Alarm wegen Seuche

BITBURG-PRÜM. Alarm bei den Viehzüchtern in der Region: Weil in den Niederlanden die gefährliche Blauzungenkrankheit bei Schafen ausgebrochen ist, wurde ein Sperrgebiet eingerichtet. Betroffen ist davon auch die Eifel. In der gesamten Region ist seit gestern der Handel mit Rindern und Schafen verboten.

Fieber, Geschwüre, innere Blutungen - die Symptome sind vielfältig, das Leiden der betroffenen Tiere ist groß. Zumeist überleben sie die gefährliche Seuche nicht. Die Nachricht vom Ausbruch der gefährlichen Blauzungenkrankheit bei Schafen in zwei Betrieben im niederländischen Kerkrade in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze schockiert auch die Tierzüchter in der Region. Noch immer leiden sie an den Folgen der BSE-Krise. Vor fünf Jahren brach fast der Handel mit Rindern zusammen, es hat Jahre gedauert, bis die Verbraucher wieder Vertrauen gefasst und Rindfleisch gekauft hatten. Betroffen waren vor allem die über 200 Rinderzüchter in der Eifel. Und nun droht eine neue Seuche. Die ist zwar noch nicht in Deutschland ausgebrochen, die Folgen des Ausbruchs in den Niederlanden aber wirken sich bis in die Region aus. Damit die für Schafe, Ziegen oder Rinder oft tödliche Seuche eingedämmt werden kann, wurde ein Exportverbot für Wiederkäuer in den Niederlanden erlassen. 20 Kilometer um die beiden betroffenen Betriebe im niederländisch-deutschen Grenzgebiet herrscht absolute Stallpflicht für alle Rinder, Schafe und Ziegen. Im Radius von 100 Kilometern wurde um Kerkrade ein Sperrgebiet errichtet, Tiertransporte daraus sind verboten. Dieses Sperrgebiet reicht bis weit nach Deutschland hinein. Tierhalter dort müssen ihren Bestand den Veterinärämtern mitteilen, jede Auffälligkeit muss sofort gemeldet werden. Alarmstimmung also bei den Tierhaltern. Betroffen davon sind unter anderem die Kreise Bitburg-Prüm, Daun und einige Gemeinden von Cochem-Zell. Zudem wurde im Umkreis von 150 Kilometern um Kerkrade ein Beobachtungsgebiet eingerichtet. Auch dort müssen alle Tierbestände gemeldet und beobachtet werden, Rinder, Schafe und Ziegen dürfen nicht aus den betroffenen Regionen transportiert werden. Zu dem Gebiet gehören unter anderem Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg, Rhein-Hunsrück und Trier. Damit gilt seit gestern ein Handelsverbot für Wiederkäuer in der Region. Welche Folgen das für die Züchter hat, ist noch nicht abzusehen. Genauso wenig, wie lange die Sicherheitsmaßnahmen gelten. Ungefährlich für Menschen

Die Blauzungenkrankheit ist laut Umweltministerium ungefährlich für den Menschen, das Fleisch oder die Milch der betroffenen Tiere könnten ohne Bedenken verzehrt werden. Übertragen wird die nicht ansteckende Seuche durch die Culicoides-Stechmücke, die bislang eher in Südeuropa aufgetaucht ist. Betroffen sind vor allem Schafe. Doch auch Rinder können den Virus in sich tragen. In Deutschland gab es bislang noch keinen Fall. Zuerst wurde die Krankheit in Südafrika nachgewiesen. Dort tritt sie regelmäßig während der Regenzeit im Sommer auf. In dieser Zeit fliegen die Stechmücken, die den Virus übertragen, am häufigsten. Allerdings können die Mücken bis zu 200 Kilometer weit fliegen und die Krankheit so verbreiten. Durch die Klima-Erwärmung ist die Krankheit aus Afrika über die Mittelmeer-Inseln auch nach Süd- und Mitteleuropa vorgedrungen. Vor sechs Jahren brach sie in Schafbeständen in Sizilien, auf Sardinien, Korsika und auf den Balearen aus. 2001 und 2002 waren Griechenland, Kroatien und Albanien betroffen. Durch Tiertransporte und über den Handel mit Sperma kann sich der Erreger weiter ausbreiten. Der Name der Krankheit stammt vom typischsten Symptom: die Zunge der Tiere färbt sich blau.SETE 26