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Ärzte fordern Pflicht zur Masern-Impfung

Ärzte fordern Pflicht zur Masern-Impfung

Der Bund will den Druck auf die Eltern erhöhen. Die Kinder in der Region sind schon gut geschützt.

Noch immer sind Masern in Deutschland nicht ausgerottet. In den ersten drei Monaten sind bundesweit 462 Masern-Erkrankungen gemeldet worden, im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum 30. Bis Anfang April wurden in Rheinland-Pfalz neun Fälle registriert, vier mehr als zu der Zeit 2016. Lothar Maurer, Landesvorsitzender des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte, fordert eine Pflicht zur Masern-Impfung, wie es sie etwa in Bulgarien, Ungarn oder Polen gibt. "Jedes Kind hat das Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit. Dies geht nur mit kompletter Impfung und damit unter Umständen gegen den Willen der Eltern", sagt Maurer. Auch für alle anderen von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen wäre eine solche Pflicht seiner Meinung nach sinnvoll, "aber wohl nicht durchsetzbar".

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Die FDP hat sich bei ihrem Bundesparteitag am Wochenende für eine Impfpflicht für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre ausgesprochen. Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) denkt darüber nach. Auf jeden Fall will Gröhe den Druck auf die Eltern erhöhen. Er hat ein Gesetz angekündigt, wonach Kindergärten den Gesundheitsämtern melden müssen, wenn Eltern eine Impfberatung beim Arzt verweigern. Eine Beratung ist im Infektionsschutzgesetz vorgeschrieben. Bereits jetzt sei es möglich, sagt der Minister, ungeimpfte Kinder und Erwachsene zeitweise vom Besuch einer Kita oder Schule auszuschließen.

Der stellvertretende Leiter des Trierer Gesundheitsamtes, Horst van Hees, sieht ein solches Zugangsverbot kritisch. Genauso wie eine Impfpflicht. "Diese müsste kontrolliert und durchgesetzt werden." Er setzt lieber auf Aufklärung. Bei den Untersuchungen der angehenden Erstklässler würden die Eltern auf mögliche Impflücken hingewiesen. Insgesamt sei jedoch ein Großteil der hiesigen Kinder entsprechend den Empfehlungen geimpft. Lücken gebe es noch bei der erst seit kurzem empfohlenen Impfung gegen Meningokokken C. Auch Landesgesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler ist gegen eine Impfpflicht.

Impfkritiker zweifeln die Wirksamkeit von Impfungen, den Nutzen und auch die Gefährlichkeit von Infektionskrankheiten an.