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AfD und CDU kritisieren Schülerproteste. In Trier geht es am Freitag weiter.

Umwelt : Politiker fordern: Keine Klima-Demos während der Schulzeit

AfD und CDU kritisieren freitägliche Schülerproteste. Das Bildungsministerium verweist auf mögliche Strafen. In Trier ist wieder eine Aktion geplant.

Am Freitag werden wieder Hunderte Schüler zur Klimaschutzdemonstration „Fridays for Future“ in Trier erwartet. Vor einem Monat zogen über 1000 Jugendliche durch die Stadt. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe sprach mit ihnen. „Es kommt nicht auf jede Unterrichtsstunde an. Bei der Organisation und Durchführung einer solchen Veranstaltung lernt man ebenfalls eine Menge“, sagte Leibe damals.

Fakt ist: In vielen Schulen wird ein Auge zugedrückt, wenn Schüler an dem Tag – statt in den Unterricht zu gehen – mit Pappschildern in der Hand durch die Trierer Fußgängerzone ziehen und für den Klimaschutz demonstrieren. Nach TV-Informationen gibt es weiterführende Schulen, die erlauben, dass Kinder ab der zehnten Klasse beurlaubt werden können, um an der Fridays-Demonstration teilzunehmen.

Diese Woche machte der Leiter eines Münchener Gymnasiums Schlagzeilen. Nachdem die Schule bislang toleriert habe, dass Schüler freitags fehlten, werde unentschuldigtes Fehlen künftig geahndet – mit Verweisen und möglicherweise auch Bußgeld. Im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium begrüßt man weiterhin, dass sich Schüler bei Demos engagieren. Allerdings, so ein Ministeriumssprecher, könne für „Fridays for Future“ keine Beurlaubung der Schüler während der Unterrichtszeit gewährt werden. Es sei nicht ersichtlich, dass es sich dabei um eine schulische Veranstaltung handelt. „Die Folge wären Fehlzeiten, ob und wie im Einzelnen darauf reagiert wird, wird an den Schulen entschieden“, so der Sprecher.

In der Realschule plus Kell am See (Trier-Saarburg) umgeht man das Problem. Jeden Freitag während der Schulzeit gibt es Projekte und Aktionen zum Thema Umwelt und Klimaschutz (siehe Extra). Die Schule mache damit einen schuleigenen „Friday for Future“, sagt Schulleiter Sebastian Straßer. „Wir als Schule möchten im Rahmen des regulären Unterrichts ein deutliches und sichtbares Zeichen setzen, um Klima- und Umweltschutz vor Ort in das Bewusstsein unserer Schulgemeinschaft und darüber hinaus zu rufen.“

Bei der AfD im Landtag stoßen die Schülerproteste weiter auf heftigen Widerstand. Grundsätzlich begrüße die AfD es, „wenn sich Bürger, auch solche, die noch nicht wahlberechtigt sind, in den demokratischen Prozess einbringen“. Es sei aber nicht hinnehmbar, dass die Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden, sagt AfD-Fraktionsvize Joachim Paul unserer Zeitung. „Es ist zudem fraglich, ob die Begeisterungsstürme der Altparteien und der Medien ebenso ausfielen, wenn die Schüler aus einem anderen Grund demonstrieren würden, wie zum Beispiel gegen die unkontrollierte Masseneinwanderung“, ergänzt der Abgeordnete. Er frage sich zudem, wie viele Schüler noch als „überzeugte Klimaschützer“ auftreten würden, wenn die Demonstration am Sonntagmorgen stattfände. „Ich bin mir sicher, dass die Zahl dann verschwindend gering wäre.“ Er würde die Schüler gerne fragen, wie ihr persönlicher Beitrag zum Klimaschutz, abgesehen von den Demonstrationen, aussieht. „Wer verzichtet etwa auf ein Smartphone wegen des umweltschädlichen Raubbaus der seltenen Erden – oder wer verzichtet auf Flugreisen?“ Statt zu demonstrieren seien konkrete Aktionen sinnvoller. „Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Schüler gemeinsam Flur- oder Waldstücke von Müll befreien?“, fragt Paul.

Dass sich Schüler durchaus auf diese Weise umweltpolitisch engagieren und etwa Müll an Flussufern sammeln, hat kürzlich CDU-Fraktionschef Christian Baldauf erfahren. Er hat sich mit Vertretern der Landesschülervertretung getroffen und mit ihnen auch über die Fridays-Demos gesprochen. Dabei hat er dem Vernehmen nach das Engagement der Schüler, die fürs Klima demonstrieren, gelobt. Baldauf habe aber auch darauf hingewiesen, dass sie auch außerhalb der Schulzeit demonstrieren könnten. Die Initiatoren der bundesweiten Proteste kündigten an, so lange auf die Straße statt in die Schule zu gehen, bis die Politik mehr für Klimarettung tut.