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40.000 Menschen in der Region können kaum lesen und schreiben

40.000 Menschen in der Region können kaum lesen und schreiben

Jeder zehnte Deutsche kann nicht richtig lesen und schreiben und zählt zur Gruppe der "funktionalen Analphabeten". Allein in der Region sind 40.000 Menschen betroffen. Ein bundesweites Modellprojekt zur Alphabetisierung startet heute in Trier.

500.000 Euro Bundesmittel hat die Volkshochschule Trier als eines von 20 bundesweiten Projekten erhalten, um Arbeitnehmer, die nicht oder nicht richtig lesen und schreiben können, zu fördern. Unter dem sperrigen Begriff "arbeitsplatzorientierte Alphabetisierungs- und Grundbildung" wird bis August 2015 in Trier versucht, das Umfeld von Analphabeten anzusprechen und zu informieren. Heißt: Betriebsräte, aber auch zum Beispiel Sportvereine oder Sozialeinrichtungen werden geschult, wie man mit Analphabetismus umgeht und wie man Betroffene ermutigen kann, Kurse der Bildungsträger zu besuchen.
Projektleiter Rudolf Hahn hat hochgerechnet, dass alleine in Trier 10.000 Menschen nicht richtig lesen oder schreiben können - und über die Hälfte davon steht laut einer bundesweiten Studie im Berufsleben. "Und die Zeit der einfachen Tätigkeiten, in denen man nicht lesen oder schreiben muss, ist vorbei", sagt Hahn. Nur rund 50 Analphabeten besuchen pro Jahr in Trier die Kurse der Bildungseinrichtungen wie der Volkshochschule. Schon seit 2009 ist in Trier die Alphabetisierung eingebettet in das vom Bund mit über zwei Millionen Euro geförderte Projekt "Lernen vor Ort".
Viele lokale Initiativen, zum Beispiel in besonders betroffenen Stadtteilen, nehmen sich des Themas an, zudem wurde vor einem Jahr das "Trierer Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung" mit über 75 Organisationen ins Leben gerufen. Der Kampf gegen Analphabetismus setzt schon in der Schule an, aber die bundesweite Studie belegt, dass Analphabetismus vorrangig ein Problem von Erwachsenen ist. Und nicht etwa von solchen mit Migrationshintergrund: "In Trier ist die Zahl der Analphabeten ohne deutsche Muttersprache geringer als im Landesdurchschnitt", sagt Hahn.
Die Bundesregierung stellt 20 Millionen Euro für eine Kampagne, "Lesen und schreiben - mein Schlüssel zur Welt", bereit. Am 14. November wird in Trier als einer von sechs deutschen Städten dazu eine Ausstellung mit einer Fachtagung eröffnet.