Ärger in der Eifel: ADAC bei Ring-Verkauf aus dem Rennen

Ärger in der Eifel: ADAC bei Ring-Verkauf aus dem Rennen

Spektakuläre Wende in der Eifel: Der ADAC ist beim Verkauf des Nürburgrings aus dem Rennen. Er wird nicht für die nächste Stufe des Investorenprozesses zugelassen. Das erklärte ADAC-Präsident Peter Meyer gegenüber der "Bild-Zeitung".

Der ADAC-Chef bestätigte damit entsprechende Spekulationen der Rhein-Zeitung: "Das stimmt. Uns hat kurzfristig die Nachricht erreicht, dass wir für den nächsten Schritt des Bieterverfahrens zunächst nicht zugelassen sind. Man hat uns lediglich mitgeteilt, dass unser Angebot als zu niedrig angesehen wird." Meyer zeigte sich über den Vorgang "sehr irritiert". Seinen Angaben nach hat der ADAC einen "mittleren zweistelligen Millionenbereich" geboten. Nach der Absage an den Automobilklub übte dessen Präsident Kritik an den Insolvenzverwaltern. Seiner Ansicht nach geht es den Verantwortlichen für den Investorenprozess "offenbar um kurzfristige Gewinnmaximierung, ohne an die Folgen für die Menschen in der Region zu denken". Meyer sieht den Nürburgring als "legendär, ein automobiles Kulturgut". Sein Credo: Motorsport am Ring muss auch in Zukunft zu finanziell vernünftigen Konditionen möglich sein.

Nach Informationen der Rhein-Zeitung führte der niedrige Kaufpreis, den der ADAC geboten hat, dazu, dass der Klub aus europarechtlichen Gründen offenbar keine Chance hatte, weiter im Kreis der möglichen Käufer zu bleiben. Darauf muss Brüssel gedrängt haben. Daher scheidet der ADAC für die nächste Stufe im Bietverfahren aus. Nach EU-Recht muss der Verkaufsprozess diskriminierungsfrei ablaufen, um nicht gerichtlich anfechtbar zu sein. Ein Gutachten des Immobilien-Unternehmens Jones Lang LaSalle hatte den Wert des Ringkomplexes auf Basis der Rennstrecken, des Eifeldorfs und des Freizeitparks auf rund 77 Millionen errechnet. Andere Expertisen setzen ihn im dreistelligen Bereich an.

Der ADAC hat nach Informationen der Rhein-Zeitung aber nur auf Rennstrecken und Boulevard geboten (ohne Ringwerk). Dieser Bereich des Rings wird von LaSalle auf gut 50 Millionen Euro geschätzt. Das Angebot des ADAC soll aber deutlich unter dieser Schwelle liegen. Wie unsere Zeitung erfuhr, hat der Automobilclub offensichtlich in seiner Kaufpreisermittlung abgezogen, was er durch seine eigenen Veranstaltungen an Umsätzen oder vielmehr Gewinnen erwirtschaftet. Auf diesem Weg kommt er natürlich auf eine Summe, die noch deutlich unter dem niedrigsten Gutachterwert liegt. Der Automobilklub ist der wichtigste Veranstalter am Ring.

Brüssel hat vorher schon Angebote verworfen
Da der ADAC sein Angebot erst relativ spät abgab, hat Brüssel offenbar zuvor bereits Angebote für die nächste Phase des Verkaufsprozesses verworfen, die finanziell lukrativer als das des Klubs waren. Daher war es offenbar nicht möglich, dem ADAC Zugang zum Datenraum zu gewähren und damit eine Risikoprüfung ("Due Diligence") zu ermöglichen. Alles andere hätte europarechtlich als Wettbewerbsverzerrung interpretiert werden können.

Ob der Ausschluss des ADAC vom Bietprozess endgültig ist, wird man abwarten müssen. Zunächst wird jetzt mit anderen Investoren verhandelt.

Auf dem ADAC hatten viele Hoffnungen in der Region am Nürburgring und in der rheinland-pfälzischen Landespolitik geruht. Sollte er endgültig aus dem Rennen sein, dürfte das allgemein mit großer Enttäuschung aufgenommen werden. Zugleich hat beispielsweise der Verein "Ja zum Ring" stets signalisiert, dass man in der Eifel auch mit einem anderen Käufer leben kann, wenn er für Motor- und Breitensport gute Konditionen bietet.

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