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An den Schulen im Land fällt wieder mehr Unterricht aus

An den Schulen im Land fällt wieder mehr Unterricht aus

Trotz sinkender Schülerzahlen fällt an den rheinland-pfälzischen Schulen etwas mehr Unterricht aus als im Vorjahr. Am besten ist die Lage an den Grundschulen, am schlechtesten an den Realschulen plus und an den Förderschulen. Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) zeigt sich zufrieden.

Mainz. Knapp 425 000 Schüler besuchen im laufenden Schuljahr die allgemeinbildenden Schulen, rund 8000 Kinder und Jugendliche weniger als im Vorjahr. Das weist die neue Schulstatistik aus, die Bildungsministerin Doris Ahnen gestern in Mainz vorgestellt hat. Der Schülerrückgang geht kontinuierlich weiter, verläuft allerdings weniger stark als prognostiziert. Erfreulich ist laut Ahnen, dass die Zahl der ABC-Schützen um 1,5 Prozent auf 33 000 gestiegen ist.
Im Schnitt fallen 2,1 Prozent der Schulstunden aus (Vorjahr: 1,9). Dabei handelt es sich nur um den "strukturellen", von vornher-ein geplanten Ausfall. Tatsächlich sind es erheblich mehr Stunden, die durch kurzfristig erkrankte Lehrer wegfallen.
An den Grundschulen wird die beste Versorgungsquote erreicht, hier sind es 98,8 Prozent. Dahinter folgen die Integrierten Gesamtschulen (98,1) und die Gymnasien (97,9). Am Ende der Liste: Realschulen plus (97,4) und Förderschulen (97,3 Prozent). Insbesondere bei den Realschulen will das Ministerium gegensteuern.
Ministerin Ahnen verweist darauf, dass Rheinland-Pfalz - anders als andere Bundesländer - nicht nur den Pflichtunterricht nach der Stundentafel berücksichtigt, sondern auch zusätzliche Förder- und Differenzierungsangebote. Ahnen betont, es seien wieder "eine Reihe pädagogischer Verbesserungen" erzielt worden. Dazu zähle etwa die Absenkung der maximalen Klassengrößen in weiteren Jahrgangsstufen. "Wir wollen einerseits eine gute Unterrichtsversorgung und andererseits zukunftsweisende pädagogische Weiterentwicklungen umsetzen", sagt Ahnen.
Das Ministerium hat in diesem Schuljahr rund 1000 Lehrkräfte neu eingestellt und ferner erneut den Pool von Vertretungslehrern aufgestockt, der jetzt 300 Vollzeitstellen umfasst und bis 2016 auf 1000 Stellen wachsen soll. Dabei handelt es sich um zeitlich unbefristete Beamtenstellen.
"Die Landesregierung wird auch weiterhin alles dafür tun, die Schulen gut auszustatten und ihre Leistungsfähigkeit zu sichern", verspricht die Bildungsministerin. Die Schulstatistik zeige, dass die Schulen im Land eine gute Basis für die Erfüllung ihres Bildungsauftrages hätten. Das beweise nicht zuletzt der Leistungsvergleich von Neuntklässlers in Mathematik und Naturwissenschaften im Oktober , bei dem Rheinland-Pfalz als einzigem westlichen Bundesland neben Bayern der Sprung in die Spitzengruppe gelungen sei.Extra

"Die pure Erfüllung der Stundentafel reicht nicht", kommentiert Landeselternsprecher Thorsten Ralle die neue Schulstatistik. Das Land müsse 100 Prozent Unterrichtsversorgung plus Vertretungsreserve gewährleisten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert, mehr junge Lehrkräfte einzustellen, denn die Defizite seien nicht akzeptabel. Der Verband Bildung und Erziehung spricht von einem "fortgesetzten Trauerspiel", denn so schlecht sei die Unterrichtsversorgung schon lange nicht mehr gewesen. Der Verband Deutscher Realschullehrer ärgert sich, dass aufgrund sinkender Schülerzahlen Lehrerstellen abgebaut werden. Diese Rechnung könne nicht aufgehen. "Wo bleibt die versprochene beste Bildung für alle, Frau Ahnen?", fragt der FDP-Landesvorsitzende Volker Wissing. Dieses Versprechen des rot-grünen Koalitionsvertrages sei in keinem Bereich umgesetzt. CDU-Sprecherin Bettina Dickes kritisiert, Ministerin Ahnen habe es seit ihrem Amtsantritt 2001 nicht geschafft, das Kernproblem des viel zu hohen Unterrichtsausfalls zu lösen. Bettina Brück (SPD) spricht dagegen von einer Versorgung "auf einem guten Niveau". Rheinland-Pfalz habe "die kleinsten Klassen, die meisten Ganztagsschulen und die jüngsten Lehrer". Die Grüne Ruth Ratter sieht die Unterrichtsversorgung "auf einer soliden Basis".fcg