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Adventskalender 2022: Wir packen das sexy Modell für Sie aus

Kochen, Erotik, Motorsport : Eine kleine Geschichte des Adventskalenders – und welches sexy Modell die TV-Redaktion für Sie auspackt

Der Siegeszug des Adventskalenders begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Täglich wird auch der Volksfreund nun ein Türchen öffnen. Auf Schokolade verzichten wir dabei, stattdessen wird es ein erotischer Versuch. Hier ein kleiner Blick auf die Geschichte der Adventskalender und unseren amourösen Selbstversuch.

Kleine Finger pfriemeln zittrig an einem Stück Pappe. Wo verflixt nochmal ist denn nur die richtige Stelle, um das perforierte Türchen aufzureißen? Endlich gefunden. Es macht ritsch, mitunter auch ratsch und hinter dem zurückgeklappten Pappdeckelchen kommt ein winziges Stückchen Schokolade zum Vorschein. Keine schnöde Süßigkeit, sondern eine im Idealfall zart schmelzende, verheißungsvolle Versuchung, die ausnahmsweise sogar schon am frühen Morgen genascht werden darf – und das gleich 24 Mal. Egal welches Alter, kaum jemand kann dem Zauber eines Adventskalenders widerstehen und das mittlerweile sogar weltweit.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Erfolgsgeschichte des Adventskalenders in lutheranischen Familien in Deutschland. Ob als Zählhilfe oder auch nur als kurzweilige Ablenkung begannen damals die ersten protestantischen Familien damit, ritualisiert die Tage bis Weihnachten abzuzählen. Manche hingen jeden Tag kleine Bildchen mit religiösen Motiven an eine Wand – natürlich 24 an der Zahl. Andere Prä-Adventskalender zählten gar Rückwärts: Die Eltern zogen an einer Stelle im Haus 24 Kreidestrichlein und die Kinder durften jeden Tag eines wegwischen.

Und auch Katholiken hatten da schon ihre eigenen Bräuche entwickelt. In manchen Haushalten wurden täglich einzeln Strohhalme in eine Krippe gelegt. Bis zum heilig Abend wurde sie so gut gepolstert, um dem Christkind ein gemütliches Bettchen zu bieten. Wieder andere Familien machten sich einen skandinavischen Brauch zu eigen und brannten mit 24 Strichen markierte Kerzen bis zum Weihnachtsfest ab.

Der erste Star-Schnitt war ein Adventskalender

Doch egal wie die Zeit bis zum 24. Dezember herunter gezählt wurde, ab 1900 war der Adventskalender so etabliert, dass die ersten Verlage begannen, eigen Druck-Erzeugnisse zu veröffentlichen. Übrigens noch mit kleinen Bildern und Gedichten hinter den Türchen oder sogar als Ausschneidebögen. Bei ihnen wurde täglich ein kleines Bild ausgeschnitten und zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Am Heilig Abend war dann das Bild des Christkindes fertig – quasi ein sehr früher Starschnitt wie ihn später die Jugendzeitschrift Bravo wieder modern machte.

Übrigens hatten die frühen Adventskalender nicht unbedingt die selbe Zahl an Tagen. Manche richteten sich nämlich nicht nach dem normalen Kalender sondern traditionell christlich nach dem Kirchenkalender und begannen so ab dem ersten Advent zu zählen. Die Forschung macht einen der ersten industriell hergestellten Adventskalender im Jahr 1902 aus. Damals brachte die evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg den ersten gedruckten Kalender raus. Ein Jahr später folgte der Münchner Verleger Gerhard Lang mit einem eigenen Produkt. Er etablierte mit als erster die Jahresunabhänige 24.-Tage-Zählung. Das aber übrigens noch immer ohne Naschwaren. Lange kamen Adventskalender nämlich ohne Schokoplättchen aus: erst in den 1950er Jahren wurden sie Mode und eroberten ab dann aber die ganze Welt.

Ein Eldorado für den Handel

Selbstverständlich gab es auch immer Individualisten unter den Adventskalender-Freunden, die mit kreativem Elan Jahr für Jahr eigene Kalender bastelten – viele Jahr gehörte die Leine mit 24 kleinen Säckchen zu den heimlichen selbst gemachten Adventskalender-Klassikern: strahlende Kinderaugen garantiert. Wer aber lieber auf gekaufte Kalender setzen will, der muss sich darauf gefasst machen, dass der Markt parallel zur viel beklagten Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes förmlich explodiert ist – so mancher Schokokalender weist schier schwindelerregende Kilopreise auf.

Der Süßwarenfachhandelsverband Sweets Global Network geht davon aus, dass ein Ende nicht in Sicht ist. „Während 2021 die Adventskalender noch an der 100-Millionen-Euro-Grenze gekratzt haben, wird der Umsatz in diesem Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit über 100 Millionen Euro steigen“, teilt der Verband der Nachrichtenagentur dpa mit. Nicht eingerechnet sind hier die Kalender, die ganz ohne süße Leckereien auskommen.

Denn längst hat die Industrie nicht mehr ausschließlich Kinder im Blick. Der Markt für Erwachsene scheint ein wahres Eldorado geworden zu sein. Ob Kochen, Motorsport, Golf oder Kosmetik, für jedes Interessengebiet gibt es den passenden Kalender. Das die Qualität und das Preisleistungsverhältnis dabei nicht immer Hand in Hand gehen, scheinen die Verbraucher teils einfach zu ignorieren.

Seit etwa 30 Jahren sei der Trend zum Erwachsenenkalender zu beobachten, sagt die Regenburger Kulturwissenschaftlerin Esther Gajek der dpa. Sei es früher eher die religiöse Sehnsucht nach Seelenheil gewesen, so habe sich heute der Adventskalender entkoppelt vom christlichen Erlösergedanken hin zu einem Fest der Sehnsucht nach Familie, Frieden, Harmonie und großen Gefühlen. „Es geht - eben auch mit Objekten wie dem Adventskalender - um Vorfreude, das Bedürfnis nach dem Besonderen, um die Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen jenseits des Alltags“, so Gajek.

Mit den erheblich im Umbruch befindlichen Familienwerten und Gesellschaftsstrukturen, ist so auch nicht verwunderlich, dass besonders ein Trend seit der Jahrtausendwende nicht mehr abreißt: der zum erotischen Weihnachtskalender. Musste für mehr oder weniger erotische Artikel einst noch verschämt der der Fachhandel aufgesucht werden, können Handschellen, Kondome, Vibratoren oder auch Spitzen-Höschen längst ganz ohne Schmuddelruf im Internet bestellt werden. Zur lukrativsten Sendezeit werben die Unternehmen um ihre Kunden. Kein Wunder, dass es mittlerweile so auch unzählige Adventskalender gibt. Sie versprechen knisternde Zweisamkeit im Advent.

 Ob der Klassiker mit Schokolade oder ein Spezial-Kalender für den Mann von Welt, Adventskalender sind beliebt bei Jung und Alt.
Ob der Klassiker mit Schokolade oder ein Spezial-Kalender für den Mann von Welt, Adventskalender sind beliebt bei Jung und Alt. Foto: dpa/Oliver Berg

Statt Süßwaren, Schnäpse oder Bildchen haben wir uns als Volksfreund-Redaktion dafür entschieden, diesen neuen Wegen zu folgen und uns gemeinsam aus unserer Komfortzone herauszubewegen. Täglich öffnen wir nun einen handelsüblichen Erotik-Kalender und teilen mit Ihnen unsere Gedanken zu den kleinen Überraschungen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der erotische Adventskalender - Tag 24: Mit Druckwellen ins Finale