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Abrissbagger statt Badegäste

Abrissbagger statt Badegäste

Die Kassen von Land und Kommunen sind leer: In Rheinland-Pfalz geht das Schwimmbad-Sterben weiter. Seit 2009 wurden 25 Bäder geschlossen, teilte das Mainzer Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit. Viele der 279 Freizeit-, Frei- und Hallenbäder müssen mit finanziellen Defiziten und überfälligen Sanierungen kämpfen.

Rheinland-Pfalz. Die Sportverbände sind in Sorge. "Immer weniger Kinder haben die Chance, den Schwimmsport zu lernen und zu leben", sagt Lothar Westram, Hauptgeschäftsführer des Landessportbunds. "Heute kommen viele Kinder über den Seepferdchenkurs nicht mehr hinaus." Ohnehin werden in Rheinland-Pfalz generell deutlich weniger Schwimmabzeichen erworben, wie aus einer Statistik des DLRG-Landesverbands hervorgeht. 2005 waren es 11 543, 2014 nur noch 7279. Entwickelt sich Rheinland-Pfalz zu einem Bundesland der Nichtschwimmer? Schwimmsport gefährdet

So weit wollen die Sportverbände nicht gehen. Und sie erkennen durchaus an, dass Landesregierung und Kommunen trotz knapper Kassen noch einiges für die Schwimmbäder tun. Thorsten Richter, der stellvertretende Geschäftsführer des Sportbunds Rheinhessen, sagt aber auch: "Schon jetzt lernen viele Schulkinder aufgrund der Verknappung der Schwimmbäder nicht mehr schwimmen, obwohl das zur Grundausbildung in der Schulzeit zählt." Richter und andere Funktionäre beklagen, dass im Land zu viele Sportbäder in Spaßbäder umsaniert werden. Die CDU-Opposition hat eine Große Anfrage an die Regierung auf den Weg gebracht, in der es auch um die Schwimmbäder geht. Resultat: Freizeit- und Spaßbäder ziehen Kunden an, klassische Freibäder verlieren Badegäste. Ergebnis ist aber auch: Das Land fördert stärker Komibäder (Kombination von allen und Freibädern) und interkommunal getragene Projekte. Zudem wird auf sinkende Betriebskosten geachtet. Laut CDU bleiben am Ende einfach zu viele Bäder auf der Strecke."Schwimmen ist eine Daseinsgrundlage", sagt Guido Ernst, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. "Wir brauchen nicht überall ein 50-Meter-Becken, aber wenigstens ein Schwimmbad in zumutbarer Entfernung." Ernst und die CDU fordern höhere Ansätze beim Sanierungsprogramm für Schwimmbäder. Planvolle BewirtschaftungIn eine ähnliche Richtung geht der Landessportbund. Hauptgeschäftsführer Westram fordert einen Förderschwerpunkt Schwimmsport und eine landesweite "planvolle Bewirtschaftung", die verhindert, dass manche Regionen fast ganz ohne Bäder dastehen, während andere noch relativ gut versorgt sind. Zudem beklagt er, dass es in Rheinland-Pfalz so gut wie keine Trainingsmöglichkeiten für Spitzenathleten im Wassersport gibt. Die Landesregierung fördert Schwimmbäder über das Sportinvestitionsprogramm. Zudem flossen beispielsweise von 2007 bis 2009 über das Schuldendiensthilfeprogramm zur Sanierung öffentlicher Bäder 66 Millionen Euro in 40 Einrichtungen, teilte das Innenministerium mit. In den vergangenen drei Jahren wurden zehn Bäder mit insgesamt 7 Millionen Euro vom Land unterstützt.