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130 Kilogramm Amphetamin in Sporttaschen - Landgericht verurteilt LKW-Fahrer zu acht Jahren Haft

130 Kilogramm Amphetamin in Sporttaschen - Landgericht verurteilt LKW-Fahrer zu acht Jahren Haft

Ein 55-jähriger LKW-Fahrer ist am Dienstag vom Landgericht Trier zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte 130 Kilo Amphetamin in Sporttaschen dabei, als er an der luxemburgischen Grenze kontrolliert wurde.

Unter Tränen hat am Dienstagvormittag ein 55-jähriger Spanier vor dem Trierer Landgericht eingeräumt, im Mai mit seinem LKW als Drogenkurier von Rotterdam nach Spanien unterwegs gewesen zu sein. Mit in der Fahrzeugkabine: sechs Sporttaschen mit insgesamt knapp 130 Kilogramm synthetischen Drogen. Für den Kurierdienst habe er 2000 Euro erhalten. Das Landgericht hat den Mann zu acht Jahren Haft verurteilt.

Bei der ersten Vernehmung hatte der Spanier noch erklärt, überzeugt gewesen zu sein, dass es sich bei dem Inhalt der Sporttaschen, die ihm von einer Zufallsbekanntschaft mitgegeben worden seien, um Kraftfutter für Kühe handele. In der Hauptverhandlung räumte er am Dienstag ein, gewusst zu haben, dass es Drogen waren. Die Polizei hatte den Mann am 20. Mai auf der A 64 kurz vor der luxemburgischen Grenze herausgewunken. Per Röntgengerät und mit Hilfe eines Spürhundes wurden die sechs Drogentaschen in der Fahrerkabine gefunden. Es war der bundesweit größte Drogenfund der vergangenen fünf Jahre. Die 130 Kilogramm Amphetamine hatten einen Straßenverkaufswert von bis zu zwei Millionen Euro.

Für wen die Drogen auf dem spanischen Markt bestimmt waren und wer der Auftraggeber war, wurde bei der Verhandlung vor dem Trierer Landgericht nicht thematisiert. Die Verteidigerin des Angeklagten, Staatsanwaltschaft und Gericht einigten sich kurz nach Verhandlungseröffnung auf einen sogenannten Deal: Der Angeklagte gibt zu, was die Staatsanwaltschaft ihm in der Anklageschrift vorwirft und erhält dafür die Zusage, dass das spätere Strafmaß nicht über ein bestimmtes Niveau steigt. Statt der angesetzten drei Verhandlungstage mit etlichen Zeugen reichten so knapp zwei Stunden für das Hauptverfahren aus. Staatsanwalt und Verteidigerin forderten beide acht Jahre Haft für den Drogenkurier, das Gericht folgte diesem Strafmaß in seinem Urteil.

Dass der Spanier das erste Mal für seinen Auftraggeber unterwegs war, daran glaubt Staatsanwalt Eric Samel zwar nicht. "Aber wir können es dem Angeklagten nicht beweisen." Die Ermittlungen, um auch die Hintermänner aufzudecken, laufen weiter. "Hinter einer so großen Menge Drogen in so guter Qualität steckt organisiertes Verbrechen", sagte Samel im Gespräch mit dem TV.

Hätte der heute verurteilte Drogenkurier als Kronzeuge über seine Auftraggeber ausgepackt, hätte er als Gegenleistung wohl eine wesentlich geringere Haftstrafe erhalten. Durch solche Auskünfte hätte er sich allerdings wohl der Rache des Drogenrings ausgesetzt. "Daher wäre in diesem Fall auch eine Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm mit neuer Identität infrage gekommen, womöglich für seine ganze Familie", erklärte Samel.

Jetzt müssen Polizei und Zoll selbst weiter nach den Hintermännern fahnden. Zumindest zwei handfeste Spuren gibt es: An den Plastiktüten, in denen die Amphetamine verpackt waren, wurden DNA-Spuren von zwei unbekannten Männern festgestellt und an die entsprechenden Ermittlungsbehörden weitergeleitet.