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Amerikanische Bomber attackieren vor 70 Jahren Brücke in Saarburg - Glocken läuten zum Gedenken

Amerikanische Bomber attackieren vor 70 Jahren Brücke in Saarburg - Glocken läuten zum Gedenken

Die Altstadtbrücke war am 23. Dezember vor 70 Jahren Ziel des 416. Jagdbombergeschwaders der US-Armee. Bei diesem schwersten Angriff auf Saarburg im Zweiten Weltkrieg starben 19 Menschen, die meisten im Stadtteil Beurig.

In Melun, einem Ort mit rund 40.000 Einwohnern, der 40 Kilometer südlich von Paris liegt, hebt um kurz nach 10 Uhr das 416. Jagdbombergeschwader der US Air Force ab. Ihr 300 Kilometer nordwestlich gelegenes Ziel erreichen die neun Kampfflieger und 39 Bomber laut Einsatzbericht um 11.32 Uhr. Mit an Bord ist auch der Armeefotograf Francis Chanat, der das zehnminütige Bombardement der Stadt aus einem der Flugzeuge zu Auswertungszwecken dokumentiert.

Der Auftrag für das Geschwader lautet, die Brücke in Saarburg (Kreis Trier-Saarburg) zu zerstören. Es war für die deutsche Armee zwischen Trier und Merzig die letzte Möglichkeit, Panzer, Munition und Truppen von der rechten auf die linke Saarseite zu transportieren. Mit der Zerstörung des Bauwerks sollte auch verhindert werden, dass deutsche Einheiten sich von Süden her mit anderen Truppen für die Ardennenoffensive zusammenschließen.

Die Bilanz dieses Einsatzes fällt auf Seiten der US Air Force nüchtern aus: "Das Wetter und die Sicht auf das Ziel waren gut. Zwei Bombenabwürfe waren herausragend, drei sehr gut. Major Price und Leutnant Hand warfen bei ihrem ersten Anflug keine Bomben ab. Captain Prentiss und Leutnant Burseil setzten ihr Bombenpaket rechts vom Ziel ab, ein herausragender Treffer. Die übrigen Flieger versenkten die Brücke komplett. Keine Gegenwehr des Feindes, keine Fliegerangriffe auf die Gruppe." Die Flieger kehren um 13.13 Uhr nach Melun zurück.Störungen durch Flugabwehr



Max Kind aus Beurig erzählt, dass frühere Versuche der Amerikaner, den Bau zu zerstören, scheiterten, auch weil die deutsche Flugabwehr die Angriffe massiv gestört hätten. So sei beispielsweise bei der Attacke vom 6. Dezember 1944 nur das Häuschen getroffen worden, wo die Berechtigungsscheine für die Benutzung der Brücke verkauft wurden. "Die Bomber flogen am Vorweihnachtstag 1944 zu hoch, als dass die Flak etwas gegen sie hätte ausrichten können", sagt Kind, der den Angriff als 14-Jähriger miterlebt hat.

Außer der Brücke hätten die Bomber auch weite Teile der Unterstadt sowie der Pfarrkirche Sankt Laurentius zerstört. "In einem Luftschutzkeller in Beurig starben nach einem Volltreffer 13 Menschen", berichtet er weiter. Andere Quellen sprechen von zwölf Toten.

Insgesamt wurden bei diesem Angriff auf Saarburg, der sich am Dienstag, 23. Dezember, zum 70. Mal jährt, 19 Menschen getötet. Anfang Dezember war die Stadt evakuiert worden, weil sie am Westwall und damit in der roten Zone lag. Die Feuerwehr traf mit Verspätung in Saarburg ein. Sie war nach Trier gerufen worden, wo die Amerikaner die Stadt heftig bombardierten. Bei vier Angriffen im Dezember 1944 starben 420 Menschen.

Saarburg gedenkt an diesem Dienstag, des Bombenangriffs und der Opfer. Zum Zeitpunkt des Angriffs werden um 11.32 Uhr Sirenen heulen. Anschließend läuten die Glocken. Für abends, 19 Uhr, ist in der Pfarrkirche Sankt Laurentius eine Andacht geplant.



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