. Der Bergbau in Lothringen endete 2005, im Saarland 2012.

Infos: www.parc-explor.com

8. Fort du Hackenberg: Ein unterirdisches Dorf der französischen Maginotlinie, für Millionen Francs erbaut in den 1930er Jahren, dessen Geschütze die deutschen Armeen aufhalten sollten. In der 12-Grad-Kühle der unterirdischen Einrichtungen bei Veckring können die Besucher Küchen, Schlafsäle, Krankenstationen und natürlich die Geschütze betrachten. Und dabei über die Sinnlosigkeit von Kriegen nachdenken.

Geheimtipp: Die unterirdische Metro, die heute ihren Dienst tut, erschließt die gesamte Anlage mit 17 Kanonen-Blöcken. Und das mit „Cabrio“-Waggons.

Für Kinder: Gruselig sind gewiss die Schaufenster-Puppen, die man in Uniformen gesteckt hat und die hinter jeder Kurve der Metrostrecke lauern können. Geisterbahn-Gefühle stellen sich ein.

Infos: www.maginot-hackenberg.com

9. Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller: Wer den gewaltigen Werner-Herzog-Film „Fitzcarraldo“ gesehen hat, in dem Klaus Kinski in der Rolle eines irren Abenteurers im peruanischen Dschungel Indianer dazu prügelt, einen Flussdampfer über einen Berg zu hieven, wird vor dieser technischen Meisterleistung am Rande der Vogesen erblassen. 17 Staustufen und Schleusen auf dem Rhein-Marne-Kanal wurden 1969 durch dieses Schiffshebewerk überflüssig. Waren es damals Kohle-Penichen, werden heute Freizeitkapitäne auf höheres Niveau gebracht.

Geheimtipp: An Bord des Besucherbootes überwindet man 45 Meter Höhen-Differenz auf einer Gesamtstrecke von 108 Metern in einem 900 Tonnen schweren Schrägaufzug, der sogar Frachtschiffe transportieren kann.

Infos: www.mosl-tourisme.fr

10. Deutsches Zeitungsmuseum Wadgassen: In den Gebäuden einer ehemaligen Prämonstratenser-Abtei gibt es für Freunde des geschriebenen Wortes so viel zu Schmökern, dass Nachrichten-Fans Tage in diesem Museum verbringen könnten. Von den Anfängen der Zeitung bis zur Spiegel-Affäre 1962 spannt sich der Bogen, der viel Drucktechnik zeigt und Blicke in eine vielleicht papierlose Zukunft wagt.

Geheimtipp: Die seit dem 4. Juli laufende Schau mit Werken des Fotografen Günter Zint, der dabei war, als die großen Demonstrationen der 68er, der Anti-Atom- und Friedensbewegung stattfanden.

Für Kinder: Die Ausstellung „Faszination Mond“ (bis Jahresende): Wie groß ist ein Astronauten-Anzug? Wie wird eine Rakete angetrieben? Mit Experimentierstationen wird die „uralte“ Mondlandung von 1969 auch für heutige Kinder ein Erlebnis.

Infos: www.kulturbesitz.de

Die Tipps stammen von Katharina de Mos und Dietmar Klostermann.

Alle unsere Ausflugstipps, Wander- und Radtouren der Serie „Am schönsten ist´s daheim!“ finden Sie unter

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