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2018 wurden in Deutschland weniger Tonnen Glyphosat verkauft

Umwelt : Glyphosat-Absatz deutlich gesunken

Während die Fachwelt weiter streitet, wie gefährlich das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist, haben Verbraucher entschieden, weniger davon zu spritzen.

Bienenfreunde und Naturliebhaber wird diese Nachricht freuen: Der Absatz des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat und anderer Pflanzenschutzmittel ist in Deutschland gesunken.

Der Rückgang sei maßgeblich auf die geringere Nachfrage nach Herbiziden (minus elf Prozent) sowie Fungiziden (minus 12 Prozent) zurückzuführen, teilt das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. „Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die trockene Wetterlage 2018, aber auch durch die hohe Sensibilität der Landwirte“, heißt es aus dem Ministerium von Julia Klöckner (CDU). 2018 wurden 3450 Tonnen Glyphosat verkauft. Das war ein Minus von 26,5 Prozent im Vergleich zu 2017 (rund 4700 Tonnen). Seit 2011 sei insgesamt ein Abwärtstrend erkennbar.

Eine Entwicklung, die auch dadurch begünstigt worden sein könnte, dass Roundup und andere Glyphosatprodukte für Hobbygärtner gar nicht mehr so einfach zu bekommen sind. Viele Fachgeschäfte haben sie aus den Regalen verbannt. „Wir werden die Produkte nicht wieder ins Sortiment aufnehmen“, teilt das Trierer Gartencenter Dehner mit. Die Nachfrage sei stark gesunken, da die Kunden sensibilisiert seien.

Glyphosat tötet alle grünen Pflanzen. Relativ unumstritten ist daher, dass es zum Rückgang der biologischen Vielfalt beiträgt. Wo Klatschmohn, Kornblume und andere Ackerkräuter keine Chance mehr haben, gehen Lebensräume und Nahrungsquellen verloren.

Wesentlich umstrittener ist die Frage, ob Glyphosat krebserregend ist. Diese Frage hatten Zulassungsbehörden weltweit mit Nein beantwortet. Dennoch ist sie hochbrisant. In Deutschland, weil es Zweifel daran gibt, dass bei der Risikobewertung alles richtig gelaufen ist: So werfen der im Eifelort Musweiler lebende Epidemiologe Eberhard Greiser und andere Wissenschaftler dem Bundesinstitut für Risikobewertung vor, einen Großteil der Bewertung einfach vom Hersteller Monsanto übernommen zu haben (der TV berichtete).

2015 hatte der emeritierte Medizin-Professor den Landwirtschaftsausschuss des Bundestags als Sachverständiger beraten, als es um die Wiederzulassung des Wirkstoffs ging. Er analysierte 92 Studien, die das Bundesinstitut (BfR) herangezogen hatte, um zu bewerten, wie gefährlich Glyphosat ist. Greiser warnt seitdem eindringlich vor dem Gebrauch. Er halte es für ein „sehr reales Risiko“, dass Glyphosat Krebs verursache. An der Zulassungsverlängerung 2017 war die Bundesregierung maßgeblich beteiligt – die Pro-Glyphosat-Stimme Deutschlands war entscheidend für eine Mehrheit in Brüssel. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte sie im Alleingang durchgedrückt. Nun sitzt er für die Deutsche Bahn AG, den größten Glyphosatverbraucher der Republik, im Aufsichtsrat. „Ein Schelm, wer böses dabei denkt“, heißt es in Artikeln zum Thema.

In den USA ist die Frage hochbrisant, seit  dort eine Klagewelle gegen Bayers Tochterfirma Monsanto rollt. Im Frühjahr urteilte eine Jury in San Francisco, dass Monsanto für Krebsrisiken haftbar ist und dem Kläger mehr als 70 Millionen Euro Schadensersatz zahlen muss. Nicht das erste Urteil dieser Art. Mehr als 18 000 weitere Klagen wurden eingereicht.

Das Bundeskabinett hat im September ein Agrarpaket auf den Weg gebracht, das ein Verbot von Glyphosat bis Ende 2023 vorsieht. Ab 2020 sind Verbote für Haus- und Kleingärten, öffentliche Flächen sowie Einschränkungen für Bauern geplant. Das soll etwa drei Viertel der Einsatzmenge vermeiden. Bayer und andere Hersteller haben allerdings ein Zulassungsverfahren gestartet, um Glyphosat auch nach 2023 in der EU verkaufen zu können.

(Mit Material von dpa)