Ab auf den Schrotthaufen der Musikgeschichte!

Meinung : Ab auf den Schrotthaufen der Musikgeschichte!

Wohl so ziemlich jede Epoche der Menschheit hat bewiesen: Auch schreckliche Menschen können großartige Werke hinterlassen. Die aktuelle Debatte über den Umgang mit Michael Jacksons Vermächtnis zeigt, wie schwierig es ist, da den richtigen Weg zu wählen.

Sind „Beat it“ oder „Thriller“ nicht längst wichtiger Teil des menschlichen Kulturguts? Aber ist es in Ordnung, dieses Werk zu würdigen, wenn der berechtigte Verdacht besteht, dass sein Schöpfer Kinder missbraucht hat?

In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch der Richard Wagner Verband mit seinem Vorhaben, dem höchst umstrittenen und daher nur noch selten zu Gehör gebrachten Komponisten Hans Pfitzner eine Bühne zu bieten. Und doch ist es in diesem Fall viel einfacher, ein Urteil zu fällen.

Freundlich formuliert könnte man die Konzertpläne als mutig bezeichnen. Mittelfreundlich als blauäugig. Und weniger freundlich als geschmacklose und völlig überflüssige Provokation. Ist Pfitzners Werk wirklich so bedeutsam, dass es sich lohnt, moralische Bedenken über Bord zu werfen? Wohl kaum. Der Michael Jackson unter den romantischen Komponisten war er jedenfalls ganz sicher nicht. Vielleicht nicht einmal der David Hasselhoff.

Warum sollten Stadt, Land oder sonstige Sponsoren ein Interesse daran haben, den 150. Geburtstag dieses heute weitgehend unbekannten Mannes zu würdigen, der den grausamen Mord an mehr als sechs Millionen Juden mit einer notwendigen Insektenvernichtung verglich? Warum sollte überhaupt irgendwer ein Interesse daran haben? Wer solche schrecklichen Dinge schreibt, hat sich selbst disqualifiziert. Der gehört auf den Schrotthaufen der Musikgeschichte. Und nicht in den Konzertsaal.

Anders als bei den Songs des King of Pop ist das nicht einmal ein Verlust. Pfitzners Werke werden – aus gutem Grund – so selten gespielt, dass sie sowieso fast niemand kennt oder vermissen würde.

k.demos@volksfreund.de

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