Alt in 20 Jahren

LUXEMBURG. (siw) Dass es nicht ausreicht, den so genannten demografischen Wandel zugunsten alter Menschen nur in Zahlen zu untersuchen, zeigte eine Fachtagung in Luxemburg.

"Dramatisch" ist ein strapaziertes Wort in diesen Tagen. "Dramatische Zunahme" des Anteils alter Menschen an der Gesamtbevölkerung oder "dramatische Alterung". Aber auch: "Es hilft nichts, wenn dramatisiert wird." Das sagte Hans-Joachim Trapp, Leiter der Abteilung Soziales im saarländischen Gesundheitsministerium und Referent zum Thema "Der demografische Wandel in der Großregion" in der Neumünster-Abtei Luxemburg. Es sind nicht unbedingt Neuigkeiten, die die Referenten verkünden. Neu ist allerdings, wie Claude Gengler, Geschäftsführer der veranstaltenden Stiftung Forum Europa, betonte, dass sich Demografen, Sozialwissenschaftler, Raumplaner und Regionalentwickler, aber auch Regierungs- und Verwaltungsbeamte aus Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland austauschen. Dass sie ihren Blick auf den demografischen Wandel werfen und gleichzeitig doch immer die Großregion im Mittelpunkt des Interesses steht. Aktuelle statistische Daten und die Ergebnisse verschiedenster Untersuchungen werden präsentiert und diskutiert. Trapp beispielsweise stellt dem Plenum das Konzept der saarländischen Landesaltenpflege vor. Nachdenken über die Zukunft, könnte man es überschreiben - geht es doch nicht nur um die Quantifizierung des Wandels. Denn die Alten der Zukunft sind andere als die der Gegenwart. "Die Lebensformen haben sich verändert. Wer in 20 Jahren alt ist, wird selbstbewusster und skeptischer gegenüber Fremdbestimmung sein. Er ist in Frieden und Demokratie sozialisiert worden, hat eine deutlich bessere Ausbildung und ist welterfahrener." Zudem gleiche sich die Lebenserwartung von Frau und Mann an, so dass künftig verstärkt der jeweilige Lebenspartner die Pflege übernehme. Auch Recteur Gérard-François Dumont, Professor an der Sorbonne Paris, warnt davor, sich im Nachdenken über die Zukunft nur von Zahlen leiten zu lassen. "Die Alterung der Gesellschaft hängt von vielen Faktoren ab. Es kann sein, dass die kleine Veränderung eines Faktors sich exponenziell auswirkt", sagt er und fordert auf, genauer hinzusehen. In Frankreich gebe es unterschiedliche Szenarien, je nach Region: von Veralterung, wenn immer mehr alte Menschen einen immer größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung haben, etwa, weil es weniger Junge gibt, bis zum Gegenteil. "Keine pauschale Verurteilung" appelliert Robert Kieffer, Vorsitzender der Krankenkassenunion Luxemburg. Der Mathematiker hat herausgefunden, dass es nicht die Alten sind, die die Kassen belasten, schon gar nicht "dramatisch". Vielmehr gingen die Pro-Kopf-Ausgaben mit zunehmendem Alter sogar zurück. 2005 soll es eine differenzierte Analyse geben.