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Ärzte streiten um Chancen und Risiken der Krebsvorsorge

Ärzte streiten um Chancen und Risiken der Krebsvorsorge

Ärzte und Kassen raten Patienten, zur Krebsvorsorge zu gehen. Doch einige Mediziner sehen etwa die Brust- oder Prostatakrebsvorsorge kritisch. Der Nutzen der Untersuchungen sei nicht nachgewiesen, heißt es.

Rund die Hälfte aller Frauen geht regelmäßig zur Krebsvorsorge. Bei den Männern ist es nur jeder sechste. Doch haben die von den Krankenkassen bezahlten Vorsorgeuntersuchungen überhaupt einen Nutzen? Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat den Sinn einiger dieser Untersuchungen infrage gestellt, weil durch sie die Zahl der Todesfälle nur leicht gesenkt werde.

Chancen und Risiken müssten abgewogen werden, sagt auch Martin Schneider, Landeschef des Verbandes der Ersatzkassen. So seien etwa bei der Prostatakrebsvorsorge die Vorteile nicht eindeutig nachzuweisen. Nutzen und Risiko bei Vorsorgeprogrammen sollten regelmäßig wissenschaftlich analysiert werden, sagt Irmgard Stippler, Chefin der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland.

Der Vorsitzende der Trierer Ärztekammer, Günther Matheis, sieht ebenfalls die Brustkrebsvorsorge kritisch: "Hier ist bislang kein Nachweis erbracht, dass die Sterblichkeit an Brustkrebs signifikant zurückgegangen ist", sagt Matheis. Dieser Ansicht ist auch der Pirmasenser Allgemeinmediziner Stefan Sachtleben. Um eine Frau vor dem Krebstod zu bewahren, müssten 2000 Frauen untersucht werden. "Man sollte kritischer fragen: Was bringt mir die Vorsorge tatsächlich?" sagt Sachtleben, der dem Netzwerk der evidenzbasierten Medizin angehört. Darin sind Mediziner zusammengeschlossen, die fordern, dass die Wirkung von Medikamenten und Therapien fundiert wissenschaftlich nachgewiesen sein muss. Das Problem bei der Krebsvorsorge sei, dass dabei nur Erkrankungen festgestellt werden könnten, die bereits vorhanden seien, sagt Sachtleben. Die Vorsorge sei eigentlich eine Früherkennung. Deshalb bedeutet eine gute Vorsorgeuntersuchung nicht, dass man nicht doch an Krebs erkranken könne.

Günther Sigmund, im Mutterhaus Trier verantwortlich für die Mammografie-Untersuchungen, zu der alle Frauen ab 50 alle zwei Jahre eingeladen werden, warnt davor, diese Vorsorge abzuschaffen. Ohne sie werde Brustkrebs bei vielen Frauen gar nicht oder zu spät festgestellt - weswegen dann mehr Patientinnen sterben würden.