Am seidenen Faden

Seit der Kündigung des Pachtvertrages Mitte Februar ringt das Land mit den privaten Betreibern des Nürburgrings um die Bedingungen für deren Abzug. "Jetzt fliegt Ankündigungsminister Roger Lewentz der Laden um die Ohren", schimpft die CDU.

Mainz. Man kann die Verzweiflung förmlich spüren, wenn man in diesen Tagen mit Vertretern des rot-grünen Regierungslagers über den Nürburgring spricht.
Das Schicksal der Eifel-Rennstrecke hängt am seidenen Faden. Solange keine Einigung mit den Betreibern Jörg Lindner und Kai Richter erzielt worden ist und das Land keine Verfügungsgewalt über die Anlagen hat, kann kein einziger Vertrag geschlossen werden. Mit anderen Worten: Es bewegt sich nichts. Die Zeit drängt mehr und mehr, denn die Veranstalter sitzen der Landesregierung im Nacken.
Sie haben ihrerseits weder für das Musikfestival Rock am Ring noch für die Formel 1 - der Vertrag ist ausgelaufen - noch für den Truck-Grand-Prix, das 24-Stunden-Rennen, die DTM oder das ADAC GT Masters Planungs- und Rechtssicherheit. Eben das verlangt ADAC-Präsident Peter Meyer nun in einem Schreiben an Ministerpräsident Kurt Beck. Darin wird Beck unter anderem aufgefordert, "das Chaos zu beenden". Andernfalls will der Automobilclub die Veranstaltungen am Ring absagen. Es sei sicherlich nicht in Becks Interesse, "den Ring zu einer Kirmesmeile verkommen zu lassen".
Große Sorgen um ihre Zukunft machen sich auch die Beschäftigten, lässt Betriebsratschef Heinz Hoffmann wissen. "Aber die Hoffnung stirbt zuletzt." Der zuständige Innenminister Roger Lewentz (SPD) versucht derweil zu beschwichtigen. Die umfangreiche Abstimmung mit der EU-Kommission über das weitere Verfahren erfordere nicht zuletzt auch in ihren Auswirkungen auf die Verhandlungen mit den Pächtern "einen erheblichen zeitlichen Aufwand", lässt Lewentz seinen Sprecher ausrichten. Man befinde sich in der Endphase.
Der Grüne Nils Wiechmann sagt: "Wir wollen schnellstmöglich Klarheit - es geht aber nichts ohne EU-Kommission." Klare Absichtsbekundungen, alle Veranstaltungen am Ring halten zu wollen, seien bereits erfolgt. "Juristisch ist aber nichts möglich."
Wiechmann gibt zu bedenken, es gehe "um eine ganze Menge Geld", und die Betreiber seien harte Verhandler. "Wir können und werden keinen Kuhhandel akzeptieren." CDU-Fraktionsvize Alexander Licht spricht von "einem einzigen Trauerspiel, das ist dilettantisch hoch drei". Das Land habe von Anfang an gewusst, auf was es sich mit der Kündigung des Pachtvertrages einlasse. Über die Folgen könne nun niemand überrascht sein. Licht fordert, eine Garantieerklärung für die Veranstaltungen abzugeben, so dass Sicherheit für die Terminierung bestehe. fcg

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