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Ahr: Der Fluss, der auch dem Weingebiet seinen Namen gab​

Gewässer : Die Ahr: Der Fluss, der auch dem Weingebiet seinen Namen gab

Die Ahr entspringt in der nordrhein-westfälischen Eifel und mündet schließlich in Sinzig in den Rhein. Nach dem Hochwasser von 2021 könnte der Flussverlauf dauerhaft angepasst werden.

Die Ahr ist ein westlicher linker Nebenfluss des Rheins und durchfließt die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Ihr Name stammt vom keltischen Wort „aha“ ab, was so viel wie „Wasser“ bedeutet. Außerdem ist die Ahr namensgebend für das dortige Weinanbaugebiet. Während der Flutkatastrophe im Juli 2021 wurden viele Ortschaften zerstört. Es gibt Überlegungen zu einem angepassten Flussverlauf der Ahr.

Wo entspringt die Ahr?

Die Ahr entspringt in NRW in Blankenheim in der Eifel unter einem Fachwerkhaus. Der Fluss durchfließt unterhalb der Burg Blankenheim den Schwanenweiher. Die Höhe der Quelle der Ahr beträgt circa 474 m ü. NHN. Von der Quelle bis zu ihrer Mündung legt das Wasser eine Strecke von 85,1 Kilometern zurück.

Wo fließt die Ahr entlang?

Von ihrem Quellursprung in Blankenheim verläuft die Ahr in einer leichten Kurve über die Ortschaften Ahrhütte, Ahrdorf, über Dorsel, Müsch, Antweiler und den Aremberg. Dieser Bereich wird auch als oberes Ahrtal bezeichnet. Im mittleren Ahrtal befinden sich die Weinorte Altenahr, Rech, Dernau und Mayschoss. Dieser Teil ist touristisch gut besucht. In Altenahr beginnt die größte Ahrschleife. Aufgrund ihrer Flora und Fauna steht diese unter Naturschutz.

Der letzte Abschnitt der Ahr wird als unteres Ahrteil bezeichnet. Dieses reicht von Ahrweiler, eine Gebietskörperschaft in Rheinland-Pfalz, bis Sinzig. Bei Heimersheim endet der Weinbau. Die Ahr mündet bei Remagen-Kripp, auf dem Gebiet der Stadt Sinzig auf etwa 53 m. ü. NHN in den Rhein. Somit durchfließt die Ahr die Osteifel, das Mittelrheingebiet und NRW durch den Kreis Euskirchen und in Rheinland-Pfalz durch den Landkreis Ahrweiler, bevor sie über den Rhein in die Nordsee abfließt.

Welche Zuflüsse hat die Ahr?

Die Ahr hat über 60 Zuflüsse. Unter anderem den Stegbach von rechts, den Mülheimer Bach von links und den Nonnenbach von rechts. Außerdem fließen beispielsweise Schaafbach, Fuhrbach, Willemsbach, Trierbach, Dreisbach, Liersbach, Sahrbach, Nollbach und Harbach in die Ahr. Sie selbst mündet nach 85,1 Kilometern westlich in den Rhein.

Wie tief und breit ist die Ahr?

Durch die Flutkatastrophe im Sommer 2021 haben sich der Verlauf der Ahr und ihre Breite geändert. Neben der Änderung des Verlaufs der Ahr sind auch neue Nebenarme und Auenlandschaften entstanden, welche entlastend wirken können bei Hochwasser. Circa ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe sind diese Nebenarme wieder zugeschüttet worden, und in großen Teilen wurde das Flussbett der Ahr wieder begradigt. Es gibt Überlegungen, ob die Ahr wieder in ihr altes Flussbett verlegt werden soll, oder nicht. Die Ahr entspringt auf einer Höhe von 474 Metern über dem Meeresspiegel und mündet auf einer Höhe von 53 m.ü. NHN. Damit ergibt sich insgesamt ein Höhenunterschied von 421 Metern. Der Wasserstand am Pegel Altenar beträgt Ende Juli 2022 circa 45 Zentimeter. Im Vergleich: Ein Jahr zuvor betrug hier der Wasserstand während der Flutkatastrophe circa 1000 Zentimeter.

Wo liegt das Weinanbaugebiet Ahr an dem Fluss?

Das Weinanbaugebiet ist eines der nördlichsten Wein-Anbaugebiete in Deutschland. Es liegt zwischen Altenahr und Heimersheim und erstreckt sich somit über eine Länge von circa 20 Kilometern. Damit liegt es im Ahrgebirge, einem Mittelgebirgszug der Eifel, welcher wiederum zum Rheinischen Schiefergebirge gehört.

Der Wein wird vor allem auf den Südhängen angebaut. Bekannt und beliebt ist das Ahr-Anbaugebiet vor allem für den roten Spätburgunder, welcher einen Großteil der Anbaufläche einnimmt. Mit 65,3 Prozent 2019 ist der Spätburgunder die meist angebaute Rebsorte an der Ahr. Das liegt vor allem daran, dass die Weinberge direkt an den Felsen liegen, wodurch ein treibhausähnlicher Effekt entsteht. Steiniger Boden speichert Sonne, das verdunstete Wasser strömt verdunstend als wärmende Luft in die Weinberge hinauf. Im 20. Jahrhundert war der Frühburgunder Namensgeber für die Ahr. Auch heute wird dieser in kleineren Mengen im Ahr-Weinanbaugebiet weiter angebaut. Der Weinanbau spielt auch für den regionalen Tourismus eine große Rolle, denn Weinfeste locken im September und Oktober Touristen in die Orte. Neben dem Weinanbau ist das Ahrtal auch für Mineralwasser bekannt, so zum Beispiel für die Apollinarisquelle.

Wann war das Hochwasser an der Ahr 2021, und was ist damals passiert?

Das Hochwasser an der Ahr war in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021. Autos, Häuser, Brücken: Vieles wurde von den Wasser- und Schlammmassen erfasst und mitgerissen. Innerhalb von 24 Stunden fielen in dieser Nacht mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Der Kreis Ahrweiler war am schwersten betroffen, dennoch wurde hier erst der Katastrophenfall ausgerufen, als dies in anderen Kreisen längst geschehen war. Auch in der politischen Debatte ging es bald um die Frage, ob man einzelnen Verantwortungsträgern den Vorwurf der Körperverletzung und fahrlässigen Tötung machen kann.

Schon vor der Nacht auf den 15. Juli traten starke Regenfälle auf, die nicht aufhörten. Es gab Wetterwarnungen, und einige Ortschaften riefen den Katastrophenfall aus. Das Hochwasser war auf einem Rekordstand. Das Ahrtal wurde durch die Wassermengen abgeschnitten. Laut Polizei war das Ahrtal durch keine Zufahrtsstraße mehr erreichbar. Polizei, Feuerwehr, Bundeswehrsoldaten und weitere Rettungskräfte versuchten die Lage in den Griff zu bekommen und Menschen von Häuserdächern zu retten. Erst am Morgen danach wurde das volle Ausmaß der Katastrophe deutlich. 134 Menschen waren ums Leben gekommen. Viele wurden verletzt. Langsam begannen die Räumungs- und Reparaturarbeiten. Diese dauerten auch ein Jahr nach der Katastrophe noch an. Ein besserer Hochwasserschutz und ein neuer Verlauf der Ahr stehen zur Debatte.

Von etwa 56.000 an der Ahr lebenden Menschen waren laut ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion) circa 42.000 betroffen. Viele haben ihr Hab und Gut verloren, einige haben mit ihrem Leben bezahlt. Mindestens 467 Gebäude wurden von der Flut mitgerissen. In der Folge gibt es verschiedene Vorschläge für den Hochwasserschutz. Mehr Uferwiesen, weniger Bodenversiegelung, Regenrückhaltebecken. Es gilt, zum einen die Natur zu schützen und Hochwasserschutz zu gewährleisten, auf der anderen Seite aber auch genügend Lebensraum und Arbeitsraum für die Anwohner zu schaffen.