Alle Räder stehen still

TRIER. Für drei Windparks in der Region Trier wurde beim Amtsgericht Trier ein Insolvenzverfahren beantragt. An allen drei Unternehmen ist der Trierer Unternehmer Jörg Temme beteiligt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Jörg Wunderlich sagte, dass auf den drei Anlagen insgesamt zehn Windräder stehen, die seit längerem nicht mehr in Betrieb sind.

Jörg Temme ist in der Windkraft-Branche eine schillernde Figur. Der Unternehmer aus Trier ist an vielen Windparks und -kraftanlagen in der Region beteiligt. Nach Auskunft der Creditreform Trier hält Temme an insgesamt 18 Unternehmen Beteiligungen und/oder ist als Geschäftsführer verantwortlich. Nun wurden für den Windpark Pützhöhe bei Bitburg, den Windpark Staffelstein und den Windpark Sefferweich-Nord (alle Eifelkreis Bitburg-Prüm) Insolvenzverfahren eröffnet. Nach Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters Jörg Wunderlich stehen zehn Windräder in den Windparkanlagen. Es seien aber keine Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.Betreiber glaubt an Fortführung

Für den Trierer Insolvenzanwalt gehe es nun zuerst darum, die Wartung der Anlagen zu sichern und die Betroffenen zu informieren. Nach einer genauen Prüfung der Sachlage könne er sich dann daran machen, einen neuen Investor für die drei Windparks in der Eifel zu suchen. Allein sieben der von der Insolvenz betroffenen Anlagen stehen auf der Gemarkung Sefferweich. Richard Zeimetz, Ortsbürgermeister von Sefferweich (Eifelkreis Bitburg-Prüm), befürchtet nun, dass nicht nur seine Ortsgemeinde das Nachsehen aufgrund der Insolvenz haben wird. Die Ortsgemeinde hatte vor Gericht einige tausend Euro eingeklagt, die von den Temme-Firmen unter anderem für die Instandsetzung von Wegen hätten gezahlt werden müssen. Dieses Geld könne man nun wohl in den Wind schreiben, sagte Zeimetz. Unzufrieden sind die Sefferweicher schon länger mit den Gebahren der Trierer Windkraft-Firmen. Geld in einem vor Jahren vom Windradbetreiber eingerichteten Fond zum Wohle Sefferweicher Bürger gebe es schon lange nicht mehr, sagte der Ortsbürgermeister dem TV. Zeimetz fürchtet nun auch, dass möglicherweise die Besitzer der Grundstücke auf denen die seit Monaten abgeschalteten Anlagen stehen, auf den Kosten für einen möglichen Abriss der Windkraftanlagen sitzen blieben. "Einige Familien könnten am Rande des Bankrotts stehen", sagte der Ortsbürgermeister. Zeimetz geht von Kosten von mehr als 100 000 Euro pro Anlage aus. Findet sich kein Käufer für die Anlagen und tauchen im Lauf des Insolvenzverfahrens nicht genügend Finanzmittel auf, muss der Grundstücksbesitzer als so genannter Zustandsstörer die Rechnung für einen notwendigen Abriss der Windkraft-Anlagen zahlen, bekräftigt Stephan Schmitz-Wenzel von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Abgeschaltet waren die Anlagen worden, weil Ende Dezember 2005 der Flügel einer Anlage bei Sefferweich abgebrochen war. Daraufhin hatte Windrad-Betreiber Jörg Temme die bei Sefferweich und Bitburg-Pützhöhe errichteten Anlagen gleichen Typs vorsorglich stillgelegt (der TV berichtete). Seitdem streiten sich Temme und die Herstellerfirma Nordex AG aus Norddeutschland über die Kosten und die Schuld an der spektakulären Havarie. Jörg Temme sagte dem TV auf Anfrage, "die Gesellschafter haben von sich aus den Antrag auf Insolvenz gestellt". Er halte es zudem für möglich, dass ein Restart der Windkraftanlagen und eine Fortführung in absehbarer Zeit erfolgen könnte. Nach einer Prüfungsphase und Wartungs- und Reparaturarbeiten könnten nach seiner Ansicht "in den nächsten zwölf Monaten" die Anlagen wieder ans Netz gehen.