Aktive Sterbehilfe für Todkranke? Jetzt entscheidet der Bundestag

Aktive Sterbehilfe für Todkranke? Jetzt entscheidet der Bundestag

Im Bundestag geht es heute und morgen ums Sterben. Zum einen stimmen die Abgeordneten über eine bessere, flächendeckende Schmerztherapie für todkranke Patienten ab. Und am Freitag beraten sie über Sterbehilfe.

Dem Bundestag stehen emotionale Debatten bevor. Es geht um ein höchst sensibles Thema, es geht um das Sterben in Würde. Heute stimmen die Abgeordneten über eine bessere Palliativ-Versorgung ab, also das Verhindern oder Verringern von Schmerzen bei unheilbaren tödlichen Krankheiten. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will mit einem neuen Gesetz die Palliativ-Medizin vor allem in ländlichen Regionen stärken.

Während dieser Gesetzentwurf weitgehend unumstritten ist, steht den Parlamentariern am Freitag beim Thema Sterbehilfe eine schwierigere Abstimmung bevor. Im Kern geht es um die Frage, ob es Ärzten oder bestimmten Vereinen erlaubt sein soll, todkranken Menschen auf Verlangen ein Medikament zu verabreichen, um deren Leben zu beenden. Vier Gesetzentwürfe liegen den Abgeordneten vor.

Der Ausgang der Abstimmung ist offen, da die Abgeordneten unabhängig von Parteimeinungen stimmen sollen. Die unterschiedlichen Haltungen zeigen sich bei den regionalen Abgeordneten. "Jeder Mensch darf selbst bestimmen, wann ein unumkehrbares Leiden für ihn unerträglich ist", sagt die Trierer SPD-Politikerin Katarina Barley. Auch die Trierer Linken-Abgeordnete Katrin Werner ist für ein selbstbestimmtes Sterben mit Hilfe eines Arztes. Die CDU-Abgeordneten Bernhard Kaster (Trier) und Peter Bleser (Cochem) lehnen aktive Sterbehilfe ab: "Hilfe beim Sterben, ja - Hilfe zum Sterben, nein", sagt Kaster. Das ist auch die Position der Kirchen.

Das Bistum Trier und der Evangelische Kirchenkreis Trier sind gegen aktive Sterbehilfe. "Tötung auf Verlangen sowie die Legalisierung von kommerzieller Sterbehilfe sind aus christlicher Sicht ethisch nicht vertretbar", sagt Superintendent Jörg Weber von der evangelischen Kirche. Er plädiert für einen Ausbau der Palliativmedizin und der menschenwürdigen Sterbebegleitung.

Diese Ansicht vertreten auch die Ärzte. Moderne Schmerztherapie stelle ein Sterben in Würde sicher, sagte Günther Matheis, Vorsitzender der Bezirksärztekammer. Die Ärzteschaft lehne den "assistierten Suizid" ab.