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AKK, Merz oder Spahn: Wen sehen CDU-Mitglieder aus der Region vorne?

Nach der Regionalkonferenz : Kramp-Karrenbauer, Merz oder Spahn? - Wen CDU-Mitglieder aus dem Raum Trier unterstützen

Aus dem Dreikampf wird ein Zweikampf: Nach der Regionalkonferenz um den Bundesvorsitz fällt ein Name bei CDU-Mitgliedern aus der Region unter den Tisch. Die große Politik war zu Gast im kleinen Idar-Oberstein.

Von Florian Schlecht

Den Ausflug nach Hamburg hat Alexander Licht längst gebucht. Wenn die CDU im hohen Norden ihren neuen Bundesvorsitzenden wählt, gibt auch der Landtagsabgeordnete aus Bernkastel-Kues seine Stimme ab. Sein Favorit: Friedrich Merz. „Er verkörpert einen erfahrenen, weltgewandten Europäer“, schwärmt Licht nach der Regionalkonferenz der CDU in Idar-Oberstein, bei der sich die drei prominentesten Kandidaten 2000 Mitgliedern aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland vorgestellt haben. Auch aus der Region Trier setzten sich viele Christdemokraten ins Auto, um live zu erleben, wie Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn um die Nachfolge von Angela Merkel als Parteivorsitz werben. Und, wie war ihr Eindruck?

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Bei den Favoriten fallen nur noch zwei Namen: Merz und Kramp-Karrenbauer. Für Quirin Heilmaier aus Ayl ist das keine Überraschung. „Jens Spahn braucht noch einige Jahre, um in die Rolle eines CDU-Parteichefs hineinzuwachsen“, sagt der 20-Jährige, der sich für Merz als neuen Vorsitzenden ausspricht. „Für mich ist Merz nicht die Zukunft, aber ein Übergang, der mit seiner Lebenserfahrung die CDU und Deutschland gestalten kann“, findet Heilmaier. Christoph Thieltges aus Dreis sagt, Merz habe ihn mit Inhalten überzeugt. „Wenn er etwas sagt, habe ich das Gefühl, dass er es auch genau so meint.“

Die Wittlicher Leonard Preisler, Nils Petri und Anna Sophia Schmitz begeistern sich dagegen für Annegret Kramp-Karrenbauer. „Sie ist eine Frau, bringt viel Erfahrung mit und ist emotionaler. Merz und Spahn erschienen mir zu nüchtern“, sagt Schmitz. Preisler lobt die Saarländerin, weil sie in der CDU „wichtige Debatten angestoßen hat, die ich lange vermisst habe.“ Petri sieht mit Kramp-Karrenbauer bessere Chancen, mehr Wähler aus der Mitte zurückzugewinnen, da sie Umweltschutz und Soziales nicht vergesse.

Für die Saarländern ist die Konferenz in Idar-Oberstein – gut 26 Kilometer von der Landesgrenze entfernt – ein kleines Heimspiel. Busse mit CDU-Mitgliedern aus ihrem Bundesland parken vor der Messehalle in Idar-Oberstein, in der Wirte Bier und Bockwurst verkaufen. Im Saal ähnelte die Atmosphäre einem Boxkampf, als die drei CDU-Promis unter Blitzlichtgewitter zur Bühne schreiten. Die Mitglieder stehen auf, klatschen, fotografieren mit den Handys. Die große Politik zu Gast im kleinen Idar-Oberstein – wenn auch nur für einen Tag.

In den Reden spielen die Kandidaten eigene Stärken aus. Kramp-Karrenbauer verweist auf 18 Jahre Erfahrung in Staatsämtern, fordert eine „wehrhafte Demokratie, die weder auf dem rechten noch auf dem linken Auge blind sein darf“ und äußert sich selbstkritisch zum Umgang in der Union. „Wenn die CDU die Debatte zur allgemeinen Dienstpflicht weitergeführt hätte statt mit der CSU zu streiten, würden wir in Umfragen jetzt nicht bei 26 Prozent stehen“, sagt sie. Der politische Gegner, warnt sie, dürfe nie in den eigenen Reihen sitzen.

Den Finger noch tiefer in die Wunde legt der bundespolitisch deutlich unbefangenere Merz. Seine Kampfansage: „Ich traue uns zu, dass wir wieder bis zu 40 Prozent bei nationalen Wahlen erreichen und dass wir rund die Hälfte der AfD-Wähler zurückgewinnen“, ruft er in den Saal. Kramp-Karrenbauer lobt er zwar dafür, die Erneuerung in der CDU als Generalsekretärin angestoßen zu haben, sagt aber im gleichen Atemzug: „Wir müssen verdammt besser werden.“ Merz setzt sich zum Ziel, die CDU in den kommenden zwei Jahren zur „modernsten Partei Deutschlands zu machen“. Der 63-Jährige, der schmunzelnd zugibt, seinen Fahnenjunker-Lehrgang im rheinland-pfälzischen Kusel gemacht zu haben, fordert mehr Unterstützung für die Bundeswehr, „die sich von den Christdemokraten nicht gut behandelt fühlt“. Die SPD kritisiert er, nach links zu rücken und sich von Sozialreformen zu verabschieden

Und Jens Spahn? Der mit 38 Jahren jüngste Kandidat im Bunde, erinnert an den 39-jährigen Helmut Kohl. Er wolle sich – natürlich – nicht mit Kohl nicht vergleichen. Aber irgendwie tut er es dann doch: Kohl sei bereits in jungen Jahren die Aufgabe gelungen, die CDU zu erneuern, kluge Köpfe einzubinden und die Union zu einer Volkspartei zu formen. Spahn wirbt für mehr Diskussionen in der Partei. Der Applaus für ihn fällt in Idar-Oberstein schwächer aus als bei seinen Nebenbuhlern, die das Rennen unter sich ausmachen dürften.

Favorit hin, Favorit her blickt Licht gelassen zum Parteitag nach Hamburg, als die Regionalkonferenz in Idar-Oberstein nach drei Stunden endet und jedes Mitglied einen kleinen Edelstein mit nach Hause nehmen darf. „Die Kandidaten sind respektvoll miteinander umgegangen, ohne sich zu verletzen und haben ihre Unterschiede rausgeschält“, sagt Licht. In einer Frage legt sich der 66-Jährige fest; „Egal, wer am Ende CDU-Chef wird: Ich werde im Dezember glücklich aus Hamburg zurück nach Bernkastel-Kues fahren.“