Aller Anfang ist schwer

Der Schwerpunkt der regionalen Inklusions-Ansätze liegt in der Stadt Trier. Beim Club aktiv ist ein hauptamtlich besetztes Projekt angesiedelt, das im März die ersten "Trierer Inklusionsgespräche" initiiert hat.

Über Inklusion reden ist das eine. Sie in der Praxis umzusetzen etwas ganz anderes. "Viele, die den Begriff gebrauchen, wissen nicht einmal richtig, was gemeint ist": So lautete ein skeptisches Fazit bei den ersten Trierer Inklusionsgesprächen.
Das beginnt bei der riesigen Barrieren-Liste, die kürzlich beim europäischen Gleichstellungs-Tag in der Trierer City verteilt wurde. Das Stadttheater ist (noch) No-go-Area für Behinderte, die öffentlichen Toiletten am Hauptmarkt sind ebenso eine Katastrophe wie die Fahrkartenautomaten der Bahn.
Auch beim Wohnen jede Menge Defizite: "Ich suche seit drei Jahren vergeblich eine barrierefreie, bezahlbare Wohnung", sagt der Trierer Andreas Conrad. An Bahnfahren ohne fremde Hilfe ist ebenfalls nicht zu denken. Noch ein Problemfeld: die Schulen. Es gibt zwar einige Schwerpunktschulen, in denen behinderte und nicht behinderte Schüler gemeinsam unterrichtet werden sollen. Aber sie sind nicht immer barrierefrei. Die Matthias-Schule in Trier beispielsweise ist für Rollstuhlfahrer fast unerreichbar.

Es gibt auch ermutigende Beispiele, wie der Landes-Behindertenbeauftragte Ottmar Miles-Paul im Mai bei einer mehrtägigen Tour durch die Lande feststellen konnte: Das Trierer Studierendenwerk etwa mit einem vorbildlichen Arbeitsplatzangebot für behinderte Menschen. Oder das Integrationshotel "Vinum", das vom Diakonischen Werk am Hauptbahnhof betrieben wird und sechs behinderten Mitarbeitern einen Job verschafft. Auch in Kultur und Freizeit tut sich einiges: Das erfolgreiche Theater "com.guck" und die Danceability-Gruppe "BewegGrund" in der Tufa haben längst großes Renommé erworben - in beiden Ensembles gibt es keine Trennung zwischen Behinderten und "Nicht-Behinderten". Neue Wege gehen auch die Tagesfreizeiten für Kinder mit und ohne Behinderung im Naturfreundehaus Quint.
Als Anlauf- und Info-Stelle firmiert das Club-Aktiv-Projekt "Gemeinsam von Anfang an". Infos: www.clubaktiv.de. Dort gibt es auch eine umfangreiche Literatur- und Filmsammlung zum Thema sowie eine mobile Rampe für Veranstaltungen. Ansprechpartnerin: Ulrike Reichmann ( reichmann@clubaktiv.de ). DiL