30 Monate für einen Fälscher

30 Monate für einen Fälscher

BITBURG. Weil er wiederholt Dokumente gefälscht und mehrfach betrogen hat, soll ein 51-jähriger Eifeler 30 Monate ins Gefängnis. Der Mann war unter anderem bei der Nachrichtenagentur ddp eingestiegen und wollte dort drei Millionen Euro investieren, obwohl er zuvor Offenbarungseide geleistet hatte.

Er sei auch Opfer und Strohmann für die Machenschaften dunkler Hintermänner gewesen. Diese im Prozess vor dem Bitburger Schöffengericht vom angeklagten 51-jährigen Eifeler immer wieder zu hörende Aussage nutzte ihm wenig. 30 Monate Haft ohne Bewährung lautete das Urteil. Der Mann, der alle Vorwürfe zugab, war mehrfach wegen Fälschungen und Betrügereien aufgefallen und laut Amtsgerichtsdirektor Werner von Schichau "auf dem Weg zum Berufsbetrüger". Millionen-Deals misslungen

Die finanzielle Misere des Angeklagten begann, als es in seinem Beruf als selbstständiger Versicherungsmakler nicht mehr so recht klappte. Geld sollte durch die Vermittlung eines Immobiliengeschäfts wieder hereinkommen. In Trier wollte er mit dem Vermitteln des Verkaufs eines Nachtclubs in der Innenstadt an Schweizer Geldgeber Kasse machen. Der Deal misslang, und die Hausbesitzerin forderte Schadenersatz. Was folgte, waren missglückte Versuche, mittels dubioser Geschäfte aus der Geldnot herauszukommen. Aufgrund von Verbindungen zu einem Geschäftspartner am Bodensee sei er an Investoren in der Schweiz gekommen. Auf deren Geheiß hin habe er Schriftstücke gefälscht. In einem auf der heimischen Schreibmaschine gefertigten Schreiben wurde dem Mann deshalb kurzerhand von einer luxemburgischen Bank ein Vermögen im Wert von 15 Millionen Dollar bescheinigt (der TV berichtete). Zu diesem Zeitpunkt hatte er aufgrund von Geldmangel bereits mehrere Offenbarungseide geleistet. Sinn und Zweck dieser Dokumente war es nach Aussage des Mannes, dass er als Gesellschafter bei der wirtschaftlich angeschlagenen Nachrichtenagentur ddp einsteigen sollte: "Ich war nur der Strohmann, die drei Millionen Euro Gesellschafter-Darlehen sollte eine schweizerische Kapitalgesellschaft zahlen." Eine Provision von 150 000 bis 300 000 Euro sei ihm für das ddp-Engagement in Aussicht gestellt worden. "Ich hatte bei der Sache ein mulmiges Gefühl, aber ich lebte nach dem Prinzip Hoffnung", sagte er im Prozess. Nachdem auch diese Finanzaktion 2004 aufgeflogen war und die Staatsanwaltschaft ermittelte, setzte sich der Mann erneut an seine Schreibmaschine. Er fälschte ein Schriftstück, um einem angeblichen Investor in Jugoslawien weiszumachen, er besitze 400 000 Euro. Dazu fügte er dem Originaldokument über 4000 Euro zwei Nullen hinzu. Auch dies misslang. Vergeblich türkte er zudem auch noch einen Brief einer Eifeler Bank und versuchte, Falschgeld in Umlauf zu bringen. "Konsequenzen des Handelns nicht überblickt"

Für die aus der Zeit nach dem ddp-Coup vor Gericht verhandelten Delikte standen für den Familienvater - dessen Haus inzwischen zwangsversteigert worden ist - acht Monate auf Bewährung aus. Für die nun zu beurteilenden Straftaten wie der Fälschung von Bank-Dokumenten, dem Bestellen von Heizöl und dem Mieten eines Autos, ohne dafür zahlen zu können, wurde diese Strafe eingerechnet. Staatsanwalt Matthias Teriet hatte 30 Monate Haft ohne Bewährung gefordert, da der Angeklagte mehrfach vorgewarnt worden sei. Verteidiger Stefan Franzen hatte für höchstens 24 Monate auf Bewährung plädiert, da sein Mandant aus finanzieller Not heraus gehandelt habe und die Konsequenzen seines Handelns nicht überblickt habe. Gegen das Urteil kann Berufung und Revision eingelegt werden.

Mehr von Volksfreund