Heftige Kritik an Internet-Post AfD provoziert mit Aufforderung zum Suizid – so reagiert der Verfasser

Zweibrücken/Südwestpfalz · Ein Facebook-Beitrag eines führenden südwestpfälzischen Kommunalpolitikers sorgt bundesweit für Kritik. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall. Rosario Kindlein übt Selbstkritik – kritisiert aber auch, warum nur AfDler für so etwas angeprangert würden.

Der von AfD-Gegnern beanstandete Facebook-Beitrag (nun gelöscht) von Rosario Kindlein. Er kandidiert auf dem sehr aussichtsreichen AfD-Listenplatz 2 für den Kreistag Südwestpfalz.

Der von AfD-Gegnern beanstandete Facebook-Beitrag (nun gelöscht) von Rosario Kindlein. Er kandidiert auf dem sehr aussichtsreichen AfD-Listenplatz 2 für den Kreistag Südwestpfalz.

Foto: DieInsider

Der AfD-Politiker Rosario Kindlein aus Rheinland-Pfalz hat auf seiner Facebook-Seite ein – bald wieder gelöschtes – Bild veröffentlicht, in dem als positiv dargestellt wird, wenn Antifaschisten Selbstmord begehen. Ob dies ernst oder satirisch gemeint ist, ist wohl unterschiedlich interpretierbar.

Bild im Internet zeigt stilisierten Menschen am Galgen

Fakt ist: Ein Piktogramm zeigt einen auf einem Stuhl stehenden Menschen, der seinen Kopf in eine Schlinge legt. Daneben stehen die Worte: „Das ist Klaus. Klaus ist ein guter Antifaschist und hat erkannt, dass er den Volkstod beschleunigen kann, indem er sich das Leben nimmt. Sei ein guter Antifaschist. Sei wie Klaus und bring dich um!“

Der Kindlein-Post wurde von der anonymen Recherchegruppe „DieInsider“ entdeckt, die sich selbst auf Facebook wie folgt beschreibt: „Wir wühlen für euch in AfD-nahen Facebook-Gruppen und auf AfD-Seiten.“ Tief wühlen musste sie bei Kindlein aber nicht: Seine Facebook-Seite ist öffentlich.

Kritik zuerst von Internet-Recherchegruppe

„DieInsider“ verbreitete den von Kindlein am 6. Februar geposteten Galgen-Beitrag am 7. Februar mit dem Kommentar „So tickt die Alternative!“ bundesweit weiter, und zwar in einer Collage mit einem weiteren beanstandeten Facebook-Post eines AfD-Politikers aus der Region Alzey-Worms, der einen über Wolken fallenden Mann zeigte mit dem Text „Fallschirmspringen ohne Schirm gegen Rechts – Jetzt mitmachen und handeln!“ Auch auf X (Twitter) und Instagram sorgten „DieInsider“ für bundesweite Verbreitung der viele Kommentatoren entsetzenden Posts der beiden AfD-Kommunalpolitiker.

So schreibt ein Mann unter dem „DieInsider“-Beitrag auf Facebook: „Da sieht man den ganzen Wahnsinn und Widerspruch dieser Personen. Wähnen sich in einer Diktatur, aber wünschen Menschen die nicht ihrer Linie entsprechen den Tod.“ Und eine Frau befürchtet: „Deren ,Politiker‘ machen es verbal vor und hoffen bestimmt, dass deren Follower dann mal endlich handeln.“

Staatsanwaltschaft in Zweibrücken ist eingeschaltet

Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken erklärte auf Merkur-Nachfrage, den „Sachverhalt auf strafrechtliche Relevanz zu prüfen“. Rosario Kindlein war von ab Februar 2018 Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Zweibrücken wurde im Sommer 2019 nicht mehr in den Vorstand wiedergewählt und wechselte infolge seines einige Zeit zuvor erfolgten Wohnsitzwechsels in den benachbarten AfD-Kreisverband Südwestpfalz.

Dort hatte er bereits im Mai 2019 für den Kreistag Südwestpfalz kandidiert (Listenplatz 4), den Einzug aber verpasst. Bei der Kreistagswahl am 9. Juni 2024 kandidiert Kindlein direkt hinter dem amtierenden Fraktionschef Wendel auf dem diesmal wohl sicheren Listenplatz 2. Mit Wendel betreut Kindlein auch bereits als Administrator die Facebook-Seite der AfD-Kreistagsfraktion.

AfD verweigert Aufnahme der Redaktion in Presseverteiler

Die Redaktion bat Wendel um die Namensliste zur Listenaufstellung sowie um Aufnahme in den Presseverteiler – und gleichzeitig um Stellungnahme, ob er als AfD-Kreisvorsitzender den Kindlein-Post als „bedenklich oder nicht“ bewertet, und ob, falls Ersteres der Fall wäre, Konsequenzen gezogen würden. Zu Kindlein antwortete Wendel lediglich: „Herr Rosario Kindlein hat sich in unserem Kreisverband bisher vorbildlich verhalten und wurde im November 2022 zum Stellv. Kreisvorsitzenden gewählt.“

Die Aufnahme in den Presseverteiler lehnte Wendel ab: „Unser Vorstand bevorzugt bei der Pressearbeit Blätter, die fairen und realistischen Journalismus betreiben. Wer aufgrund von Behauptungen ,linksextremer Gruppierungen’ versucht, ein Mitglied von unserem Kreisverband zu diskreditieren, hat es nicht verdient, in unseren Presseverteiler aufgenommen zu werden.“

So reagiert der Urheber des Internet-Posts

Dagegen antwortet Kindlein selbst ausführlich auf die von dieser Zeitung gestellten Fragen. Handelt es sich hierbei um einen von ihm selbst geschriebenen Text? Oder eine Übernahme, wenn ja von wem? Kindlein mailt: „Nein. Da meine Seite anscheinend unter Beobachtung steht, sollte bekannt sein, dass ich nur Bilder meiner Person, der Partei oder gängige Posts reposte. Meine Seite ist bewusst öffentlich, da ich zu dem stehe, was ich sage.“

Auf die Frage, warum er diesen Beitrag gepostet hat, erläutert Kindlein ausführlich: „Mir ist durchaus bewusst, dass der Post überspitzt und grenzwertig ist. Da ,AfDler töten‘ oder Die Partei mit ,Nazis töten’ tatsächlich zu Gewalt gegen Personen (dies soll auch zweideutig gemeint sein) aufruft, aber keine Resonanz in den Medien fand, ging ich nicht von diesem Interesse an dem Post aus.

AfD-Politiker kritisiert Unterstützung durch Bundespräsident für „gewaltbejahende Texte“

,Volkstod‘, ,No Borders, No Nation‘, ,Deutschland verrecke‘, ‚Deutschland muss sterben damit wir leben können’ usw. sind gängige Parolen aus dem linken Spektrum. Auch die Zweibrücker SPD hat diesbezüglich keine Berührungsängste. Und gerade der Klüngel im Stadtrat sollte doch für den Bürger interessanter sein, als irgendwelche Posts.“ Bundespräsident Steinmeier habe „die Band Feine Sahne Fischfilet sogar noch gelobt, trotz ihrer gewaltbejahenden Texte gegenüber Polizisten“. Kindlein schreibt weiter: „Aus heutiger Sicht, als angehendes Mitglied des Kreistages, würde ich diesen Post nicht mehr tätigen. Aus Respekt vor dem Mandat, das ich dann inne habe. Dies würde sich nicht ziemen.“

Zwei Kommentatoren wiesen Kindlein darauf hin, dass sein Beitrag „grenzwertig“ sei und jemand sich wegen sowas „schon mal 30 Tage Sperre eingefangen“ habe bei Facebook – worauf Kindlein mit „Scheiß drauf“ antwortete. Warum war ihm sein Post dermaßen wichtig? „Es ging um eine überspitzte Darstellung des linken Gedankenguts“, mailt Kindlein auf diese Anfragerage.

Wer hat den Internet-Eintrag gelöscht?

Bereits am Tag nach Kindleins Post, und noch vor dem Anprangern durch „DieInsider“, war der Post von Kindleins Facebook-Seite verschwunden. Hat Kindlein seinen Beitrag selbst gelöscht – oder wurde dieser durch Facebook gelöscht? Kindlein antwortet hier nur ausweichend: „Diese Frage kann Ihnen bestimmt „Die Insider“ beantworten.“

Im neuen Kreistag wird Kindlein wahrscheinlich auch auf antifaschistisch gesinnte Kreistagsmitglieder treffen. Deshalb die Frage der Redaktion: „Warum sind Sie bereit, in einem Gremium mit Menschen zusammenzuarbeiten, zu deren Tod/Suizid Sie in einem Facebook-Kommentar aufgefordert haben? Auch wenn dies (wie ich vermute) augenzwinkernd gemeint gewesen sein mag: Halten Sie eine Belastung des Verhältnisses zu Kreistagskollegen hierdurch für denkbar?“

Wie sich der Politiker seine weitere Arbeit vorstellt

Kindlein antwortet: „Eher nicht. Genauso wie die oben aufgeführten Aussagen aller Altparteien gegen die AfD, also auch gegen meine Person, anscheinend kein Problem für die Gremiumsmitglieder darzustellen scheinen. Ich werde allen mit dem gebührenden Respekt entgegentreten, aber genauso meine Position gegenüber jeden verteidigen und diese auch gerne erläutern.“

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