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Am Bahnhof geht die Post ab

Am Bahnhof geht die Post ab

MAINZ. Neues Leben für alte Bahnhöfe: Eine Kooperation zwischen Land und dem Privatunternehmen "First Rail Estate" soll helfen, ungenutzte Stationen wieder aufzuwerten und zu vermarkten. Viele Kommunen hoffen dabei auf einen Entwicklungsschub.

Poststelle am alten FahrkartenVerkaufsschalter oder ein Fahrrad-Hotel im Bahnhof Konz? Noch sind es nur erste vage Ideen, brachliegende Bahnhöfe wieder zu beleben, die bei der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages zwischen dem Land und dem hessischen Bahnhofsbetreiber und Investor First Rail Estate GmbH (FRE) angesprochen wurden. Um bei diesem schwierigen Geschäft als Dienstleister die Interessen der Kommunen wahrzunehmen, wurde das Kompetenzzentrum Bahnimmobilien (KomBI) bei der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz - einem Gemeinschaftsunternehmen des Innenministerium und der Technischen Universität Kaiserslautern, eingerichtet. Es müssten praktikable Lösungen bei der Vermarktung der Bahnhöfe gefunden werden, so Innen-Staatssekretär Karl Peter Bruch. Vielfach kommen die Kommunen bisher in ihrem Bemühen um Aufwertung und Nutzen von zentral gelegenen DB-Gebäuden und -Arealen nicht weiter, weil sie an unterschiedlichen Kompetenzen der Bahn scheitern oder aber die erforderlichen hohen Investitionen nicht schultern können. Laut Vertrag mit der Bahn will das Unternehmen "First Rail Estate" nach Angaben von Geschäftsführer Harald Polster mehr als 1000 Bahnhöfe in der ganzen Republik übernehmen. Wollen die Kommunen Bahnhöfe gleich selbst kaufen, haben sie ein Vorkaufsrecht bei der DB, so Polster. Er kann sich auch vorstellen, über eine Beteiligung mit im Geschäft zu sein. Übernimmt dagegen die FRE selbst, will sie eng mit den Kommunen zusammenarbeiten. Zur Werterhaltung der Bahnhöfe sind städtebauliche Planung und Verkehrsinfrastruktur notwendig. "Wir brauchen Ideen und Nutzungskonzepte für heruntergewirtschaftete Areale", sagt Polster, der sich Gewinn für seine Investitionen verspricht. Geschäfte, Reiseagentur, Wohnungen, DB-Diensträume und viele andere Nutzungen sind für ihn vorstellbar. Lässt sich ein Standort dennoch nicht entwickeln, soll er weiterverkauft werden. Für viele Kommunen könnte sich mit dieser Kooperation eine neue Chance eröffnen, in der Entwicklung voranzukommen, ist Landaus Oberbürgermeister Christof Wolff, Vorsitzender des Städtetags, überzeugt. Seit Jahren scheitert sein Bemühen um sechs Hektar Bahnareal am Zuständigkeits-Wirrwarr bei der Bahn und an Altlasten. 64 Bahnhöfe will die DB in einer ersten Stufe in Rheinland-Pfalz abgeben. Davon sind 19 bereits in Eigentum der FRE, unter anderem Hetzerath, Konz-Karthaus, Schweich und Ürzig. Die Bewirtschaftung übernommen hat die FRE für 45 Bahnhöfe, darunter Konz, Salmrohr, Speicher und Wellen.