Angeblicher Investor auf der Anklagebank

Angeblicher Investor auf der Anklagebank

BITBURG. Mehr Schein als Sein? Weil er für den Einstieg bei der Nachrichtenagentur ddp unter anderem ein Bank-Schriftstück gefälscht haben soll, muss sich ein Mann aus der Südeifel am Montag vor dem Amtsgericht Bitburg verantworten.

Für einige Wochen galt er als Retter der angeschlagenen Nachrichtenagentur ddp, der zweitgrößten in der Bundesrepublik. Nun muss sich am kommenden Montag um 9 Uhr der vermeintliche Retter und Investor aus dem Landkreis Bitburg-Prüm vor dem Amtsgericht Bitburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft Trier wirft ihm Betrug und Urkundenfälschung vor. Der Angeklagte soll vor seinem Einstieg bei der Nachrichtenagentur den damaligen ddp-Geschäftsführern glaubhaft gemacht haben, 15 Millionen Dollar zu besitzen. Dieses Vermögen bescheinigte dem heute 51-Jährigen ein angeblich vom Trierer Notar Willi Decku beglaubigtes Schriftstück der luxemburgischen Banque Générale du Luxembourg. Zudem soll der Mann behauptet haben, dass seine Familie Eigentümer der Bitburger Brauerei sei. Diese Behauptung dementierte der Mann jedoch später. Die Brauerei ihrerseits stellte im Jahr 2004 auf Anfrage fest, dass der Mann weder Gesellschafter noch mit der Gesellschafter-Familie verwandt sei. Zum Zeitpunkt des angeblichen Millionenvermögens war es nach Medienberichten um die Finanzen des Angeklagten nicht besonders gut bestellt. Am 30. Dezember 2003 gab der gelernte Speditionskaufmann nach TV-Informationen bereits eine eidesstattliche Versicherung über seine Vermögensverhältnisse ab. Beim Wirtschafts-Auskunftsdienst Creditreform soll der Eifeler außerdem mit dem schlechtestmöglichen Bonitätsindex geführt worden sein. Diese Auskünfte holten die damals bei ddp Verantwortlichen jedoch offensichtlich nicht ein. Aufgrund der Zusage, drei Millionen Euro in das Unternehmen zu investieren, war der Angeklagte am 19. Mai 2004 per Vertrag zum Gesellschafter der ddp geworden. Das zugesagte Geld floss jedoch trotz mehrfacher Ankündigungen und Aufforderungen nicht. Ende August 2004 musste der dann doch nicht so finanzstarke Medieninvestor als Gesellschafter deshalb bei der ddp Nachrichtenagentur GmbH aussteigen.Notar meldet Fälschung der Unterschrift

Ungemach droht nach seinem Ausflug in die Medienwelt dem 51-Jährigen, weil Notar Decku der zuständigen Notarkammer gemeldet hatte, dass sein Siegel und seine Unterschrift unter der von dem Eifeler vorgelegten so genannten Exploration of the fund offenbar gefälscht worden waren. Die Staatsanwaltschaft Trier leitete daraufhin Ermittlungen wegen Urkundenfälschung ein. Der Ausstieg des vermeintlich millionenschweren Investors aus der Eifel trug vermutlich zur Zuspitzung der Finanznöte bei der ddp bei. Am 7. September 2004 meldete die Nachrichtenagentur Insolvenz an. Viele Mitarbeiter verloren in der Folgezeit ihren Job. Der Starnberger Finanzinvestor Arques Industries AG übernahm später die Nachrichtenagentur. Etwa 100 Redakteure und etwa 350 Korrespondenten sind für das Unternehmen heute aktiv.

Mehr von Volksfreund