94 Länder, 30.000 Studenten, ein Ziel - Hochschulstandorte Trier und Luxemburg richten sich auf neue Ansprüche an das Studium ein

Trier/Luxemburg · Studieren soll praxisnäher werden. Das ist eine Forderung der Bertelsmann Stiftung. An Universität und Hochschule in Trier hat das Umdenken begonnen. Die Landesregierung sieht das mit Wohlwollen.

Es brummt wieder auf dem Uni-Campus in Trier. 15.000 junge Frauen und Männer wetteifern ab Montag darum, ihr Wissen zu vergrößern. Bereits am Donnerstag und Freitag sind die mehr als 2000 Studienanfänger von Universitätspräsident Michael Jäckel, dem Trie-rer Oberbürgermeister Wolfram Leibe und dem Geschäftsführer des Studiwerks, Andreas Wagner, eingeladen worden, die Universität und die Stadt Trier für sich zu entdecken.

Mehr Studenten als Azubis

Die Zahl der Studierenden wird trotz der geburtenschwachen Jahre in nächster Zukunft nicht abnehmen. Das besagt zumindest eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Vor zwei Jahren haben erstmals mehr junge Menschen ein Studium begonnen als eine Berufsausbildung. Bis 2030 wird diese Schere zwischen Studien- und Ausbildungsanfängern weiter auseinandergehen.

Handwerk und Industrie sprechen angesichts dieses Trends und Hunderter freier Lehrstellen vom "Akademisierungswahn" in der Gesellschaft und werben dafür, den Wert der beruflichen Ausbildung in der öffentlichen Wahrnehmung wieder zu stärken (der TV berichtete).

"Der Trend zur Akademisierung ist nicht zu stoppen", sagt Jörg Dräger, Vorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Er spricht sich deshalb für eine stärkere Verzahnung und Durchlässigkeit der Bildungswege aus. "Es muss darum gehen, Berufsausbildung und Studium stärker miteinander zu verknüpfen."

Im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium hört man solche Aussagen gerne. "Wir setzen schon jetzt auf Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit zwischen beiden Ausbildungswegen", sagt Sprecher Wolf-Jürgen Karle. Als Beispiel nennt er Studienmöglichkeiten für beruflich Qualifizierte und duale Studiengänge, die berufliche und akademische Bildung gleichermaßen vermittelten. Zudem werde auch in der Schulzeit die Berufs- und Studienorientierung verbessert..

Die Universität reagiert auf die gesellschaftlichen Entwicklungen mit mehr Praxisnähe im Studium. So soll der Wert der Lehre gestärkt werden (siehe Gastbeitrag unten). Duale Studiengänge wie der im Bereich Pflege zeugen von einem Umdenken.

Auch an der Hochschule (ehemals Fachhochschule) ist das ein Thema. Dort beginnt das Projekt duale Gesundheitsstudiengänge mit der Physiotherapie. In den kommenden Jahren wird es durch Logopädie und Ergotherapie ergänzt. Neue Akzente setzt die Hochschule auch mit dem rheinland-pfälzischen Kompetenzzentrum GameUp, das sich mit dem Design und der Entwicklung von Computerspielen beschäftigt.

Fast 8000 junge Menschen studieren an der Hochschule Trier. "Die weiterhin sehr hohe Zahl der Studierenden stellt uns vor die Herausforderung, unsere Selbstverpflichtung einzuhalten, qualitativ hochwertige Studienbedingungen zu bieten", sagt Hochschulpräsident Norbert Kuhn. "Wir bieten Studierenden mit Nachholbedarf besondere Förderung an und versuchen gleichzeitig, fortgeschrittene Studierende mit herausfordernden Aufgaben zu konfrontieren."

Vor solchen Aufgaben stehen auch die 500 deutschen Studierenden, die sich an der aufstrebenden Universität Luxemburg eingeschrieben haben. Sie sind mit einem Anteil von acht Prozent unter den 6300 Studierenden dort die drittstärkste Gemeinschaft nach Luxemburg und Frankreich.

Insgesamt leben fast 30.000 Studierende in der Region Trier/Luxemburg. Wenn es auf dem Campus brummt, dann geschieht das in einer Vielzahl von Sprachen. Denn die jungen Menschen kommen aus 94 Ländern.

Zumindest für die Wohnungssuche ist das in diesem Jahr kein großes Problem. "Der Wohnungsmarkt für Studierende scheint sich in Trier zu entspannen", sagt Studiwerk-Geschäftsführer Andreas Wagner. Die 1617 günstigen Appartements des Studiwerks seien allerdings komplett vermietet.

Universität und Hochschule Trier in Zahlen

Insgesamt 14.484 Studierende (männlich: 6199, weiblich: 8285) zählt die Universität Trier, an der Hochschule Trier sind es 7871 (männlich: 5336, weiblich: 2535). Darunter sind Studierende aus insgesamt 92 (Uni) und 94 (Hochschule) Ländern.Die Universität zählt 147 Gasthörer, die Hochschule 71. Unterrichtet werden die Studenten an der Uni von 182 Professoren und 340 wissenschaftlichen Mitarbeitern in 6 Fachbereichen mit mehr als 50 Fächern. Hinzu kommen 465 nichtwissenschaftliche Mitarbeiter.An der Hochschule lehren 173 Professoren und 121 Lehrbeauftragte in 70 Studiengängen. Aus den zahlreichen Gebäuden, Lehrräumen und Hörsälen sticht jeweils das Audimax hervor: An der Universität fasst es 550 Plätze, an der Hochschule Trier 656.An den Mensen beider Institute werden im Jahr insgesamt 1.000.000 Essen ausgegeben (500.000 je Semester). Das Trierer Studiwerk hat insgesamt 1617 Studentenappartements vermietet. redQuelle: Universität Trier, Hochschule Trier


Extra: Studiwerk Trier

Studierendenwerk war gestern. Das "Studiwerk Trier" gibt sich modern und innovativ. Der neue Internetauftritt (www.studiwerk.de)unterstreicht dies ebenso wie viele Auszeichnungen, die Geschäftsführer Andreas Wagner und seine 176 Mitarbeiter in den vergangenen Jahren erhalten haben. Der wichtigste Partner für 20.000 Studierende an Universität und Hochschule, wenn es um die Themen Wohnen, Essen und ÖPNV geht, darf sich nun mit dem Digital Transformation Award 2015 des Magazins Wirtschaftswoche zieren. Gewürdigt wird der innovative Online-Speiseplan. r.n.
app-auf-den-teller.de

Mehr in unserem Dossier volksfreund.de/studium

Gastbeitrag: Der Preis der Lehre

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