Alter, Augenfarbe, Haare, Herkunft: Was DNA-Spuren über Täter verraten

Alter, Augenfarbe, Haare, Herkunft: Was DNA-Spuren über Täter verraten

Nicht erst seit dem Anschlag von Berlin wird über eine Ausweitung der Fahndungsmethoden und schärfere Gesetze diskutiert. Zum Beispiel darüber, ob die DNA-Analyse künftig auch dafür genutzt wird, um Aussagen über Alter, Augenfarbe oder Herkunft eines Menschen zu machen. Möglich ist das bereits. Die Meinungen gehen aber auseinander.

Mitte des Jahres wurde ein 59-jähriger Eifeler wegen Vergewaltigung zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt - neun Jahre nach dem Verbrechen. Nur weil ihm nach einer anderen Tat Jahre später eine DNA-Probe entnommen wurde, konnte der Mann überführt werden. Um dem Vergewaltiger auf die Schliche zu kommen, gaben nach der Tat 700 Männer zwischen 25 und 65 Jahren eine Speichelprobe ab.

Heute könnte dieser Personenkreis deutlich kleiner ausfallen. Denn inzwischen ist es möglich, bei DNA-Spuren mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch Aussagen über Haarfarbe, Augenfarbe, Alter oder "kontinentaler Herkunft" zu machen. Die Justizministerkonferenz will im kommenden Frühjahr über eine mögliche Ausweitung des genetischen Fingerabdrucks diskutieren. Bis dahin wolle sich auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) nicht festlegen, sagt sein Sprecher.

Zunächst müssten die Beratungen in den Fachgremien abgewartet werden. Ähnlich zurückhaltend ist die Landes-CDU. Die DNA-Analyse dürfe nicht zu einem Routine-Instrument werden, sagt Innenexperte Matthias Lammert. Für den erweiterten Einsatz müssten genaue Kriterien festgelegt werden.

Nach Meinung der Polizeigewerkschaft DPolG sollen die neuen Analysemöglichkeiten künftig schon bei einem versuchten Einbruch eingesetzt werden. Wer nicht alle rechtlichen Möglichkeiten nutze, schütze die Täter und provoziere die Gefahr neuer Opfer, sagt Landesvorsitzender Benno Langenberger. Ähnlich argumentiert auch der AfD-Landesvorsitzende Uwe Junge. "Wir sind für den Einsatz moderner wissenschaftlicher Methoden, die sich in der internationalen Rechtsmedizin seit Jahren bewährt haben."

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist ebenfalls für eine Ausweitung der DNA-Analyse - allerdings mit Einschränkungen, wie Landesvize Bernd Becker sagt. Sein Vorschlag: ein abgestuftes Verfahren, wonach die erweiterte Analyse erst dann eingesetzt werden soll, wenn der "normale" DNA-Abgleich keinen Treffer ergibt. Im Fall des Eifeler Vergewaltigers wäre die erweiterte DNA-Analyse damit zum Einsatz gekommen, hätte es sie vor neun Jahren bereits gegeben.

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