Ärger um Strukturreform: 400.000 Gläubige im Bistum denken über Kirchenaustritt nach

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Kritiker fordern von Triers Bischof Stephan Ackermann, die bevorstehende Strukturreform auszusetzen. Bei den Verantwortlichen scheinen sie damit keine offenen Türen einzurennen.

Die Austrittswelle in der katholischen Kirche könnte in den nächsten Jahren deutlich zunehmen: Wegen der Diskussionen um Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal und der bevorstehenden Strukturreform überlegt jeder dritte Katholik im Bistum Trier, aus der Kirche auszutreten. Am höchsten ist die Quote der Gläubigen, die auf dem Absprung sind, bei den 18- bis 35-Jährigen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Kölner Marktforschungsinstituts abh Market Research.

Die bistumskritische Initiative Kirchengemeinde vor Ort hatte die Studie in Auftrag gegeben, um zu erfahren, wie die knapp 1,4 Millionen Katholiken im Bistum die bevorstehende Strukturreform bewerten. Nach den Reformplänen soll es künftig nur noch 35 XXL-Pfarreien statt der derzeit 887 Kirchengemeinden geben (unsere Zeitung berichtete).

Laut der Umfrage lehnt eine deutliche Mehrheit der Katholiken die Großpfarreien ab. Zudem sagt jeder Dritte der insgesamt 160.000 ehrenamtlich Aktiven, sich künftig nicht mehr in der Kirche engagieren zu wollen.

Auf die Frage nach einem möglichen Kirchenaustritt antwortet nur jeder zweite Gläubige, daran keinen Gedanken zu verschwenden. Immerhin 400.000 Katholiken im Bistum denken darüber nach. Die Ursache sieht abh-Geschäftsführer Gerd Heinemann nicht nur in der bevorstehenden Strukturreform begründet, aber sie trage – neben der aktuellen Entwicklung in der Kirche – dazu bei. Im vergangenen Jahr haben 10 096 Katholiken aus der Diözese Trier der Kirche den Rücken gekehrt – 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch sind 54 Prozent der 2,4 Millionen Einwohner im Bistum katholisch.

Bistum Trier: Gläubige protestieren gegen geplante XXL-Pfarreien

Die Initiative Kirchengemeinde vor Ort forderte den Trierer Bischof Stephan Ackermann am Freitag erneut dazu auf, die Reform zu stoppen. Andernfalls werde man in Rom dagegen klagen, sagte Sprecher Harald Cronauer.

Die Bistumsverantwortlichen wollten sich zunächst nicht zu den Ergebnissen der Umfrage äußern, weil man sie noch nicht kenne, wie eine Sprecherin meinte. Pläne, die Reform auszusetzen, gibt es offenkundig nicht. Man sei „auf einem guten, wenn auch nicht spannungsfreien Weg“, sagte die Sprecherin unserer Zeitung.

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