Am Ring droht gigantisches Millionenloch

Am Ring droht gigantisches Millionenloch

Ein neues, noch vertrauliches Gutachten belegt: Am Nürburgring drohen bis 2020 gigantische Verluste. Was immer vermutet wurde, belegen neue Zahlen, die der Koblenzer Rhein-Zeitung vorliegen.

Mainz/Nürburg. Droht am Nürburgring entgegen allen Regierungserklärungen doch ein Millionengrab? Nach einer Analyse der angesehenen Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, die der in Koblenz erscheinenden Rhein-Zeitung vorliegt, ist dies zu befürchten. Die Prüfer haben für die Gesellschaften im "Nürburgring 2009" ein Minus von 151 Millionen Euro im Zeitraum von 2010 bis 2020 errechnet. Schlimmstenfalls können es sogar 250 Millionen Euro sein, so das Fazit einer Zahlen-Inventur am Ring. Aber auch diese Rechnung hat noch einen Haken. Bei dieser düsteren Prognose ist nämlich eine Spielbankenabgabe von 35,2 Millionen Euro als fester Einnahmeposten eingerechnet. Diese Abgabe legt das Land für jeden Roulette-Standort fest - unabhängig vom Umsatz.

Die Kugel muss am Ring also dauerhaft rollen, sonst wird es noch schlimmer.

Ein riesiges Finanzrisiko ist und bleibt die Formel 1: Liegen die von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone diktierten Preise weiter so hoch wie bisher, fährt der Ring zwischen 2011 und 2019 Verluste von 72,3 Millionen Euro ein - wenn nicht sogar 74,8 Millionen, so Ernst & Young. Dafür ließen sich etwa zwei Mittelrhein-Brücken bauen. Mit diesem Schreckensszenario muss sich der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD), inzwischen für den Ring zuständig, befassen. Er will mit einem Rettungskonzept das Steuer doch noch herumreißen und den drohenden Verlust von 150 Millionen Euro verhindern.

Minister Hering will Rennsport-Preise drücken



Die landeseigene Investitions- und Strukturbank (ISB) finanziert die Investitionen in das Projekt "Nürburgring 2009" in Höhe von 350 Millionen Euro zu einem Kreditzins von unter vier Prozent.

"Das bringt eine Entlastung von jährlich acht Millionen, bis 2020 also 80 Millionen Euro." Außerdem sollen die Verluste durch die Formel 1 als Hilfe für die strukturschwache Eifel vom Landeshaushalt übernommen werden. Damit hätte Hering die befürchteten 150 Millionen Euro Verlust ausgeglichen.

Als zusätzliche Polster rechnet der Minister ein, dass die millionenschwere Misswirtschaft von Ring-Manager Walter Kafitz beendet ist. Herings Ziel: Die am Ring engagierte Lindner-Hotelgruppe pachtet und betreibt mit dem Investor Kai Richter den Nürburgring.

Fraglich ist allerdings, ob man am Ring so viel Geld erwirtschaften kann, dass von der Pacht die fälligen Zinsen und Abschreibungen des gigantischen Projekts bezahlt werden können. Experten rechnen vor, dass die Pacht bei wenigstens 20 Millionen Euro liegen müsste - vermutlich aber höher.

Damit der Verlustbringer Formel 1 den Landeshaushalt nicht bis 2020 mit 70 Millionen Euro belastet, will Hering die Preise für das Motorspektakel drücken und das bisherige Preisdiktat von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nicht mehr akzeptieren. Hering ist optimistisch, denn auch am Hockenheimring sollen die Preise halbiert worden sein. Das munkelt man jedenfalls in der Motorsportszene.

Ob Herings Pläne funktionieren, ist allerdings noch nicht absehbar. Für das Rettungskonzept liegt bislang nur eine Absichtserklärung vor. Und der 350-Millionen-Euro-Kredit der ISB wird europarechtlich noch geprüft.

Entscheidend ist in jedem Fall, wie viele Gäste der Ring anlocken wird. Erste Prognosen, die von 500 000 zusätzlichen Besuchern ausgingen, wurden längst nach unten korrigiert. Es besteht der Verdacht, dass diese Zahlen geschönt waren.