Als elf Ahrdorfer Frauen ihre Männer verloren

Wenn man vom 11. September 2001 spricht, denkt man unwillkürlich an den Terror in New York, als Tausende Menschen starben. Die Eifelorte Ahrdorf und Alendorf haben auch ihren 11. September: An diesem Tag vor 70 Jahren starben 15 Ahrdorfer Männer, der älteste 65 Jahre, der jüngste gerade 14 Jahre alt und aus Alendorf Werner Keul, 63 Jahre und Friedrich Wilhelm Reifferscheid, 56 Jahre alt.

E gidius Bales berichtet, was sich vor 70 Jahren zutrug: Auf Anordnung des Ortsgruppenleiters und Dorfschullehrers Matthias Hoffmann gingen am Montag, 11. September 1944, 22 Alendorfer Männer zu Fuß zum Bahnhof Jünkerath und bestiegen gegen 8 Uhr den Zug aus Ahrdorf kommend nach Losheim. "Wir waren die letzten Reserven, die damals im Westen den Vormarsch der Alliierten stoppen sollten, deshalb wurden in den Eifeldörfern Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr und ältere Menschen - die mittleren Jahrgänge kämpften an den Fronten - zum Schanzen verpflichtet Die Waldorfer und Ripsdorfer blieben von den Schanzarbeiten verschont", berichtete Bales.
17 Ahrdorfer stiegen mit ihrem Ortsbürgermeister Jakob Zimmer in den Zug. Sie hatten Kreuzhacken und Schaufeln sowie Tagesproviant dabei. Die 26 Uedelhovener Männer stiegen wegen eines Disputs nicht ein, weil Bürgermeister Daniels fehlte.
Der Zug setzte sich ohne die Uedelhovener in Bewegung, am Jünkerather Bahnhof stieg die Alendorfer Gruppe ein und rollte mit allen Insassen dem Unglück entgegen. Auf dem Bahnhof Hallschlag signalisierte eine gelbe Fahne "Fliegeralarm".
"Wir jungen Kerle wollten dort schon aussteigen", erinnert sich Bales, aber die Älteren sagten: "Wir fahren weiter!" Zumal der Zug am Ende durch einen Waggon mit Flak-Geschütz gesichert war.
"Gegen 9 Uhr erschreckte uns der Ruf "Fliegeralarm", so Bales. Trotz des Nebels hatte der Jagdbomberpilot den Zug im Geländeeinschnitt hinter einer Straßenbrücke zwischen Losheim und Losheimergraben entdeckt. "In Sekundenschnelle Treffer einer Splitterbombe und Bordwaffen in die Mitte des Zuges, wo die Ahrdorfer saßen, die Fenster ließen sich nicht öffnen, ein Entkommen war unmöglich, und wir haben uns fallen gelassen", erzählt der Überlebende und erinnert sich an die schrecklichen Sekunden. Im Splitterschutz von Lok und Zug verlassen sechs Alendorfer, darunter Rudi Schmitt, das Abteil.
"Aus Angst rannten wir um unser Leben in Richtung Scheid und Steinebrück, sahen uns nicht mehr um, bis wir in Alendorf waren", so Rudi Schmitt. In Stadtkyll kam ein LKW, auf der Ladefläche befand sich die Schaffnerin aus Baasem und Johann Rausch, der keine Nase mehr hatte.
"Vorsichtig besorgten Peter Knauf aus Alendorf und ich Getreidegarben von einem nahen Feld und legten Tote und Verletzte darauf. Wir besorgten in Losheim Kaffee, eine verängstigte Frau ließ uns nicht ins Haus und reichte das Getränk durchs Fenster. Wir Alendorfer haben unsere Leute auf der Bahre herausgeschleppt, weder Soldaten noch Bahnpersonal kamen zur Unfallstelle", erzählt Bales.
Peter Hansen hat abends den Toten Werner Keul in Losheim abgeholt, der in Alendorf beerdigt wurde. 13 Ahrdorfer waren sofort tot, zwei starben auf dem Weg ins Krankenhaus nach Stadtkyll, und zwei überlebten den Angriff. Über 40 Personen kamen ums Leben. An diesem Tag wurden 11 Ahrdorfer Frauen Witwen, so dass nach dem Krieg oft vom "Dorf der Witwen" gesprochen wurde. ... jtz