Allergiker-Alptraum Ambrosia: Gefährliche Pflanze breitet sich aus

Allergiker-Alptraum Ambrosia: Gefährliche Pflanze breitet sich aus

Etwa 20 Prozent der Deutschen leiden unter Heuschnupfen. Nun macht sich in Rheinland-Pfalz eine Pflanze breit, die das Leiden nicht nur erheblich verlängern, sondern auch Neuerkrankungen verursachen dürfte: die Beifuß-Ambrosie.

Sie ist unbestritten eine gefährliche Pflanze, und sie breitet sich aus. Zwar enthält die aus Nordamerika eingeschleppte Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia, auch Traubenkraut genannt) kein Gift. Doch zählen ihre Pollen zu den stärksten bekannten Allergieauslösern: Bereits minimale Konzentrationen können Heuschnupfen und sogar Asthma auslösen. Schätzungen zufolge sind zwölf bis 20 Prozent der Bevölkerung gefährdet. Dem deutschen Allergie- und Asthmabund zufolge reagieren schon jetzt vier bis zehn Prozent der Deutschen allergisch auf Ambrosia. Und die Pflanze ist auf dem Vormarsch. Rheinland-Pfalz zählt zu den fünf Bundesländern, in denen sie bereits weit verbreitet ist: im Rheintal entlang von Bundesstraßen, in der Region Trier vereinzelt. Da sie bis in den Oktober hinein blüht, verlängert sie die Pollensaison.

Es sei wahrscheinlich, dass viele Leute krank würden, sagt der Diplom-Biologe Stefan Nawrath. Der Wissenschaftler hat untersucht, wie die Bundesländer mit dem Ambrosia-Problem umgehen, und meint, dass dass Brandenburg, Bayern oder Baden-Würtemberg recht viel tun, während Rheinland-Pfalz und Hessen das Thema weitgehend ignoriert. Es gebe in Rheinland-Pfalz keinen Ansprechpartner, keine Meldestelle, kein Monitoring, kein landesweites Bekämpfungsprogramm und keine Meldepflicht. So könne sich die Pflanze unbemerkt ausbreiten.

Das sei fatal. Viele Menschen würden erst krank, wenn sie den allergieauslösenden Stoffen über längere Zeit ausgesetzt seien. "Wenn es dann so weit ist, gibt es so viele Pflanzen, dass man das Problem nicht mehr in den Griff bekommt", sagt Nawrath.

Die Landesregierung teilt auf Anfrage des Volkfreunds mit, dass sie ein EU-Forschungsprojekt abwarten will, dessen Ergebnisse für Mai 2014 erwartet werden. Zuständig für die Bekämpfung der Pflanze seien die Kommunen. "Das ist unbefriedigend, weil uns dafür finanziell und personell die Mittel fehlen", sagt Thomas Müller, Sprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg. Landrat Günther Schartz (CDU) will das Thema nun im Landkreistag diskutieren.

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