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Abhörsicher: Ministerhandys in der Keksdose

Abhörsicher: Ministerhandys in der Keksdose

In politisch wichtigen Runden möchten Abgeordnete und Minister ganz gerne im Geheimen verhandeln. Doch das ist in Zeiten der NSA-Attacken gar nicht so einfach. Im rheinland-pfälzischen Landtag hat man eine effektive und einfache Methode ausgeheckt.

Mainz. Niemand wird gerne abgehört, schon gar kein Landesminister. Und da sich die rheinland-pfälzischen Ressortchefs jeden Dienstag hinter verschlossenen Türen versammeln, um alle wichtigen politischen Vorhaben zu besprechen, müssen diese Kabinettssitzungen besonders abhörsicher sein. Sind sie aber nicht, weiß die Republik in Mainz, Berlin und anderswo spätestens nach dem Skandal um die Ausspähattacken des US-Auslandsgeheimdienstes NSA. Zumindest so lange nicht, wie ein Handy auf dem Tisch liegt.
Jeder halbwegs Computerkundige weiß, ein solches Handy lässt sich ruckzuck in ein Übertragungsmikrofon umwandeln.

Dazu muss nur die entsprechende Schadsoftware auf das Smartphone aufgespielt werden - das kann per Mail, per Update, per App-Zusatzfunktion geschehen. Danach funktioniert das Telefon wie eine Wanze. Und all die brisanten und geheimen Gespräche am rheinland-pfälzischen Kabinettstisch sind plötzlich gar nicht mehr so geheim.Wie ein Faraday'scher Käfig


Mit welch ausgeklügelten Methoden sich die rot-grüne Landesregierung unter Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gegen Spähangriffe zur Wehr setzt, ließ sich jüngst im alten Kabinettssaal beobachten. Denn dort tagt die Regierung. Mobiltelefone müssen vor jeder Sitzung abgegeben werden, damit weder Minister noch Ministerpräsidentin über die kleinen Dinger ausgehorcht werden können. Vor der Kabinettssitzung werden die Smartphones in Ablagefächern deponiert.

Da aber auch damit den strengen Anforderungen des rheinland-pfälzischen Verfassungsschutzes nicht Genüge getan wird, griff die Mainzer Staatskanzlei vor wenigen Wochen zu weitaus drastischeren Mitteln. Sie wollte unbedingt verhindern, dass clevere Spione die Minister selbst aus räumlicher Distanz belauschen können.

Ergo wurde ein Mitarbeiter mit dem Geheimauftrag losgeschickt, in einem Supermarkt eine Keksdose zu besorgen. Denn Geheimagenten glauben zu wissen, dass das Blechgehäuse wie ein Faraday'scher Käfig funktioniert, eine komplett geschlossene Hülle aus einem elektrischen Leiter. Diese kann aus Blech, aber auch ein Drahtgeflecht sein - man kennt derartige Konstruktionen aus diversen Kino-Thrillern. Elektromagnetische Wellen können diesen Schutz angeblich nicht durchdringen.

Nachdem der Mitarbeiter der Staatskanzlei mit frisch erstandener Keksdose unter dem Arm in den Kabinettssaal geeilt war, wurde das Gebäck ausgeräumt und wanderten die Minister-Handys in das Blechgehäuse. Deckel zu - alles konnte entspannen. Denn der improvisierte faradayscher Käfig soll verhindern, dass externe Mächte die Handy-Mikrofone per Fernsteuerung aktivieren und sich so Zugang zu vertraulichem Wissen verschaffen. Die rheinland-pfälzischen Staatsgeheimnisse bleiben durch die Keksdose also vorerst gewahrt, auch wenn Skeptiker Zweifel haben, ob diese Abschirmmethode auch wirklich zuverlässig funktioniert.Bewusstseinswandel


Der NSA-Skandal hat immerhin einen Bewusstseinswandel eingeleitet. Im Regierungsapparat werden Handys bei wichtigen Sitzungen - etwa mit dem Verfassungsschutz - vermehrt weggeschlossen. Bei Auslandsreisen wird darauf geachtet, dass die Mobiltelefone der Landesbediensteten blank sind, also keine sensiblen Informationen oder Adressen enthalten.

Ob die Landesregierung im großen Stil teure verschlüsselte Handys (Krypto-Handys) anschafft, hängt auch von der bundespolitischen Großwetterlage ab. Laut Innenministerium macht dies nur Sinn, wenn die einschlägigen Sicherheitsbehörden die gleichen Standards verwenden. Das Thema wird auf Initiative der IT-Landesbeauftragten Heike Raab (SPD) nun im bundesweiten IT-Planungsrat erörtert. Derweil landen die rheinland-pfälzischen Ministerhandys weiter in der Keksdose.

Vielleicht sollte Rot-Grün derweil über eine Kooperation mit "Griesson - de Beukelaer" in Polch nachdenken, immerhin einem der führenden Keksehersteller in Europa. Warum soll Sicherheit nicht auch durch den Magen gehen?

Sieben "todsichere" weitere Tipps, Ihre Gespräche abhörsicher zu machen, finden Sie hier .