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174 Steuerhinterzieher in sechs Monaten: Selbstanzeigen in der Region sprudeln nach Rekordjahr weiter

174 Steuerhinterzieher in sechs Monaten: Selbstanzeigen in der Region sprudeln nach Rekordjahr weiter

Die Flut der Selbstanzeigen beim Finanzamt Trier hält weiter an: In der ersten Jahreshälfte haben sich bereits wieder 174 Steuerhinterzieher gemeldet und ihr Vergehen angezeigt. Eigentlich haben alle Experten nach dem Rekordjahr 2014 mit deutlich weniger Fällen gerechnet.

937 Bürger aus der Region Trier haben sich im vergangenen Jahr selbst beim Finanzamt Trier gemeldet und hinterzogenen Steuern erklärt. Nach diesem absoluten Hoch rechneten viele Experten damit, dass die Zahl der Selbstanzeiger in diesem Jahr einbricht. Seit Januar gelten nämlich schärfere Regeln für die Strafbefreiung. Die Grenze, bis zu der Steuerhinterziehung bei einer Selbstanzeige straffrei bleibt, ist von 50.000 auf 25.000 Euro gesunken.

Berater im Visier der Fahnder

Offensiv geht das Finanzamt Trier nun auch Bank- und Finanzberater an. "Wir wollen herausfinden, welche Rolle die Berater bei der Steuerhinterziehung spielen", sagt der Chef des Finanzamtes Trier Jürgen Kentenich dem Volksfreund. Könne man eine Beihilfe nachweisen, könne man so auch die Mithelfer belangen. "Steuerhinterziehung funktioniert bei den meisten Anlegern nur durch die Unterstützung der Finanzexperten", sagt Kentenich.

Trotzdem wurde das Finanzamt von der Vielzahl der neuen Fälle überrascht. "Wir hatten gedacht, dass viele Bürger in 2014 noch schnell reinen Tisch machen und dass dann nur noch ganz wenige Anzeigen kommen," sagt Finanzamtsvorsteher Jürgen Kentenich. Doch weit gefehlt: Mit 174 Selbstanzeigen bleibt die Zahl zwar weit unter dem Rekordjahr, doch es sind fast genauso viele Fälle wie im gesamten Jahr 2013 (178 Selbstanzeigen). Finanzamtschef Kentenich hat eine Erklärung für die Entwicklung: "Neben dem Hoeneß-Effekt spielt sicher auch der automatische Informationsaustausch über ausländische Einkünfte eine gewichtige Rolle", sagt Kentenich dem TV. Dabei rechnet er für die Steuerfahnder mit neuen Erkenntnissen.

Bisher waren nur Zinsauskünfte zu melden. Doch schon bald fließen den Finanzämtern automatisch und ohne jede Anfragen Daten über Arbeitseinkommen, Ruhegehälter oder Renten, Aufsichtsratsvergütungen, Lebensversicherungsprodukte und Immobilienbesitz mit den dazu gehörenden Einkünften zu. Erstmals sollen dies Daten aus dem Jahr 2014 vom 31. Juli 2015 unter den EU-Staaten ausgetauscht werden.
"Es gibt ein Großreinemachen bei den Banken und Finanzdienstleistern in Luxemburg und der Schweiz", sagt Kentenich. Dies betreffe vor allem die Kapitalanlagen von Privaten. Doch gleichzeitig ziehe die Finanzbranche neue Produkte aus dem Köcher, um den Anlegern Alternativen zu bieten. So spezialisierten sich einige auf Versicherungsprodukte, die versteckte Kapitalanlagen seien.

Für die Steuerfahnder sei auch die neue Situation eine Herausforderung. "Das wir nun viele Fälle auf den Tisch bekommen,macht die Arbeit nicht einfacher. Die Produkte, mit denen Steuern hinterzogen werden, sind sehr komplex", erklärt der Finanzamtschef.

Zudem soll der automatische Auskunftsaustausch in Zukunft noch weiter ausgeweitet werden, zum Beispiel auf Einkünfte aus Stiftungen, Vermögensverwaltung, auf Dividenden und Lizenzen, was wiederum weitere Selbstanzeigen nach sich ziehen dürfte. Aktuell hat die Bundesregierung zwei weitere Gesetzentwürfe beschlossen, mit denen der automatische Informationsaustausch über Finanzkonten in Steuersachen mit den anderen EUMitgliedstaaten und Drittstaaten ab 2017 wirksam werden kann.

Umdenken hat eingesetzt

Der Finanzamtschef sieht aber auch ein positives Einwirken von Steuerberatern und Banken auf ihre Mandanten. Kentenich: "Die Steuerberater fragen zwischenzeitlich deutlich bei ihren Mandanten nach, ob sie nicht noch etwas zu verbergen haben, was angezeigt werden müsste und luxemburger Banken brechen Geschäftsbeziehungen zu ihren Kunden ab, wenn diese nicht die geforderte Steuerkonformitätsbescheinigung unterschreiben."

In dem Zeitraum von 2010 bis Ende Juni 2015 sind insgesamt 1580 Selbstanzeigen beim Finanzamt Trier eingegangen. Davon entfallen 1131 auf luxemburgische und 454 auf schweizerische Anlagen. Die Gesamtsumme der Nachzahlungen beträgt bisher 53,3 Millionen Euro